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Überschuldung wächst in Pandemie bei Geringverdienern

Die Covid-19-Krise verstärkt die soziale Ungleichheit. Wer schon jetzt wenig hat, hat häufiger finanzielle Einbußen.

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München (rt). Die Corona-Pandemie trägt dazu bei, die Zahl der überschuldeten Privathaushalte zu erhöhen und bestehende soziale Ungleichheiten in Deutschland zu verschärfen. Das geht aus einer Studie eines Wissenschaftler-Teams des Instituts für Finanzdienstleistungen und der GP Forschungsgruppe im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung hervor.

Pandemie setzt auch neue Bevölkerungsgruppen finanziell unter Druck

Demnach geraten durch die Pandemie nicht nur Personen stärker unter Druck, die bereits jetzt ohne finanzielle Rücklage sind. Auch neue Gruppen in der Bevölkerung, wie Selbständige, prekär Beschäftigte und Menschen in Ausbildung, liefen Gefahr, „in die Überschuldung zu geraten“. Auf das Problem war bereits im Entwurf des 6. Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung aufmerksam gemacht worden, dort hieß es: „Es ist zu erwarten, dass die Zahl der Fälle von Überschuldung in der Folge der Covid19-Pandemiekrise in den kommenden Jahren erneut deutlich ansteigen wird.“

Etwa ein Drittel der Befragten musste an die Ersparnisse gehen

Die neue Untersuchung beruht auf einer bundesweiten repräsentativen Umfrage sowie Umfragen und Experten-Interviews in ausgewählten Regionen der Regierungsbezirke Düsseldorf sowie von Oberfranken, der Oberpfalz und Niederbayern. 31 Prozent der deutschlandweit Befragten gaben dabei an, dass sie auf ihre Ersparnisse zurückgreifen mussten. Bei 13 Prozent waren laut den eigenen Angaben die Ersparnisse bereits im Oktober 2020 aufgebraucht.

Die detailliertere Befragung in den Regionen ergab, dass von den finanziell Betroffenen 19 Prozent in Ausbildung sind. 24 Prozent der Selbstständigen hatten ihr Einkommen bereits im Juli 2020 komplett verloren.

Laufende Kosten gehen weiter

Die Studie zeigt weiter: Menschen mit geringem Monatseinkommen trifft die Pandemie besonders stark. So gab jeweils etwa ein Drittel der Befragten mit einem monatlichen Nettoeinkommen von unter 1.000 Euro sowie zwischen 1.000 und 2.000 Euro an, dass sich ihre finanzielle Situation verschlechtert habe. Viele machen sich offenbar Sorgen, zukünftig Rechnungen nicht mehr begleichen zu können.

Frauen überdurchschnittlich stark betroffen

Finanzielle Einbußen erlitten vor allem Menschen „die in Haushalten mit drei oder mehr Personen wohnen“, heißt es in der Untersuchung. Überdurchschnittlich stark betroffen seien Frauen, weil sie häufig im Gastgewerbe und anderen von der Pandemie besonders betroffenen Branchen arbeiten und als Minijobberinnen kein Kurzarbeitergeld bekommen.

Laut den Wissenschaftlern waren 2019 zwischen 5,36 Millionen und 7,01 Millionen Menschen in Deutschland überschuldet. Sie können ihren Zahlungsverpflichtungen ganz oder teilweise nicht mehr nachkommen. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform schätzt, dass knapp sieben Millionen Erwachsene 2019 überschuldet waren.


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