München (tö). Bankkunden, die in den nächsten Wochen und Monaten etwa wegen der steigenden Lebenshaltungskosten und hohen Energiepreise ihr Girokonto vorübergehend überziehen, müssen mit steigenden Kosten rechnen. Nach den Leitzinserhöhungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) haben etliche Banken den Zinssatz für Dispokredite, also für eine genehmigte Überziehung des Kontos, angehoben.
Im Durchschnitt verlangen die Geldinstitute nach Angaben des Verbraucherportals biallo.de wieder mehr als zehn Prozent Zinsen für solche Dispokredite. Einige kleinere Regionalbanken kassieren sogar mehr als 13 oder 14 Prozent. Gestiegen sind in den vergangenen Monaten aber auch die Zinsen für Tages- und Festgeld, wobei es hier ebenfalls riesige Unterschiede gibt. Verbraucherschützer empfehlen deshalb, die Angebote gut zu vergleichen.
Bis zu 17 Prozent Überziehungszinsen
Laut der jüngsten Analyse von biallo.de haben in den vergangenen Monaten 264 Banken und Sparkassen den Zinssatz für Dispokredite oder Überziehungskredite erhöht. Bei den Überziehungskrediten, die fällig werden können, wenn der von dem Kreditinstitut gewährte Rahmen für den Dispokredit überschritten ist, sind die Zinsen noch höher als beim Dispokredit. Hier werden im Durchschnitt mehr als 12 Prozent verlangt, in wenigen Fällen können es sogar um die 17 Prozent sein.
Bankkundinnen und Bankkunden sollten deshalb, trotz Krise und aufkommender Rezession in Deutschland unbedingt vermeiden, ihren Kreditrahmen zu sprengen und auch den Dispo möglichst nur für kurze Zeit zu nutzen. Wer eine Notreserve auf dem Tagesgeldkonto geparkt hat, sollte lieber das Ersparte auf das Girokonto überweisen, um dort rote Zahlen auszugleichen und hohe Kreditkosten zu vermeiden.
Tagesgeld und Festgeld
Die Zinsen für Guthaben auf Tagesgeldkonten sind zwar gestiegen, mit laut biallo.de im Durchschnitt um die 0,4 Prozent allerdings immer noch äußerst niedrig. Einige Banken zahlen aber bereits 0,6 Prozent. Neukunden können in den ersten drei bis vier Monaten nach der Kontoeröffnung sogar 1,0 bis 1,1 Prozent Zinsen herausschlagen.
Deutlich mehr gibt es derzeit für Festgeld: Bei einer Laufzeit von einem Jahr zahlen deutsche Banken mit 100-prozentiger Einlagensicherung bereits wieder 1,75 Prozent Zinsen. Bei einer Laufzeit von zwei Jahren sind sogar mehr als zwei Prozent drin.
Tipp: Laufzeit nicht zu lange wählen
Wer Erspartes als Festgeld für ein bis zwei Jahre festlegt, bindet sich nicht allzu lange und ist dadurch flexibler. Vorteil: Erhöht die EZB weiter die Zinsen und steigen damit auch die Zinsen für sichere Sparanlagen, können Kunden nach Rückzahlung des Festgeldes ihr Erspartes zu dann noch besseren Konditionen wieder anlegen. Solange die Inflation so hoch bleibt, bringen solche Zinsanlagen jedoch immer noch einen Kaufkraftverlust.
