Ihre-Vorsorge Logo

Frankreich: Neue Massenproteste gegen Rentenreform drohen

Präsident Emmanuel Macron hat sein umstrittenes Vorhaben verteidigt und versucht, zu besänftigen. Dennoch stehen ihm neue Streiks bevor.

Artikel vorlesen

Tags

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlicht

Flugzeug im Landeanflug bei Sonnenuntergang. Bild: IMAGO / blickwinkel / McPHOTO/M.Gann

© Nicht definiert

Paris (dpa). Eine Woche nach dem harten Durchgreifen der französischen Regierung im Streit über die Rentenreform bereitet Frankreich sich auf einen neuen Tag voller Streiks und Massenproteste vor. Landesweit erwarten die Behörden am Donnerstag bis zu 800.000 Demonstrantinnen und Demonstranten. 12.000 Polizisten und Gendarmen sind für den Protest abgestellt. Der Versuch von Präsident Emmanuel Macron, die Wogen in dem Streit mit einem Interview zu glätten, löste bei den Gewerkschaften zusätzlichen Frust aus.

Schon seit Anfang des Jahres wird gegen die schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters von 62 auf 64 Jahre gestreikt und protestiert. Vor einer Woche verschärfte sich der Streit um das Vorhaben, als die Regierung unter Präsident Emmanuel Macron den Text in letzter Minute ohne Abstimmung durch die Nationalversammlung drückte. Bei spontanen abendlichen Demonstrationen kam es seitdem vermehrt zu Ausschreitungen. Einige Streiks bei der Müllabfuhr, im Verkehrssektor und bei den Öldepots halten bereits seit Wochen an.

Derzeit liegt das Renteneintrittsalter in Frankreich bei 62 Jahren. Tatsächlich beginnt der Ruhestand im Schnitt aber später: Wer für eine volle Rente nicht lange genug eingezahlt hat, arbeitet länger. Mit 67 Jahren gibt es dann unabhängig von der Einzahldauer Rente ohne Abschlag – dies will die Regierung beibehalten, auch wenn die Zahl der nötigen Einzahljahre für eine volle Rente schneller steigen soll. Die monatliche Mindestrente will sie auf etwa 1200 Euro hochsetzen. Mit der Reform will die Regierung eine drohende Lücke in der Rentenkasse schließen.

Reform liegt jetzt dem Verfassungsrat vor

Die Reform wurde mit dem knappen Scheitern zweier Misstrauensvoten gegen die Regierung in der Nationalversammlung am Montagabend verabschiedet. Nun liegt sie beim Verfassungsrat, der Teile der Reform theoretisch kippen könnte. Linke und Rechtsnationale wollen das Vorgehen der Regierung überprüfen lassen, die durch ein beschleunigtes Verfahren die Debattenzeit im Parlament verkürzte und die Reform in einem Haushaltstext unterbrachte. Wann der Verfassungsrat entscheidet, ist noch unklar. Macron will, dass die Reform bis Jahresende in Kraft ist.

Er hatte sich in dem Streit über die Reform lange im Hintergrund gehalten. Am Mittwoch sagte er in einem Interview der Sender TF1 und France 2: „Wir müssen beruhigen“ – und deutete Verbesserungen in der Arbeitswelt an. Er fragte dann: „Denken Sie, es macht mir Spaß, diese Reform zu machen?“ und antwortete: „Nein.“ Die Reform sei sehr schwierig. „Wir verlangen von den Menschen eine Anstrengung. Das ist nie beliebt.“ Aber: „Zwischen den Umfragen und der Kurzfristigkeit und dem allgemeinen Interesse des Landes entscheide ich mich für das allgemeine Interesse des Landes.“ Er bedauere allerdings, nicht von der Notwendigkeit der Reform überzeugt zu haben.

Aus den Reihen der Opposition musste Macron sich im Anschluss Arroganz vorwerfen lassen. Laurent Berger von der Gewerkschaft CFDT warf Macron vor, zu lügen und zu leugnen. Philippe Martinez von der Gewerkschaft CGT sagte: „Entweder kennt er unser (Renten-)System nicht – und das ist schlimm – oder er verarscht uns.“

Mehr zum Thema


Weitere Artikel

Time
3 Minuten

Krempelt die Koalition die Rente wie angekündigt um – trotz aller Widerstände auch in den Reihen von CDU und SPD? Schwarz und Rot bemühen sich, die Reihen zu schließen.

Time
1 Minuten

Die Deutsche Rentenversicherung bietet kostenlose Onlinevorträge zu unterschiedlichen Themen an – auch zur Frage, welche Leistungen Hinterbliebene erhalten können.

Time
2 Minuten

Ab Januar 2027 gilt das neue GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Es wird auch als Krankenkassen-Reform bezeichnet. Was sich für Menschen ändert, die arbeiten und Altersrente in Teilrente beziehen.

Time
2 Minuten

Das Ende der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren ist ein Zankapfel der geplanten Rentenreform. Thorsten Frei wendet sich gegen SPD-Vorstellungen, wie lang die Übergangsfrist sein soll.

Time
2 Minuten

Setzt die Koalition die Rentenreform um oder überlegt es sie sich bei der populären „Rente mit 63“ noch einmal anders? Die Sozialministerin will die Reform – und macht ein Versprechen.

Time
2 Minuten

Der Kanzler macht auch nach der CDU-Schlappe in Sachsen-Anhalt klar, dass große Gesetzesvorhaben weitergehen sollen. Bei der Rente signalisiert er Gesprächsbereitschaft über eine heikle Frage.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026