Mainz (dpa/lrs). Beim derzeitigen durchschnittlichen Rentenniveau droht nach Ansicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) vielen Menschen in Rheinland-Pfalz - vor allem Frauen - Altersarmut. Zahlreiche Menschen könnten von ihrer Rente nicht mehr leben und seien auf Unterstützungsleistungen angewiesen, sagte die DGB-Landesvorsitzende Susanne Wingertszahn am Dienstag in Mainz bei der Vorstellung des DGB-Rentenreports für Rheinland-Pfalz.
“Renten sind das Spiegelbild der Erwerbsbiografie”, sagte Myriam Lauzi, Abteilungsleiterin Soziales und Gesundheit beim DGB Rheinland-Pfalz/Saarland. Wingertszahn sagte, es müssten mehr Frauen in Erwerbstätigkeit gebracht und Voraussetzungen für gesundes Arbeiten auch im Alter verbessert werden.
“Das Altern bleibt eines der am schnellsten wachsenden Armutsrisiken, und die Auswirkungen des demografischen Wandels werden diese Problematik weiter verschärfen”, betonte auch der Landesgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Michael Hamm. Das sei Folge von unzureichenden Beitragszahlungen in die Rentenversicherung, Kürzungen im System der gesetzlichen Rentenversicherung und prekären Arbeitsverhältnissen.
DGB-Landeschefin Wingertszahn sagte, Rheinland-Pfalz sei bei Minijobs Spitzenreiter. Nach Angaben der Regionaldirekten der Arbeitsagentur in Saarbrücken lag die Zahl dieser geringfügig Beschäftigten mit einem monatlichen Entgelt von maximal 520 Euro in Rheinland-Pfalz im März dieses Jahres bei 231.772 - darunter rund 139.000 Frauen und etwa 92.700 Männer. Zehn Jahre vorher lag die Zahl der geringfügig Beschäftigten mit knapp 277.400 (März 2013) noch höher, fünf Jahre zuvor waren es rund 263.700 (März 2018).
Durchschnitts-Bestandsrente: bei Männern 1356 Euro, bei Frauen 772 Euro
Die durchschnittliche Bestandsrente liegt dem DGB-Report zufolge bei Männern bei 1356 Euro, bei Frauen bei 772 Euro. Bei den Neurenten geht es demnach bei den Frauen etwas hoch auf 842 Euro, bei den Männern etwas nach unten auf 1307 Euro. Hier zeige sich, dass heute mehr Frauen erwerbstätig seien als früher und inzwischen mehr Männer auch in Teilzeit arbeiteten oder Elternzeit nähmen, erklärte Lauzi. Nichtsdestotrotz spricht der Gewerkschaftsbund von einer “dramatischen” Rentenlücke bei den Geschlechtern, die Unterschiede seien noch größer als bei den Einkommen.
Regional zeigen sich ebenfalls deutliche Unterschiede. Bei männlichen Neurentnern weist der Rhein-Pfalz-Kreis mit 1522 Euro den höchsten durchschnittlichen Betrag auf, Schlusslicht war die Stadt Trier mit 1041 Euro. Bei den Frauen reicht die Spanne von 971 Euro im Schnitt in der Stadt Mainz bis hin zu 747 Euro im Eifelkreis Bitburg-Prüm.
Entlang der Rheinschiene sei der Anteil der tarifgebundenen Unternehmen größer, was die Löhne nach oben treibe, sagte Lauzi. Bei Frauen zeige sich ein Stadt-Land-Gefälle, hier könnten etwa fehlende Kinderbetreuung oder ein schlechtes ÖPNV-Netz eine Erwerbstätigkeit erschweren. Im Fall von Trier könnte der vergleichsweise niedrige Wert auch davon beeinflusst werden, dass in den Rentenreport nur deutsche Renten und keine aus dem Ausland wie etwa Luxemburg gezahlten Renten einfließen. Zu beachten ist außerdem, dass Zahlungen aus privater Altersvorsorge oder auch Betriebsrenten ebenfalls nicht berücksichtigt werden.
Angesichts der Zahlen sei eine Diskussion über ein höheres Renteneintrittsalter sinnlos, betonte die DGB-Landeschefin Wingertszahn. Schon jetzt erreiche ein beträchtlicher Teil der Menschen nicht die Regelaltersgrenze, sondern scheide vorher aus dem Erwerbsleben aus. Mit der Regelaltersgrenze ist die Grenze gemeint, ab der eine abschlagsfreie Rente möglich ist.
Rentenbeginn durchschnittlich anderthalb Jahre vor der Regelaltersgrenze
Diese lag laut DGB 2022 bei 65 Jahren und zehn beziehungsweise elf Monaten und damit um ungefähr anderthalb Jahre über dem tatsächlichen durchschnittlichen Renteneintrittsalter in Rheinland-Pfalz. Von den 65-jährigen Menschen in Rheinland-Pfalz waren dem DGB zufolge 2022 nur 14 Prozent noch sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Altersgruppe von 60 bis 65 Jahren kam laut Arbeitsagentur 2022 auf eine Beschäftigungsquote von 47,0 Prozent in Rheinland-Pfalz, das war etwas weniger als bundesweit mit 49,4 Prozent.
Angesichts dessen brauche es große Anstrengungen für gesündere Arbeitsbedingungen, zudem müssten ältere Arbeitnehmer mehr weitergebildet und qualifiziert werden, argumentiert der DGB. Dass es viele Beschäftigte nicht bis zur Regelgrenze schaffen, führt der Gewerkschaftsbund unter anderem auch auf die steigende Zahl psychischer Erkrankungen zurück. Davon seien im vergangenen Jahr knapp die Hälfte der Frauen und mehr als 38 Prozent der Männer mit Erwerbsminderungsrente betroffen gewesen.
Eine solche Rente beziehen Menschen, die vor der Regelaltersgrenze nicht mehr oder nur noch eingeschränkt arbeiten können. Die Höhe dieser Rente bleibe “alarmierend” niedrig, warnte der DGB. Bei den Frauen blieben knapp 80 Prozent der Bezieherinnen und bei den Männern mehr als 60 Prozent mit Beträgen von bis zu 900 Euro unterhalb der bei 1146 Euro liegenden Armutsgefährdungsschwelle in Rheinland-Pfalz.
Auch der Paritätische Wohlfahrtsverband im Land sieht hier ein Problem. Die Zahl der Rheinland-Pfälzer mit voller Erwerbsminderung, die auf Grundsicherungsleistungen angewiesen seien, sei von etwa 37.000 im Jahr 2011 auf mehr als 49.000 im Jahr 2021 gestiegen. Es brauche Renten, die den Lebensstandard sicherten und höherer, existenzsichernde Erwerbsminderungsrenten sowie soziale Unterstützungsleistungen, die die speziellen Bedürfnisse älterer Menschen berücksichtigten.
- Rentenreport DGB Rheinland-Pfalz/Saarland
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