Ihre-Vorsorge Logo

Papillomviren-Impfung schützt vor Mund-Rachen-Krebs

Ein Risikofaktor für bösartigen Mund-Rachen-Tumore sind Humane Papillomviren. Eine frühzeitige Impfung kann dieses Risiko ausschalten.

Artikel vorlesen

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlicht

Ärztin zieht Spritze aus Serum-Ampulle auf.  Bild: IMAGO / Shotshop / Studio_77-28

© Nicht definiert

Berlin/Köln (dpa/tmn). Mund-Rachen-Krebs gilt als klassische Raucher- und Trinkerkrankheit. Mittlerweile weiß man jedoch, dass hinter den Tumoren eine weitere Ursache stecken kann: Eine chronische Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV). Das weltweit verbreitete Virus befällt Schleimhäute und Haut, es gibt allerdings eine wirksame Impfung gegen HPV-bedingte Tumore.

Professor Jens Peter Klußmann, Klinikdirektor der Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde an der Uniklinik Köln, rät zur Impfung. Zwar seien Papillomviren vor allem dafür bekannt, Gebärmutterhalskrebs auszulösen. Doch Klußmann erklärt: „Wir konnten nachweisen, dass der Anteil der Tumore steigt, die auf eine HPV-Infektion zurückgehen.“

Paillomviren werden sexuell übertragen

Das Virus wird sexuell übertragen. In seltenen Fällen geben Mütter es während der Geburt an ihre Kinder weiter. Die meisten sexuell aktiven Menschen infizieren sich mindestens einmal im Leben. Auch Kondome verhindern eine Infektion nicht sicher.

„In der Regel handelt es sich nur um flüchtige Infektionen, die von selbst ausheilen“, sagt Professor Andreas Dietz, Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde am Universitätsklinikum Leipzig. Sie können aber auch chronisch verlaufen und zu Krebs führen. „Wir gehen davon aus, dass Menschen, die in ihrem Leben viele Sexualpartner haben und Oralsex praktizieren, ein höheres Risiko haben, zu erkranken“, so Klußmann.

Geschlechtsunabhängige HPV-Tumore

Um sich zu schützen, ist eine Impfung vor dem ersten Sexualkontakt sinnvoll. Seit 2007 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die HPV-Impfung für Mädchen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren, da Gebärmutterhalskrebs zu 100 Prozent mit Papillomviren in Verbindung gebracht wird.

Etwa 45 Prozent der 17-jährigen Mädchen in Deutschland sind geimpft. Seit 2018 gilt die Empfehlung der STIKO auch für Jungen. Auch sie übertragen HPV und ihre Impfung schützt nicht nur die Mädchen, sondern verhindert auch bei den Jungen die Entstehung von Mund- und Rachenkrebs und weiteren HPV-Tumoren wie Anal- und Peniskrebs. Die Impfung zahlen die Krankenkassen.

Impfempfehlung vor dem 14. Geburtstag

„Wir empfehlen, Kinder vor dem 14. Geburtstag zu impfen“, sagt Hermann Josef Kahl, Kinder- und Jugendarzt und Bundespressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. Mit einem halben Jahr Abstand wird dann zweimal geimpft. Nach dem 14. Geburtstag gibt es drei Spritzen im Halbjahresabstand. „Die Impfung ist sehr gut verträglich“, betont Kahl.

Viele Eltern vergäßen das Impfen aber schlichtweg. Deshalb sollten Kinderärzte immer wieder darauf hinweisen. Ein guter Zeitpunkt dafür sei die Vorsorgeuntersuchung U11 im Alter von neun bis zehn Jahren, die einige Kassen bezahlen.

Impfung im Erwachsenenalter ist nicht mehr sinnvoll

Dagegen sind Impfungen im Erwachsenenalter laut Andreas Dietz nicht sinnvoll. Vorab müsse man herausfinden, ob man mit HPV infiziert sei. Zwar gibt es kommerzielle Bluttests, die Antikörper im Blut nachweisen, doch davon rät Dietz ab. „Das ist Geldschneiderei. Die Tests sagen wenig über eine Krebsgefährdung aus und können für unnötige Beunruhigung sorgen.“ Außerdem seien die Tests nicht hundertprozentig verlässlich.

Ungeimpfte Menschen im Erwachsenenalter sollten gut auf ihren Körper achten. „Treten Schluckbeschwerden, Halsschmerzen oder ein Fremdkörpergefühl im Hals auf, sollte man zügig zum Arzt gehen“, rät Klußmann. Denn bei einer frühzeitigen Diagnose gebe es erhöhte Chancen, den Krebs zu besiegen. „Hier zählen Monate.“

Obwohl Mund- und Rachenkarzinome, die auf HPV zurückgehen, schnell Metastasen bilden, hat die Erkrankung eine bessere Prognose als Tumore, die durch Rauchen und Trinken ausgelöst wurden. „Bei Tabak- und Alkoholkonsum wird die Erbsubstanz multipel geschädigt“, erklärt Dietz. „Hier ist die Fähigkeit, auf die Therapie zu reagieren, schlechter.“

Therapie bei Kopf-Hals-Krebs

Kopf-Hals-Krebs wird mit Operation, Strahlen- und Chemotherapie behandelt. Laut Klußmann gibt es derzeit an der Uniklinik Köln ein wissenschaftliches Projekt, das darauf abzielt, die Virus-DNA im Blut zu finden. So wäre für Patienten mit einem Rückfall eine frühzeitige und bessere Nachsorge möglich. „Vielleicht können wir künftig auch Antikörper gegen die Viren nutzen und so die Früherkennung dieses Krebses verbessern“, hofft Klußmann.


Weitere Artikel

Time
3 Minuten

Kiffen ist inzwischen mit vielen Auflagen für Erwachsene erlaubt. Zugleich wächst der Markt für Cannabis als Medikament stark. Der neue Minister will dem einen Riegel vorschieben.

Time
2 Minuten

Hat die Apotheke um die Ecke noch auf? Und hilft sie auch bei Videosprechstunden mit Ärzten? Und was noch? Ein Angebot der Apothekerverbände gibt schnellen Überblick.

Time
2 Minuten

Nicht nur Smartphones und Tastaturen sind echte Keimschleudern: Wie Sie mit einfachen Hygienetipps Krankheitserreger im Büroalltag und auf der Baustelle reduzieren können.

Time
2 Minuten

Traurig, gereizt, freudlos – nicht jede Verstimmung ist gleich eine Depression. Aber wenn sich Symptome häufen, kann das durchaus ein Hinweis sein. Gut, dass es Hilfe gibt.

Time
4 Minuten

Kopfschmerzen, Rücken, Erkältungsbeschwerden: ein rezeptfreies Schmerzmittel ist oft das erste Mittel der Wahl. Das heißt aber nicht, dass solche Medikamente harmlos sind.

Time
2 Minuten

Auch in der bevorstehenden Sammelsaison gilt: Nur sicher als essbar bestimmte Pilze dürfen auf dem Teller landen. Wo man Experten findet und was im Notfall zu tun ist.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026