Berlin (sth). Der demografische Wandel durch den anstehenden Renteneintritt der geburtenstarken 1960er-Jahrgänge stellt eine Herausforderung für die Wirtschaft und die Alterssicherungssysteme hierzulande dar - doch historisch beispiellos ist dieser Belastungsanstieg nicht. Das geht nach Analysen des Forschungschefs der Deutschen Rentenversicherung (DRV), Reinhold Thiede, aus der Ende vergangenen Jahres veröffentlichten 15. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamts hervor.
Zwar werde der sogenannte Altenquotient, der das Zahlenverhältnis von Menschen zwischen 20 Jahren und der Regelaltersgrenze einerseits und Rentenbeziehenden andererseits angibt, zwischen 2020 und 2040 von 34,8 auf 43,4 steigen - “immerhin fast ein Viertel”, so Thiede. Doch habe Deutschland in der Vergangenheit in ähnlich langen Zeiträumen “bereits mehrfach vergleichbare Phasen erlebt”, schreibt der DRV-Rentenexperte. So sei der Altenquotient etwa in den Jahren von 1990 bis 2010 “von 22,9 auf 32,8 gestiegen - also um 9,9 oder mehr als 40 Prozent”. Und auch in anderen 20-Jahres-Zeiträumen - etwa zwischen 1960 und 1980 - sei der Anstieg ähnlich hoch gewesen wie für den Zeitraum von 2020 bis 2040 erwartet, ermittelte Thiede.
Rentenbeitragssatz erstaunlich stabil
Ursache für die jetzt von den amtlichen Statistikern erwartete geringere Belastung des Rentensystems sind Thiede zufolge deutlich veränderte Annahmen zur künftigen Entwicklung von Lebenserwartung und Wanderungsbewegungen. So gehe die jüngste Bevölkerungsvorausberechnung ”von einer dauerhaft deutlich höheren Zuwanderung und für die Lebenserwartung von einem langsameren Anstieg" aus als frühere Annahmen. Die Zuwanderung etwa werde der neuen amtlichen Projektion zufolge ab 2033 um 25 Prozent stärker steigen, als dies die vorletzte Wiesbadener Berechnung von 2015 erwartet habe, so Thiede.
Dieser günstigere Trend beim Altenquotient sowie auch langfristig in großer Zahl benötigte Beschäftigte auf dem deutschen Arbeitsmarkt könnten dazu beitragen, die Finanzierung der Renten auch weiterhin “verlässlich zu gewährleisten”, glaubt der Rentenforscher. Zudem hätten auch die Rentenreformen seit Anfang der 1990er-Jahre erheblich die Stabilisierung der Rentenversicherung gefördert. Dadurch sei es gelungen, trotz der stark gestiegenen demografischen Belastung in den vergangenen Jahrzehnten “den Beitragssatz der Rentenversicherung erstaunlich stabil zu halten”.
Für die Zukunft liegt es nach Ansicht Thiedes angesichts der positiven Ergebnisse der in den vergangenen 30 Jahren eingeleiteten Maßnahmen “nahe zu prüfen, welche Maßnahmen dazu beigetragen haben das zu erreichen, ob sie - ggfs. in modifizierter Form - wiederholbar sind oder ob andere Ansätze gefunden werden müssen”.
