Frankfurt/Main (dpa). Anfang 2027 soll es losgehen mit dem vom Staat geförderten Altersvorsorgedepot in Deutschland – doch das Wissen darüber ist in der Bevölkerung noch lückenhaft. In einer YouGov-Umfrage für die Commerzbank und ihre Online-Marke Comdirect gab jeweils gut ein Drittel der 1.517 Befragten an, sie hätten entweder noch gar nichts von dem Angebot gehört oder wüssten nur wenig darüber.
Von den 935 Teilnehmern, die zum Zeitpunkt der Erhebung vom 30. Juli bis 3. August 2026 bereits vom Altersvorsorgedepot gehört hatten, fühlt sich mehr als jeder Zweite (56 Prozent) überhaupt nicht oder eher schlecht informiert.
„Gamechanger für die private Altersvorsorge“
Mit dem Altersvorsorgedepot sollen Sparerinnen und Sparer über die Anlage in ETFs, Aktienfonds und Anleihen privat fürs Alter vorsorgen können. Der Staat fördert Einzahlungen mit bis zu 540 Euro Zulage pro Jahr. Pro Kind gibt es zusätzlich bis zu 300 Euro. Die Kapitalerträge werden in der Ansparphase nicht besteuert.
Idee ist, dass die Menschen über die Anlage an der Börse chancenreicher fürs Alter vorsorgen können. 38 Prozent gaben in der YouGov-Umfrage allerdings an, unerfahren in der Wertpapieranlage zu sein. „Das ist eine historische Chance: Millionen von Menschen werden erstmals mit dem Aktienmarkt in Berührung kommen“, sagt Commerzbank-Privatkundenchef Thomas Schaufler. „Das Altersvorsorgedepot ist ein Gamechanger für die private Altersvorsorge in Deutschland.“
Mehrheit der Befragten will kein Depot eröffnen
Vier von zehn Befragten gaben an, es sei sehr wahrscheinlich (16 Prozent) oder zumindest eher wahrscheinlich (22 Prozent), dass sie 2027 ein staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot eröffnen werden. Allerdings ist die Mehrheit noch unentschlossen oder hält eine Depoteröffnung für unwahrscheinlich. „Wer das Altersvorsorgedepot versteht, wird es auch nutzen“, ist Commerzbank-Manager Schaufler überzeugt. „Aufklärung ist hier der Schlüssel.“
Sewing: Kapitalmarkt für Sparer zum Normalfall machen
Mehr Altersvorsorge über den Kapitalmarkt kann nach Ansicht von Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing auch die Wirtschaft in Deutschland und Europa voranbringen. „Unser Problem ist nicht ein Mangel an Kapital. Unser Problem ist, dass zu wenig davon für langfristige Vorsorge und langfristig produktive Investitionen arbeitet“, sagte Sewing bei einer Konferenz der Bundesbank in Frankfurt.
Mit dem Altersvorsorgedepot vollziehe Deutschland einen wichtigen Perspektivwechsel, sagte Sewing. Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Mauderer hatte zuvor bei der Konferenz gesagt, die Rentenreform habe aus ihrer Sicht „das Potenzial eines echten Gamechangers“.
