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Experten sehen Rentenfinanzen mit Sorge

Frühjahrsgutachten: Geplante Leistungsverbesserungen lassen sich nicht ohne höheres Rentenalter oder höhere Steuern bezahlen.

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Junge Frau arbeitet in Cafeteria an ihrem Tablet. Bild: IMAGO / Westend61

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Berlin/Bad Homburg (sth). Die führenden Konjunkturforscher Deutschlands sehen die langfristige Finanzentwicklung in der gesetzlichen Rentenversicherung mit Sorge. Bereits beim jetzigem Leistungsniveau stelle der demografische Wandel die Rentenversicherung "vor erhebliche Herausforderungen", heißt es in dem am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Frühjahrsgutachten von fünf Wirtschaftsforschungsinstituten. Mit Blick auf die im Koalitionsvertrag vereinbarten weiteren Verbesserungen wie einer oberen Haltelinie bei Rentenbeiträgen und einer unteren Haltelinie beim Rentenniveau sei es "kaum vorstellbar", dass sich diese Maßnahmen "ohne eine substanzielle Erhöhung des Renteneintrittsalters über 67 Jahre hinaus oder substanzielle Steuererhöhungen finanzieren lassen", schreiben die Wissenschaftler.

Zudem liefen die von Union und SPD vereinbarten Leistungsausweitungen im Bereich der Rentenversicherung "dem Nachhaltigkeitsgedanken zuwider", kritisiert das Gutachten. Die geplante Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent (bis 2025, die Red.), die für langjährige Geringverdiener vorgesehene Grundrente und die nochmalige Ausweitung der Mütterrente machten bis 2050 eine Anhebung des Rentenbeitragssatzes um 2,5 Prozentpunkte – oder eine entsprechende Steuererhöhung – erforderlich. "Selbst ohne die Leistungsausweitungen würde der Beitragssatz von heute knapp 19 Prozent auf gut 24 Prozent steigen", rechnen die Forscher vor. Derzeit liegt der Rentenbeitrag bei 18,6 Prozent. 

Längere Lebensarbeitszeit oder stärkere Zuwanderung reichen nicht aus

Ein Anstieg des Rentenbeitrags könne zwar grundsätzlich durch eine Anhebung des Rentenalters über 67 Jahre hinaus oder durch eine verstärkte Zuwanderung verhindert werden, räumen die Konjunkturexperten ein. In der angesichts der demografischen Entwcklung notwendigen Größenordnung seien beide Schritte aber "wenig realistisch", heißt es im Gutachten weiter. Nach Einführung der von der Regierung geplanten weiteren Leistungsverbesserungen müsste das Rentenalter "rechnerisch auf über 70 Jahre steigen oder die Zuwanderung jüngerer Erwerbstätiger in jedem Jahr über 500.000 Personen betragen", um den Rentenbeitrag bei 20 Prozent zu deckeln, ermittelten die Wissenschaftler. Die von der Koalition vorgesehenen Verbesserungen "gefährden somit die langfristige Stabilität" der Rentenversicherung, so das Resümee der Experten.

Mehr zum Thema:

http://gemeinschaftsdiagnose.de

Link zum Frühjahrsgutachten der fünf Wirtschaftsforschungsinstitute (im pdf-Format)

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