München (tö). Die Zahl der Zwangsversteigerungen von Immobilien hat trotz der Corona-Krise im vergangenen Jahr abgenommen. 2021 wurden Verfahren für 13.163 Immobilien mit Verkehrswerten von insgesamt 2,92 Milliarden Euro eröffnet. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 14.800 Häuser, Wohnungen und Grundstücke mit einem Verkehrswert von 3,15 Milliarden Euro. Dies berichtet der Fachverlag Argetra, der die Termine für Zwangsversteigerungen an allen knapp 500 Amtsgerichten in Deutschland regelmäßig analysiert. Versteigert werden demnach vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Eigentumswohnungen.
Überproportional viele Zwangsversteigerungen im Osten
Im Bundesdurchschnitt lag der Verkehrswert der aufgerufenen Objekte bei 222.165 Euro. Zu überproportional vielen Zwangsversteigerungen kommt es vor allem in Ostdeutschland. Dem Bericht zufolge führen bei den 40 Städten mit den meisten Terminen Chemnitz, gefolgt von Berlin, Leipzig und Zwickau. Betrachtet man die Anzahl der Termine pro 100.000 Haushalte, so ist die Zahl der anberaumten Zwangsversteigerungen zum Beispiel in Sachsen-Anhalt noch immer fast drei Mal so hoch wie in Bayern.
Risiko einer Immobilienblase?
Die Marktexperten von Argetra rechnen damit, dass in diesem Jahr vermehrt Wohnimmobilien unter den Hammer kommen. Die Fachleute begründen dies mit dem „Auslaufen der staatlichen Unterstützungsprogramme durch ein absehbares Ende der Corona-Pandemie einerseits und steigende Zinsen auf der anderen Seite“. Weiter heißt es in der Mitteilung: „Irrational aufgeblasene Immobilienpreise bilden zusammen mit leichtfertig vergebenen Finanzierungen zunehmend einen explosiven Cocktail.“
Andere Marktbeobachter sehen diese Gefahr nicht. Die Preisentwicklung habe bisher nicht zu riskanteren Finanzierungen geführt, heißt es etwa beim Vermittler für Baufinanzierungen Interhyp. Wer sich für Immobilien aus Zwangsversteigerungen interessiert, findet bei den Landesjustizverwaltungen eine Internetplattform unter www.zvg-portal.de. Dort können Interessenten nach Terminen suchen und das gewünschte Amtsgericht auswählen.