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Noch ein Jahrzehnt Zinsen im Keller?

Anleger müssen seit Jahren mit niedrigen Zinsen leben. Dass sich daran schnell etwas ändert, ist durch die Krise noch unwahrscheinlicher geworden.

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Hand eines Mannes im Hintergrund zeigt auf den Begriff Investition, umrahmt von Wirtschaftssymbolen.

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Frankfurt/Main (dpa). Die Corona-Pandemie bremst die Normalisierung des Zinsniveaus in Europa nach Einschätzung des Frankfurter Bankiers Emmerich Müller auf Jahre aus. „Das Zinsniveau war für Investoren schon vor der Pandemie unattraktiv, die Realzinsen sind seit Jahren negativ. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen steigen, ist jetzt noch geringer als vor der Pandemie“, sagte der Partner des 1674 gegründeten Frankfurter Bankhauses Metzler der Deutschen Presse-Agentur. „Dass die Realzinsen steigen, ist für lange Zeiträume – das mag auch ein Jahrzehnt sein – nicht zu erwarten.“ Der Realzins ist der Zins für Spareinlagen nach Abzug der Teuerungsrate.

Notkaufprogramm de EZB läuft bis 2022

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im Januar ihren expansiven geldpolitischen Kurs bestätigt. Bis mindestens Ende März 2022 läuft das Notkaufprogramm der Notenbank für Staatsanleihen und Wertpapiere von Unternehmen (Pandemic Emergency Purchase Programme/PEPP) mit einem Volumen von 1,85 Billionen Euro. Der Leitzins im Euroraum liegt seit inzwischen fast fünf Jahren auf dem Rekordtief von null Prozent. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte die Entschlossenheit der Währungshüter bekräftigt, weiterhin für „günstige Finanzierungsbedingungen“ zu sorgen.

Verzweifelt auf der Suche nach Rendite

Für Anleger ist das Umfeld eine Herausforderung. Es gebe große Investoren, „die verzweifelt auf der Suche sind nach Rendite“, sagte Müller. „Was sollen denn die ganzen Pensionsfonds machen, die für Mitarbeiter und Pensionäre eine solide Altersvorsorge zugesagt haben? Das sorgt natürlich für steigende Preise bei Substanzvermögen, vor allem bei Immobilien und Aktien.“ In der Breite sehe er aber „noch keine Preisblasen, auch wenn es schon Einzelfälle gibt, in denen man eine hohe Bewertung kritisch hinterfragen kann“, bilanzierte Müller.

Nachhaltige Geldanlagen steigen im Kurs

Zunehmend mehr Gewicht bekommt in der Geldanlage das Thema Klimawandel und Umweltschutz. Das Thema Nachhaltigkeit „sei definitiv in der Finanzbranche angekommen“, sagte Müller. „An dem Thema kommt keiner mehr vorbei.“ Der Metzler-Partner führte aus: „Es gibt kaum noch institutionelle Kunden, die nicht in irgendeiner Form nachhaltig investieren müssen, da ist ein gewisser Zugzwang entstanden.“

Insgesamt sehe er die Finanzbranche gut vorbereitet auf das Thema Nachhaltigkeit. „Was mich bei dem Thema stört, sind pauschale Urteile. Einer Bank vorzuwerfen, dass sie Firmen im Zusammenhang mit Kohle finanziert, halte ich zum Beispiel für sehr zweifelhaft. Im Grunde ist das zunächst eine Entscheidung der jeweiligen Regierung“, sagte Müller.

Dass EZB-Präsidentin Lagarde dem Klimaschutz bei der Notenbank mehr Gewicht einräumen will, sieht Müller skeptisch. „Ob Klimaschutz zu den Aufgaben einer Zentralbank gehört, da habe ich große Zweifel. Zentralbanken dürfen nicht mit zu vielen Aufgabenstellungen überladen werden. Die EZB sollte ein klares Mandat haben“, sagte der Metzler-Partner.

„Die Folgekosten der Pandemie werden uns noch lange begleiten“, prognostizierte Müller. „Vermutlich wird es wieder eine Diskussion über die Ungleichheit in unserem Lande geben, die Forderung nach einer Vermögenssteuer wird wieder aufkommen. Dass wir alle die heutigen Lasten schon tragen in Form von negativen Zinsen, wird dabei gerne vergessen.“


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