Ihre-Vorsorge Logo

Was bringt ein gutes Gewissen bei der Geldanlage?

Nachhaltigkeit liegt auch bei der Geldanlage im Trend. Das Angebot ist allerdings intransparent. Das soll sich 2021 ändern – aber wie?

Artikel vorlesen

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlicht

Paar im mittleren Alter schaut lächelnd auf einen Laptop-Bildschirm.

© Nicht definiert

Berlin (dpa/tmn). Ein Begriff macht Karriere: Nachhaltigkeit ist in fast aller Munde. Spielte das Wort noch vor wenigen Jahren allenfalls in der Umweltbewegung eine Rolle, gewinnt es inzwischen für immer breitere Bevölkerungsteile an Bedeutung – egal ob beim Einkaufen, Essen, Reisen, Einkleiden oder bei der Geldanlage.

Kein Wunder, denn beschrieben wird damit ein gutes Prinzip: Die eigenen Bedürfnisse befriedigen, ohne dabei zukünftigen Generationen die Lebensgrundlagen zu entziehen. Glaubt man Umfragen, wird genau das für viele Menschen immer wichtiger. Nicht zuletzt wegen Corona.

Viele sind bereit, mehr Geld auszugeben

Seit Beginn der Pandemie ist Nachhaltigkeit für 18 Prozent der Bundesbürger bedeutender geworden, wie eine Umfrage der Puls Marktforschung im Auftrag der Quirin Privatbank zeigt. Für fast 67 Prozent ist das Thema demnach noch genauso wichtig.

Viele sind sogar bereit, für Nachhaltigkeit mehr Geld auszugeben. Laut einer Umfrage von Kantar Emnid im Auftrag von Fidelity International würden 74 Prozent für nachhaltige Lieferketten höhere Preise akzeptieren und 64 Prozent höhere Steuern auf Benzin.

Wirtschaft setzt auf Nachhaltigkeit

Auch die Wirtschaft kommt um das Thema nicht mehr herum: Gerade erst verkündeten die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und die Europäische Zentralbank (EZB), sich stärker für den Klimaschutz einsetzen zu wollen. Dazu soll ein Fonds gestartet werden, der in „grüne“ Wertpapiere mit umweltschonenden Zwecken investieren soll.

Auch die Versicherungsbranche verabschiedete erst Anfang des Jahres Nachhaltigkeitsziele. Das Geld der Kunden soll bis spätestens 2050 klimaneutral angelegt werden. Damit will die Branche einen Beitrag zum nachhaltigen Umbau der Wirtschaft leisten.

„Das ist längst kein Nischenthema mehr“, sagt Carlo Funk, beim Vermögensverwalter State Street Global Advisors verantwortlich für nachhaltige Investmentstrategie. „Das Bewusstsein für das Thema ist da. Damit beschäftigen sich viele Kunden.“

Wachstumsraten sind enorm

Und der Markt wächst. Allein 2019 investierten Privatanleger 18,3 Milliarden Euro in entsprechende Produkte, wie der letzte Marktbericht des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) zeigt. Das entspricht einer Wachstumsrate von 96 Prozent. 2018 lag diese Summe noch bei rund 9,4 Milliarden Euro. Dass die Zahlen für 2020 schlechter ausgefallen sind, ist kaum zu erwarten.

Im Gegenteil: „Auch im vergangenen Jahr war das Wachstum im Volumen nachhaltiger Anlagen rasant“, sagt Reinhard Pfingsten, Chief Investment Officer bei der Bethmann Bank. „Während in den Vorjahren der Markt im Wesentlichen von institutionellen Geldern geprägt war, spielt nun auch der Privatkundenmarkt eine immer größere Rolle.“

„Nachhaltige Kapitalanlagen sind der Megatrend auf dem globalen Börsenmarkt“, erklärt Lena Lochner, Portfoliomanagerin Bayerische Vermögen Management AG. „Nachhaltige Fonds und ETFs haben 2020 nicht nur ihr Handelsvolumen ausbauen können, sondern auch eine außerordentlich positive Wertentwicklungen gezeigt.“

Einheitliche Kriterien fehlen

Trotz dieser guten Entwicklung gibt es ein Problem: Was als nachhaltig gilt, ist nicht einheitlich festgelegt. „Der Begriff verschwimmt zudem immer mit der Definition von ESG – also den Kriterien für eine gute Umwelt (E), für die Berücksichtigung sozialer Aspekte (S) und für eine gute Unternehmensführung (G)“, erklärt Frank Wieser, Geschäftsführer von PMP Vermögensmanagement.

