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Bauzinsen sinken wieder leicht

Der kräftige Aufwärtstrend scheint gebrochen. Was Experten jetzt erwarten und was Italien damit zu zun hat.

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Bauzinsen sinken wieder leicht

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Frankfurt/Main (dpa). Nach dem rapiden Anstieg der Bauzinsen sehen Experten eine Atempause für Bauherren und Immobilienkäufer. Nach einem Abwärtstrend zuletzt rechnen sie damit, dass die Bauzinsen bis Jahresende nur relativ wenig steigen oder sich seitwärts bewegen.

Schon vor der jüngsten Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank sind die Zinsen für zehnjährige Baufinanzierungen spürbar gesunken, beobachtete der Münchner Kreditvermittler Interhyp. Sie lagen zuletzt bei rund 3 Prozent nach gut 3,4 Prozent in der Spitze.

„Kurzfristige Delle“

„Im Moment ist die Tendenz bei den Bauzinsen fallend“, sagte auch Max Herbst, Gründer der FMH-Finanzberatung. Es gebe eine kurzfristige Delle, der Aufwärtstrend sei gebrochen. Zuletzt hatte Herbst noch Bauzinsen von 4 Prozent nach der Sommerpause für möglich gehalten.

Nachdem sich die Bauzinsen seit Januar von 0,8 Prozent auf über 3 Prozent mehr als verdreifacht haben, erwartet Interyhp nun weniger Dynamik. „Die Erwartungen an die geplanten Leitzinserhöhungen sind von den Banken bereits weitgehend eingepreist und Konjunktursorgen gewinnen zunehmend an Bedeutung“, erklärt Mirjam Mohr, Vorständin für das Privatkundengeschäft bei Interhyp. Das bremse den Zinsanstieg. Auch seien die Zeichen für eine straffere Geldpolitik jetzt gesetzt. Interhyp erwartet bis Jahresende einen moderaten Anstieg der Bauzinsen auf 3,5 bis 4 Prozent für zehnjährige Kredite.

Zurückhaltender ist Ditmar Rompf, Vorstandschef des Baufinanzierers Hüttig & Rompf. Vieles von den angekündigten Zinserhöhungen der EZB sei bei den Bauzinsen schon vorweggenommen worden. Er halte 3 Prozent Zinsen auch zum Jahresende für realistisch.

Grund für das Anziehen der Bauzinsen seit Jahresbeginn war die hohe Inflation, die die Notenbanken unter Druck setzt, die Leitzinsen anzuheben. So hat auch die EZB weitere Zinsschritte angekündigt. In Erwartung an eine straffere Geldpolitik waren die Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen, an denen sich Bauzinsen orientieren, hochgeschossen. Zuletzt sind die Renditen aber stark gefallen.

Sorge um Italien

Pekka Sagner, Immobilienexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW), erwartet, dass sich die Bauzinsen auf einem Plateau einpendeln. Zuletzt habe es deutliche Übertreibungen gegeben, meint er. Sollten weitere Leitzinserhöhungen der EZB Sorgen vor einer Zahlungskrise hochverschuldeter Länder wie Italien auslösen, könnten die Bauzinsen weiter sinken, glaubt Sagner. „Der Gedanke, dass steigende Leitzinsen automatisch höhere Bauzinsen bedeuten, trügt.“

Denn Sorgen vor einer neuen Schuldenkrise in Südeuropa könnten Bundesanleihen für Investoren attraktiver machen. Das würde deren Kurse hochtreiben und im Gegenzug die Renditen der Bundesanleihen drücken – und damit auch die Bauzinsen. Die EZB hat schon angekündigt, wenn nötig mit Anleihenkäufen einzuschreiten, sollten die Zinsen für Wertpapiere von Eurostaaten unverhältnismäßig steigen.

Auch FMH-Experte Herbst glaubt, dass die Lage in Italien mit der jüngsten Regierungskrise dazu führen kann, dass Investoren verstärkt Sicherheit in Bundesanleihen suchen. Immobilienbesitzer sollten aber nicht auf tiefere Bauzinsen setzen. Dafür sei die Lage zu fragil.


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