München (tö). Die Zahl der Zwangsversteigerungen von Immobilien hat trotz der Corona-Krise weiter abgenommen. Im ersten Halbjahr wurden Verfahren für 6432 Immobilien mit Verkehrswerten von insgesamt 1,42 Milliarden Euro eröffnet. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 7300 Häuser, Wohnungen und Grundstücke mit einem Verkehrswert von 1,57 Milliarden Euro. Dies berichtet der Fachverlag Argetra, der die Termine für Zwangsversteigerungen an allen knapp 500 Amtsgerichten in Deutschland regelmäßig analysiert.
Experten erwarten Trendumkehr für 2022
Auffallend ist laut der Untersuchung jedoch der wachsende Anteil von Teilungsversteigerungen, der gemessen an den Verkehrswerten auf 42 Prozent gestiegen ist. Dabei werden Objekte versteigert, weil sich zum Beispiel Ehepaare scheiden lassen oder Erbengemeinschaften sich zerstreiten. Wohnungen oder Häuser aus Zwangsversteigerungen sind bei „Schnäppchenjägern“ sehr beliebt: „Zwangsversteigerungsobjekte werden vermehrt nachgefragt, weil auf dem normalen Markt kaum noch bezahlbare Immobilien zu finden sind“, heißt es in der Analyse. Die Verkehrswerte liegen demnach in der Regel unter den regulären Marktwerten, außerdem entfallen Makler- und Notarkosten.
Im Bundesdurchschnitt lag der Verkehrswert der aufgerufenen Objekte bei etwa 221.000 Euro. Die Zahl der Zwangsversteigerungen hat in Deutschland seit Jahren abgenommen, unter anderem wegen der guten Konjunktur und der niedrigen Zinsen für Hypothekendarlehen. Die Fachleute rechnen jedoch damit, dass es auf Grund der Pandemie besonders von 2022 an verstärkt zu Kreditkündigungen und damit auch zu mehr Zwangsversteigerungen kommen wird.