Gerade für Privatanleger ist es deshalb oft nicht einfach, passende Produkte zu finden. So nahm die Stiftung Warentest nachhaltige Fonds, die weltweit investieren, unter die Lupe. Die Tester wollten unter anderem wissen, welche Branchen und Geschäftspraktiken die Anbieter ausschließen und ob das auch für Töchter, Beteiligungen und Zulieferer der Firmen gilt. Ein Ergebnis: In ihrer Anlagestrategie unterscheiden sich die Fonds mitunter deutlich.

Analyse erfordert viel Wissen

Oft geben sich Firmen oder Anbieter nur einen nachhaltigen Anstrich, weil sie sich davon bessere Chancen erhoffen. In Wirklichkeit arbeiten sie aber gar nicht so umweltbewusst oder sozial wie dargestellt. „Privatanleger haben kaum die Möglichkeit, dieses sogenannte ‚greenwashing‘ zu durchschauen“, sagt Carlo Funk.

Denn die Recherche ist sehr aufwendig: „Wir beschäftigen zahlreiche Analysten und Portfoliomanager dezidiert für dieses Thema und haben zusätzlich mehrere Researchhäuser in diesem Bereich mandatiert“, sagt Reinhard Pfingsten. „Im Prinzip müssen Sie ihre klassische Wertpapieranalyse verdoppeln für die nachhaltige Analyse.“ Die allermeisten Kleinanleger sind hier vermutlich überfordert.

Angebot soll für Anleger transparenter werden

Trotzdem wird der Markt nachhaltiger Anlagen weiter wachsen, da sind sich die viele Experten sicher. Dazu beitragen wird neben einem gewachsenen Bewusstsein auch die Regulierung: Durch die neue Offenlegungsregulierung der EU soll das Thema nachhaltige Geldanlage für Anleger und ihre Berater in 2021 ein fester Bestandteil werden.

„Hintergrund ist die Umsetzung des EU-Aktionsplans zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums“, erklärt Mathias Lebtig, Geschäftsführer der FP Asset Management GmbH. „Wer künftig einen Kunden zur Geldanlage berät, muss seine Nachhaltigkeitspräferenzen abfragen.“

Für Carlo Funk steht fest: „Das wird die Landschaft verändern.“ Denn Nachhaltigkeit werde jetzt in jedem Beratungsgespräch ein Thema.

Anleger können sich dem Thema auch auf eigene Faust nähern. Ein Einstieg können ETF sein, zum Beispiel auf den nachhaltigen Index MSCI World SRI – die letzten drei Buchstaben stehen für Socially Responsible Investment. Ein Pluspunkt hier: Der Index schnitt in der Corona-Krise bisher besser ab als der herkömmliche MSCI World Index.

Mehr zum Thema


Weitere Artikel

Time
3 Minuten

Vom neuen Jahr an wird der elektronische Steuerbescheid zum Regelfall. Wer den Steuerbescheid in Papierform möchte, muss selbst aktiv werden. Was künftig gilt und welche Ausnahmen es gibt.

Time
1 Minuten

Die Ministerpräsidenten wollen, dass der Bund rasch einen Vorschlag zur Begrenzung der Spritpreise vorlegt. Niedersachsens Regierungschef sieht darin eine Frage der Gerechtigkeit.

Time
2 Minuten

Die E-Auto-Prämie ist stark gefragt, doch Umweltminister Carsten Schneider gibt Entwarnung: Erstmal soll das Geld reichen.

Time
2 Minuten

Die Beiträge steigen um mehr als zehn Prozent für gut die Hälfte der Privatversicherten. Das liegt vor allem an den höheren Ausgaben für Ärzte, Krankenhäuser und Arzneimittel, wie der Verband der Privaten Krankenversicherung bekanntgegeben hat.

Time
2 Minuten

Wer Angehörige regelmäßig zur Pflege besucht, trägt oft hohe Fahrtkosten. Ein Urteil zeigt, warum diese Ausgaben steuerlich nicht immer anerkannt werden.

Time
3 Minuten

Der Tankrabatt ist seit einigen Wochen in Kraft. Die große Mehrheit merkt beim Tanken aber keine spürbare Entlastung, wie eine Umfrage zeigt.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026