Köln (iw/sth). Zuwanderer aus nordafrikanischen Staaten könnten langfristig einen bedeutenden Beitrag zur Sicherung von Fachkräften in Deutschland und damit indirekt auch zur Stabilisierung des hiesigen Rentensystems leisten. Das geht aus einer jetzt veröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor. Demnach seien vor allem Ägypten und Tunesien Länder, die für die Gewinnung zusätzlicher Arbeitskräfte interessant sein könnten, schreibt das arbeitgebernahe Forschungsinstitut. Im vergangenen Jahrzehnt seien aus beiden Ländern bereits zehntausende Menschen nach Deutschland gekommen, die heute als sozialversicherungspflichtig Beschäftigte auf dem hiesigen Arbeitsmarkt tätig seien, so die Studie.
Mit dem Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge aus dem Arbeitsmarkt werde Deutschland in den nächsten Jahren aber in zunehmendem Maß „auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen sein, um massive Engpässe am Arbeitsmarkt zu vermeiden und Wachstum und Wohlstand zu sichern“, heißt es in der Studie weiter. Da der demografische Wandel auch in den anderen Mitgliedsländern der Europäischen Union (EU) zu weniger Arbeitskräften führe, müsse „der Schwerpunkt einer gezielten Strategie zur Sicherung der Fachkräftebasis durch Zuwanderung im außereuropäischen Bereich liegen“, meint der IW-Migrationsexperte Wido Geis-Thöne. Nordafrika sei dabei „als eine Fokusregion neben anderen sehr gut geeignet“.
Bei der Gewinnung von Fachkräften aus Ägypten bereits erfolgreich
Deutschland sei bei der Gewinnung von Fachkräften aus Ägypten im zurückliegenden Jahrzehnt schon „sehr erfolgreich“ gewesen, so das IW. So habe sich die Zahl der hierzulande sozialversicherungspflichtig beschäftigten Ägypterinnen und Ägypter von 3.300 im Juni 2012 auf 17.600 im Juni 2022 mehr als verfünffacht. Gleichzeitig sei der Anteil der Beschäftigten im erwerbsfähigen Alter (15 und 64 Jahren, d. Red.) in Ägypten von Ende 2011 bis Dezember 2021 von 29,6 Prozent auf 49,6 Prozent gestiegen. Dabei habe im Juni 2022 „mit 48,4 Prozent fast die Hälfte von ihnen eine Spezialisten- oder Expertentätigkeit“ ausgeübt, für die in der Regel ein Hochschul- oder Fortbildungsabschluss zum Meister, Techniker oder Fachwirt erforderlich sei, heißt es. Zudem seien Menschen aus Ägypten „besonders häufig im Gesundheitswesen und in der IKT-Branche tätig“.
Auch bei den sozialversicherungspflichtig beschäftigten Tunesiern sei zwischen Juni 2012 und Juni 2022 ein „starker Anstieg“ von 8.400 auf 22.600 Personen zu verzeichnen gewesen, schreibt der IW-Experte. Zudem habe der Anteil der in Spezialisten- oder Expertenberufen Tätigen unter ihnen im Juni 2022 mit 27,8 Prozent „ebenfalls hoch“ gelegen. Das Fazit der Studie: „Auch hier zeigen sich also bereits spürbare Erfolge im Hinblick auf die Fachkräftesicherung in Deutschland.“ Dies dürfte zumindest teilweise der Tatsache geschuldet sein, dass die Online-Plattform „Make it in Germany“ in Tunesien, Ägypten und Marokko „bereits in den letzten Jahren für die Zuwanderung von Fachkräften nach Deutschland gezielt Werbung gemacht“ habe, vermutet Geis-Thöne.
