Berlin (drv/sth). In den politischen Debatten hat der Begriff Nachhaltigkeit schon seit einigen Jahren Hochkonjunktur. Wenn es um „Nachhaltigkeit in der Alterssicherung“ geht, wird es aber auch für Fachleute schwierig. So gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen von Nachhaltigkeit – je nachdem, ob das Thema aus ökonomischer, sozialer oder ökologischer Perspektive betrachtet wird. Dazu kommen teilweise komplexe Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Dimensionen von Nachhaltigkeit und das Problem der Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien.
In diesem spannungsreichen Umfeld bewegt sich die Jahrestagung 2021 des Forschungsnetzwerks Alterssicherung (FNA) bei der Deutschen Rentenversicherung an diesem Donnerstag und Freitag. Ziel der erstmals virtuell stattfindenden Tagung ist es nach Angaben der Veranstalter, die „unterschiedlichen Dimensionen und Wechselwirkungen darzustellen, zu ordnen und aufzuzeigen, wie sich mehr Nachhaltigkeit erreichen lässt“. Etwa 230 Forscherinnen und Forscher, Experten der Rentenversicherung sowie Fachleute aus Politik und Fachverbänden haben sich für die Veranstaltung angesagt.
Altersvorsorge zwischen Sicherheit und Nachhaltigkeit
Den Auftakt des zweitägigen Kongresses, der bereits seit Jahren umsichtig und kritisch von dem Politikwissenschaftler Johannes Varwick (Universität Halle-Wittenberg) moderiert wird, gestalten die Aachener Historikerin Elke Seefried und der Bremer Politikwissenschaftler Philip Manow. Sie führen in die Facetten des Nachhaltigkeitsbegriffs ein und zeigen auf, wie sich Nachhaltigkeitskonzepte in der Alterssicherung in den vergangenen Jahrzehnten verändert haben. Im zweiten Themenblock des ersten Tages beleuchten der Konstanzer Ökonom Friedrich Breyer und die Berliner Volkswirtin Camille Logeay die finanzielle und soziale Seite von Nachhaltigkeit. Ihnen folgt der Soziologe Bernhard Ebbinghaus, der die soziale Nachhaltigkeit von Rentensystem analysiert, bevor sich abschließend vier Wissenschaftler und Lobbyisten der Frage widmen: „Wie lassen sich kapitalgedeckte Alterssicherungssysteme ökologisch nachhaltig gestalten?“
Der zweite Tag der Veranstaltung widmet sich zunächst den Voraussetzungen für eine nachhaltige Alterssicherungspolitik – einmal mit Blick auf die Bedeutung von Solidarität zwischen den Generationen, zum anderen unter Beleuchtung von aktuellen Problemen, denen sich die gesetzliche Rentenversicherung in Zeiten der Pandemie stellen muss. Der Politikwissenschaftler Achim Görres von der Universität Duisburg-Essen und Rentenversicherungs-Chefin Gundula Roßbach stehen dafür als ReferentInnen bereit. Antworten auf die brisante Frage „Wie lässt sich eine nachhaltige Alterssicherungspolitik umsetzen?“ versucht der Bremer Politikwissenschaftler Frank Nullmeier, bevor abschließend vier renommierte Forscher die Frage diskutieren: „Lässt sich Nachhaltigkeit durch gleichnamige Kommissionen erzielen?“
Schon vor Beginn des Kongresses zeichnet sich ab, dass auch nach zwei prall gefüllten Tagen der Diskussion in Sachen „Nachhaltigkeit und Alterssicherung“ noch viele Fragen offen bleiben werden.
