Rente / 11.09.2020

"Automatische Anhebung des Rentenalters nicht der richtige Weg"

Brüsseler Büro der Deutschen Sozialversicherung legt Stellungnahme zu Auswirkungen des demografischen Wandels in Europa vor.

Bild zum Beitrag ""Automatische Anhebung des Rentenalters nicht der richtige Weg". Das Bild zeigt von unten internationale Flaggen an Fahnenmasten vor blauem Himmel.

Brüssel (sth). Gegen eine Koppelung des Renteneintrittsalters an die allgemeine Lebenserwartung hat sich die Europavertretung der Deutschen Sozialversicherung (DSV) ausgesprochen. "Automatische Anpassungsformeln wie die Anbindung des Rentenalters an die Entwicklung der Lebenserwartung sind nicht der richtige Weg", heißt es in der Stellungnahme des DSV-Büros zu einem derzeit in Brüssel vorbereiteten Grünbuch zum Alter. Die Entwicklung der Lebenserwartung sei nur "einer von mehreren Faktoren, welche in die Beurteilung der Angemessenheit einer Anpassung des Rentenalters eingehen".

Mit Blick auf die Diskussion um zunehmende Altersarmut heißt es in dem Papier zurückhaltend, das Risiko von Armut im Alter "kann als Folge unterbrochener oder unvollständiger Erwerbskarrieren und der Ausweitung von Beschäftigungsverhältnissen im Niedriglohnsektor zunehmen". Im Rentenalter seien zudem die Möglichkeiten zur Abwehr von Altersarmut, etwa durch Weiterbildung oder Ausweitung der Arbeitszeit, "nur eingeschränkt gegeben". Auch seien in Ländern, in denen nur Teile der Bevölkerung in obligatorische Alterssicherungssysteme einbezogen sind, "armutsbekämpfende Elemente in den Rentensystemen nur beschränkt effektiv", stellen die Vertreter der deutschen Sozialversicherungsträger fest.

Kritisch sieht das Brüsseler DSV-Büro die im Durchschnitt noch immer niedrigeren Renten von Frauen im Vergleich zu den Männerrenten. Begründet sei dies "oftmals in einer schlechteren Erwerbssituation von Frauen". Entscheidend für eine Verbesserung der Lage sei eine "höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen, vor allem in Vollzeit oder vollzeitnaher Tätigkeit und in Berufen mit höherem Lohnniveau". Voraussetzung dafür sei jedoch eine "bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Familienleben, unterstützt durch hochwertige und bezahlbare professionelle Betreuungsangebote für Kinder in allen Altersgruppen", heißt es in der DSV-Stellungnahme.

Mehr zum Thema:

https://dsv-europa.de

Stellungnahme des Brüsseler Büros der Deutschen Sozialversicherung (DSV) zu den Auswirkungen des demografischen Wandels in Europa (pdf)

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Autor

Stefan Thissen