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EZB beschließt größte Zinserhöhung ihrer Geschichte

Die Europäische Zentralbank stemmt sich gegen die Inflation. Sparer blicken nun zuversichtlicher nach vorn, Kredite werden aber wohl teuer.

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Europäische Zentralbank EZB Skyline bei Abenddämmerung. Bild: IMAGO / imagebroker / Georg Stelzner

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Frankfurt/Main (dpa). Die Rekordinflation im Euroraum treibt die Euro-Währungshüter zur größten Zinserhöhung der EZB-Geschichte. Die Notenbank hebt den Leitzins im Euroraum trotz wachsender Sorgen vor einem Absturz der Wirtschaft in eine Rezession um 0,75 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent an.

Die Teuerungsraten seien „nach wie vor deutlich zu hoch“, begründete die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, am Donnerstag in Frankfurt. Im EZB-Rat habe Einigkeit darüber bestanden, dass weitere Zinsanhebungen in den nächsten Monaten wahrscheinlich seien. Bankenverbände und Volkswirte in Deutschland begrüßten, dass die Notenbank sich nun mit höherem Tempo von ihrer ultralockeren Geldpolitik verabschiedet.

Zinsschritt größer als erwartet

Anleger dürfen nach einer jahrelangen Flaute somit wieder auf Zinsen auf dem Sparkonto hoffen. Dafür spricht auch, dass Banken nach der Abschaffung der Strafzinsen im Juli künftig wieder 0,75 Prozent Zinsen erhalten, wenn sie Gelder bei der EZB parken. Andererseits dürften sich zum Beispiel Immobilienkredite weiter verteuern.

Nach langem Zögern hatte der EZB-Rat bei seiner Sitzung am 21. Juli erstmals seit elf Jahren die Zinsen im Euroraum wieder angehoben. Für die September-Sitzung hatte die Notenbank seinerzeit eine weitere Zinserhöhung um 0,5 Prozentpunkte in Aussicht gestellt.

Doch weil die Teuerungsrate zuletzt weiter anzog, nahm der Druck auf die Euro-Währungshüter zu, einen größeren Schritt zu beschließen. Höhere Zinsen können steigenden Teuerungsraten entgegenwirken, sie sind aber zugleich Ballast für die ohnehin schwächelnde Wirtschaft.

„Besser spät als nie"

„Die EZB hat mittlerweile Angst, dass ihr die Felle davonschwimmen und sie in ein jahrelanges Inflationsproblem hineinläuft“, kommentierte Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Sein Kollege von der DZ Bank, Michael Holstein, findet, die kräftigte Zinserhöhung komme zu spät, denn die Euro-Wirtschaft befinde sich bereits auf dem Weg in die Rezession – „doch ein längeres Warten wäre noch teurer als ein beherztes Gegensteuern in wirtschaftlich unsicheren Zeiten“.

Ifo-Präsident Clemens Fuest kommentierte: „Besser spät als nie.“ Dennoch bleibe die Geldpolitik sehr expansiv. „In den nächsten Monaten werden weitere Zinserhöhungen folgen müssen. Die Zinsen seien nach wie vor sehr niedrig.

EZB hat sich verkalkuliert

Die Verbände von Privatbanken, Genossenschaftsbanken und Sparkassen in Deutschland begrüßten die historische Zinserhöhung. Die Entscheidungen seien allerdings „nur eine Etappe auf dem Weg zu einem angemessenen Zinsniveau“, befand der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Helmut Schleweis. „Weitere Zinsanhebungen müssen folgen, damit die Menschen der EZB und ihrem Versprechen stabiler Preise auch weiter glauben können.“

Die EZB hatte die hohe Inflation lange als vorübergehend interpretiert und leitete deutlich später als viele andere Zentralbanken die Zinswende ein. Die US-Notenbank Fed beispielsweise hat ihre Leitzinsen bereits mehrfach nach oben geschraubt, dabei zweimal um jeweils 0,75 Prozentpunkte. Lagarde räumte ein, dass die EZB bei ihren Einschätzungen Fehler gemacht habe.

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