Stuttgart (aba/sth). Die anhaltende Niedrigzinsphase und die Debatte um neue, rentable Modelle der kapitalgedeckten Altersvorsorge beschäftigt auch die Anbieter betrieblicher Altersvorsorgeformen. "Die aktuelle Diskussion über die Zentralisierung der kapitalgedeckten Altersvorsorge mittels quasiobligatorischer Staatsfonds sehen wir mit großer Sorge", erklärte am Donnerstag der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (aba), Georg Thurnes, in Stuttgart. Was als "schöne neue Vorsorgewelt" dargestellt werde, sei aber "nicht zu Ende gedacht", kritisierte er.
Die tatsächlichen Kosten der Staatsfonds würden schöngerechnet, "weil der gesamte administrative Aufwand auf die Arbeitgeber verlagert wird und die Kosten der Auszahlungsphase negiert werden", sagte Thurnes. Zudem würden von den Vertretern solcher Modelle – etwa den Verbraucherzentralen mit der von ihnen vorgeschlagenen "Extrarente" – Verbreitungserfolge in Aussicht gestellt, "ohne die kannibalisierende Wirkung solcher Modelle zu berücksichtigen". Die damit verbundenen Kosten müssten letztlich vor allem die Arbeitgeber tragen, monierte der Verbands-Chef.
Thurnes plädierte stattdessen für eine Stärkung der betrieblichen Altersversorgung. Gerade betriebliche Versorgungseinrichtungen seien "extrem kostengünstig", warb Thurnes. Sie würden wegen ihrer passgenauen Systeme zudem eine hohe Wertschätzung bei den Arbeitnehmern genießen. "Es kann doch nicht im Interesse der Politik sein, Arbeitgebern und Gewerkschaften diesen Gestaltungshebel aus der Hand zu nehmen", kritisierte Thurnes. Doch dies geschehe, wenn zwangsweise in den Staatsfonds einbezogene Arbeitnehmer "mangels ausreichender Sparfähigkeit aus der betrieblichen Altersversorgung aussteigen" würden.
Erklärung der Arbeitsgemeinschaft betriebliche Altersversorgung (aba) zur Diskussion um Staatsfondsmodelle zur Stärkung der kapitalgedeckten Altersvorsorge (im pdf-Format)
