Ihre-Vorsorge Logo

Weniger Privatleute spenden klassisch Geld

Spendenverhalten: Lassen Themen wie Krisen, Umweltzerstörung oder Hunger in der Welt immer mehr Menschen hierzulande kalt?

Artikel vorlesen

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlicht

Hand mit Euroscheinen. Bild: IMAGO / Panthermedia / claudiovizia

© Nicht definiert

Berlin (dpa). Vor allem am Jahresende kommt man kaum daran vorbei: Auf Plakatwänden, per Brief oder in Online-Anzeigen wird zum Spenden für wohltätige Zwecke aufgerufen. Laut Deutschem Spendenrat spenden aber so wenige Privatleute wie noch nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 2005. Von Januar bis Ende September 2019 gaben hochgerechnet rund 15,7 Millionen Menschen für gemeinnützige Organisationen und Kirchen Geld, 800.000 weniger als im Vorjahreszeitraum. Das geht aus Daten hervor, die der Spendenrat am Montag in Berlin vorgestellt hat.

Trauriger Trend: Die Deutschen spenden immer weniger

Ein „trauriger Trend“, so Bianca Corcoran-Schliemann von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Die GfK erhebt für die Untersuchung die monatlichen Selbstauskünfte von 10.000 deutschen Privatpersonen ab 10 Jahren. Insgesamt seien bis Ende September 3,26 Milliarden Euro für gute Zwecke zusammengekommen, 1,3 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2018. Damit seien die Folgen des Spenderrückgangs auf das Gesamtvolumen gering. Das hänge damit zusammen, dass die einzelne Spende (35 Euro) höher ausfällt als in manch früherem Jahr. Und diejenigen, die spenden, tun dies mehrfach – im Durchschnitt knapp sechs Mal bis Ende September.

Bis Jahresende werde mit einem Ergebnis von deutlich über fünf Milliarden Euro und damit einem „recht guten Spendenjahr“ gerechnet, sagte Corcoran-Schliemann. Im Vergleich zu 2018 (5,3 Milliarden) gebe es voraussichtlich nur „leichte Verluste“. Drei Viertel des bisher gespendeten Geldes flossen in die humanitäre Hilfe.

Ältere Menschen sind spendenfreudiger

Mit großem Abstand am spendenfreudigsten zeigt sich der Analyse zufolge die Generation der Über-70-Jährigen mit insgesamt 1,3 Milliarden Euro im untersuchten Zeitraum, das macht 255 Euro pro Spender. Danach kommen die 50- bis 59-Jährigen mit 570 Millionen. Die 60- bis 69-Jährigen fallen dahinter zurück (462 Millionen). In dieser Altersgruppe gibt es nach einer ergänzenden GfK-Befragung auch den höchsten Anteil (42 Prozent) an Menschen, die der Aussage zustimmen, dass Hilfe für die Ärmsten Sache des Staates sei.

In „Katastrophen-Jahren“ gibt es mehr Spender

Besonders viele Spenden kamen in Jahren zusammen, in denen sich große, in den Medien präsente Katastrophen ereigneten. Etwa im „Ausnahmejahr“ 2005 nach dem verheerenden Tsunami Ende 2004 in Thailand, wie Corcoran-Schliemann sagte. Im damaligen Untersuchungszeitraum waren annähernd doppelt so viele Spender verzeichnet worden wie aktuell: 29,9 Millionen und damit 44 Prozent der Bevölkerung (2019: 23 Prozent). Schon 2006 waren es nur noch 22 Millionen Spender – und der ist Trend weiter rückläufig, mit Ausreißern in einzelnen Jahren.

Ursachen für den Rückgang der Spendenbereitschaft sind unklar

Auch wenn der Spendenrat sich mit der Gesamtsumme weiter zufrieden zeigt: Der Rückgang der Spenderzahl sei für die sammelnden Organisationen durchaus ein Problem, sagte der Fundraising-Experte Michael Urselmann von der TH Köln der Deutschen Presse-Agentur. „Wir wissen aber nicht genau, woran es liegt.“ Eine mögliche Ursache sei ein Generationenwechsel: Die nun ins typische Spendenalter kommenden Babyboomer hätten womöglich andere Prioritäten als ihre Eltern, die selbst im Krieg Leid erfahren und gerne etwas zurückgegeben hätten.

Ein weiterer Erklärungsversuch sei, dass der Rückgang an Spendern mit einer Aushöhlung der Mitte der Gesellschaft zusammenhänge, die Spenden immer mitgetragen habe, so Urselmann. Gemeint sei damit, dass auf der einen Seite der Reichtum zunehme, auf der anderen die Armut wachse.

Ein Teil des Engagements läuft heute auch auf anderen Wegen, die der Spendenrat nicht erhebt: Sachspenden, soziales Engagement oder Spendenaufrufe von Privatleuten in sozialen Medien etwa.

Dachverband für Fundraising: der Spendenrat

Der Spendenrat ist ein gemeinnütziger Dachverband von 68 Organisationen, die Spenden sammeln. Während er bei der Untersuchung auf die klassische Geldspende blickt, stellte der Deutsche Fundraising Verband kürzlich eine Rechnung inklusive Erbschaften und Großspenden an und kam auf insgesamt „eher 12 Milliarden private Spenden pro Jahr“. Würden auch noch Kirchensteuer und Unternehmensspenden mit betrachtet, komme man sogar auf ein Gesamtspendenvolumen von 33,9 Milliarden Euro, hieß es.

Weitere Informationen

www.spendenrat.de
Spendenrat

www.dfrv.de
Grafik zu Zahlen des Fundraising Verbandes (PDF)

Weitere Artikel

Time
3 Minuten

Vom neuen Jahr an wird der elektronische Steuerbescheid zum Regelfall. Wer den Steuerbescheid in Papierform möchte, muss selbst aktiv werden. Was künftig gilt und welche Ausnahmen es gibt.

Time
1 Minuten

Die Ministerpräsidenten wollen, dass der Bund rasch einen Vorschlag zur Begrenzung der Spritpreise vorlegt. Niedersachsens Regierungschef sieht darin eine Frage der Gerechtigkeit.

Time
2 Minuten

Die E-Auto-Prämie ist stark gefragt, doch Umweltminister Carsten Schneider gibt Entwarnung: Erstmal soll das Geld reichen.

Time
2 Minuten

Die Beiträge steigen um mehr als zehn Prozent für gut die Hälfte der Privatversicherten. Das liegt vor allem an den höheren Ausgaben für Ärzte, Krankenhäuser und Arzneimittel, wie der Verband der Privaten Krankenversicherung bekanntgegeben hat.

Time
2 Minuten

Wer Angehörige regelmäßig zur Pflege besucht, trägt oft hohe Fahrtkosten. Ein Urteil zeigt, warum diese Ausgaben steuerlich nicht immer anerkannt werden.

Time
3 Minuten

Der Tankrabatt ist seit einigen Wochen in Kraft. Die große Mehrheit merkt beim Tanken aber keine spürbare Entlastung, wie eine Umfrage zeigt.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026