Gesundheit / 28.06.2018

Lange warten auf die Therapie

Wartezeiten beim Psychotherapeuten sind für viele Patienten ein Ärgernis und eine Belastung – Thema im Jahresbericht der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland

Bad Homburg (kjs). Patienten müssen mitunter lange auf einen Platz in der ambulanten Psychotherapie warten. Das geht aus dem Jahresbericht 2017 der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) hervor.

Die Plätze bei den Psychologen und Psychotherapeuten mit Kassenzulassung sind demnach häufig nicht ausreichend, um den Bedarf insbesondere an kurzfristig verfügbarer Psychotherapie zu decken.

Die ambulante Psychotherapie wirft dem Bericht zufolge viele Fragen auf.

Rechtliche Situation

Bereits seit 1999 sind in dem Psychotherapeutengesetz (PsychThG) die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Psychotherapeuten festgelegt worden. Psychotherapeut, Psychologische Psychotherapeut sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut darf sich nur bezeichnen, wer über die entsprechende Ausbildung verfügt.

Die Arzt- und Psychotherapeutenregister werden von den Kassenärztlichen Vereinigungen geführt. Die Zulassung ermöglicht den Psychotherapeuten die Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen über die Versichertenkarte des Patienten. Der Arztregister-Eintrag berechtigt auch zur Abrechnung mit der Beihilfe und vielen privaten Krankenversicherungen.

Die Anzahl der Kassenzulassungen für Psychotherapeuten innerhalb einer Region ist begrenzt. Sie ist abhängig von der Einwohnerzahl. Die so genannte Bedarfsplanung, die die Zahl der Kassenpsychotherapeuten festlegt, wird ebenfalls von den Kassenärztlichen Vereinigungen festgelegt.

Sprechstunden und Akuttherapie

Um die Situation für die Patienten zu verbessern, wurde die ambulante Psychotherapie zum 1. April 2017 reformiert. So wurden Sprechstunden sowie die Akuttherapie eingeführt.

Die psychotherapeutische Sprechstunde soll schneller einen ersten Kontakt zu einem Psychotherapeuten ermöglichen. Wenn in der Sprechstunde eine psychische Erkrankung festgestellt wird, die besonders dringend behandelt werden muss, kann der Therapeut unmittelbar mit der Akutbehandlung beginnen

Die drei zugelassenen Behandlungsarten sind die Verhaltenstherapie, die Analytische Psychotherapie und die Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie.

Wann zahlt die gesetzliche Krankenkasse?

Der gesetzlich Krankenversicherte kann einen Psychotherapeuten, soweit er zur psychotherapeutischen Behandlung zugelassen ist, ohne ärztliche Überweisung direkt aufsuchen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten dieser Therapie, sofern der Patient einige vorbereitende Sitzungen, die so genannten probatorischen Sitzungen, durchlaufen hat.

Mindestens zwei probatorische Sitzungen müssen vor der eigentlichen Therapie stattfinden, mindestens eine vor der Antragstellung. Bei Kindern und Jugendlichen sind zwei bis sechs Probesitzungen erforderlich.

Welche Therapie jeweils geeignet ist, hängt von den individuellen Voraussetzungen des Patienten sowie von der psychischen Problematik ab. Danach wird eine Behandlung im voraussichtlich notwendigen Umfang bei der Krankenkasse beantragt. Die Behandlung kann in Einzel- oder Gruppensitzungen erfolgen.

Was gilt für Beihilfeberechtigte und privat Krankenversicherte?

Die Regelungen der Beihilfe orientieren sich an denen der gesetzlichen Krankenversicherung. Auch hier haben Patienten die Möglichkeit, Probesitzungen bei einem Psychotherapeuten in Anspruch zu nehmen, der im Arztregister eingetragen sein muss. Eine Kassenzulassung ist nicht erforderlich.

Privatversicherte sind oft schlechter dran als gesetzlich Versicherte. Die Kostenregelungen der privaten Krankenversicherungen sind nämlich vertragsabhängig. Viele private Versicherer orientieren sich zwar an den Psychotherapierichtlinien der gesetzlichen Krankenversicherung.

Oft ist die Therapiedauer aber begrenzt oder sie ist ganz ausgeschlossen. Es empfiehlt sich deshalb, vor der Kontaktaufnahme mit dem Psychotherapeuten bei der Versicherung nachzufragen.

Wie bekommt man einen Termin?

Die gesetzlichen Krankenkassen bieten im Internet eine Arztsuche für die ambulante Psychotherapie an. Nach dem UPD-Jahresbericht benötigen viele Ratsuchende allerdings zeitnah eine ambulante Psychotherapie.

Die Plätze bei zugelassenen Psychologen und Psychotherapeuten reichen aber häufig nicht aus, um diesen Bedarf zu decken. Während ein Termin für die Probesitzung meist kurzfristig zu bekommen ist, muss teilweise bis zu sechs Monate auf den Beginn der Therapie gewartet werden.

Tipp: Terminservicestellen

Bei der Suche nach einem Termin bei einem psychotherapeutischen Therapeuten können sich Patienten an die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung wenden. Diese Stelle vermittelt einen Sprechstundentermin innerhalb von vier Wochen bei einem Psychotherapeuten in der Umgebung. Unter www.bundesgesundheitsministerium/terminservicestellen sind die regionalen Servicestellen zu finden.

Allerdings sind häufig Ratsuchende mit dem Ergebnis der Terminservicestellen unzufrieden. Dies liegt unter anderem daran, dass lediglich die Sprechstunde und die Akutbehandlung durch die Terminservicestelle vermittelt werden.

Lange Wartezeiten

Gesetzlich Versicherte können im Notfallfall bei ihrer Krankenkasse die Behandlung durch einen Therapeuten ohne Kassenzulassung beantragen. Dieser kann unter bestimmten Voraussetzungen in Anspruch genommen werden.

Dafür muss der Patient allerdings nachweisen, dass er bei den zugelassenen Therapeuten in seiner Nähe keinen Therapieplatz bekommen konnte, beziehungsweise unzumutbare Wartezeiten von mehreren Monaten bestehen.

Die Krankenkassen können die angefallenen Kosten in Höhe der sonst üblichen Sachleistungen erstatten, wenn eine Bescheinigung vorliegt, nach der eine psychotherapeutische Behandlung notwendig sowie unaufschiebbar ist und die Therapieform den Richtlinien der gesetzlichen Krankenversicherung entspricht.

Notwendig ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung bei der Terminsuche nicht übergangen wurde.

Weitere Informationen

www.patientenberatung.de
Internetseite der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland

Autor

Karl-Josef Steden