Bonn/Mannheim (ots/sth). "Unsere Forschung weist empirisch nach, dass ein späterer Renteneintritt die Sterblichkeit erhöht." Mit diesem Ergebnis einer jetzt veröffentlichten Studie sind am Dienstag Ökonominnen und Ökonomen der Universitäten Bonn und Mannheim unter Berufung auf Fakten aus Spanien an die Öffentlichkeit getreten. Anhand von Sozialversicherungsdaten von der iberischen Halbinsel, die vor oder nach der Rentenreform von 1967 beginnen, lasse sich zeigen, dass eine Verzögerung des Ausscheidens aus dem Erwerbsleben um ein Jahr "das Risiko um 4,2 Prozentpunkte erhöht, im Alter zwischen 60 und 69 Jahren zu sterben", so die Wissenschaftlerinnen und Forscher vom EPoS-Sonderforschungsbereich Transregio 224, einer Kooperation der beiden Universitäten.
Abhängig von den Arbeitsbedingungen in den letzten Beschäftigungsjahren vor der Rente wirke sich eine Verzögerung des Renteneintritts "unterschiedlich auf die Lebenserwartung aus", so die Ökonomen. Merkmale wie die körperliche und psychosoziale Belastung, der Selbstwert bei der Arbeit und das Qualifikationsniveau hätten dabei Einfluss. Im Jahr 1967 wurde den Forschenden zufolge in Spanien das Alter für den Vorruhestand angehoben: "Diejenigen, die vor dem 1. Januar 1967 eingezahlt hatten, durften weiter mit 60 Jahren freiwillig in Rente gehen. Diejenigen, die nach diesem Stichtag die ersten Beiträge leisteten, konnten erst mit 65 Jahren freiwillig eine Rente beanspruchen."
Verlust des Rechts auf Frühverrentung kann im Einzelfall zu vorzeitigem Tod führen
"Die Ergebnisse lassen erkennen, dass der Verlust des Rechts auf Frühverrentung zum vorzeitigen Tod von Personen führen kann, die in körperlich anstrengenden Berufen arbeiten und zudem hohen psychosozialen Belastungen ausgesetzt sind", ermittelten die Wissenschaftler. Dagegen zeigten sich bei Arbeitnehmern mit Erfolgserlebnissen und Anerkennung am Arbeitsplatz keine negativen Auswirkungen auf die Sterblichkeit. Werde der Renteneintritt bei Arbeitern mit niedrigem Qualifikationsniveau um ein Jahr verschoben, erhöhe sich die Wahrscheinlichkeit, im Alter zwischen 60 und 69 Jahren zu sterben, sogar um 5,4 Prozentpunkte, heißt es in der Studie.
Es könne also "keine einheitliche 'Pauschallösung' für den Ruhestand geben", so das Forscherteam. "Wir stellen fest, dass eine Politik, die den Zugang zum Vorruhestand generell abschafft, die sozioökonomischen Ungleichheiten bei der Lebenserwartung verschärfen kann. Unsere Ergebnisse zeigen zudem, dass die Spanierinnen und Spanier sich nicht in vollem Umfang an die Anhebung des gesetzlichen Rentenalters hielten." Teilweise hätten körperlich geschwächte Beschäftigte eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine Teilrente beantragt.
"Menschen, die eine Teilrente beanspruchen konnten, verzeichneten eine niedrigere Sterblichkeitsrate", lautet eine Erkenntnis der Wissenschaftler der Universitäten Bonn und Mannheim. Dies zeige, dass ein schrittweiser Übergang in den Ruhestand den negativen Auswirkungen eines längeren Arbeitslebens entgegenwirkt. "Eine allmähliche Absenkung der Arbeitsstunden am Ende des Berufslebens ist ein guter Weg, um die Herausforderungen der alternden Bevölkerung für den Arbeitsmarkt zu bewältigen und gleichzeitig die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu schützen", so ein weiteres Fazit der Autoren.
