Halle/Saale/Erfurt (dpa/th). In Thüringen und Sachsen-Anhalt rechnen Arbeitsmarktexperten mit einer weiter steigenden Zahl an erwerbstätigen Rentnern. Wenn die Babyboomer-Jahrgänge in den Ruhestand wechselten, würden künftig noch mehr Senioren einem Job nachgehen, sagte die Vizechefin der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, Dorit Seebo, der Deutschen Presse-Agentur. „Der Beginn des Bezugs einer Altersrente oder Pension ist heute nicht mehr gleichbedeutend mit dem Ende der Erwerbsarbeit.“
Bereits in den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Rentner, die weiter einer Arbeit nachgehen, in den beiden ostdeutschen Ländern erhöht. Nach Angaben der Regionaldirektion waren Mitte 2022 fast 30.400 Senioren im Rentenalter erwerbstätig und damit knapp 1000 mehr als im Jahr zuvor sowie annähernd 700 mehr als vor fünf Jahren. In Sachsen-Anhalt gingen demnach 26.600 Senioren auch im Rentenalter einer Arbeit nach. Dort waren es rund 800 mehr als im Jahr zuvor sowie etwa 1100 mehr als fünf Jahre zuvor. Etwa drei Viertel der erwerbstätigen Rentner in Thüringen und Sachsen-Anhalt hatten 2022 einen Minijob – etwa ein Viertel war sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Den Angaben zufolge arbeiten die meisten Rentner als Fahrer, in Bürojobs oder auf dem Bau.
IAB: Erwerbstätigkeit im Ruhestand heute wesentlich stärker verbreitet als vor 30 Jahren
Eine Auswertung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bei der Bundesagentur für Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Erwerbstätigkeit im Ruhestand heute wesentlich stärker verbreitet ist als noch vor 30 Jahren. Als Gründe für einen Job im Rentenalter gaben die Befragten zumeist soziale und persönliche Motive an – wie Freude an der Arbeit oder der Wunsch, weiterhin eine sinnvolle Aufgabe zu haben. Aber auch finanzielle Gründe spielten eine Rolle.
Angesichts des Arbeitskräfteverlusts durch die Altersstruktur führe in den kommenden Jahren in Thüringen und Sachsen-Anhalt kein Weg daran vorbei, Umfang und Dauer der Erwerbsbeteiligung schon vor dem Eintritt in den Ruhestand zu erhöhen, so das IAB. Dazu gehöre, dass mehr ältere Arbeitskräfte von den Arbeitgebern motiviert und in die Lage versetzt würden, bis zum Erreichen ihrer Regelaltersgrenze arbeiten zu können und zu wollen, erklärte Seebo. In Thüringen werden einer Prognose zufolge bis 2040 rund 200.000 Erwerbstätige altersbedingt ausscheiden, in Sachsen-Anhalt mehr als 167.000 Erwerbstätige fehlen. In beiden Ländern ist das etwa jede vierte Arbeitskraft.
