Wiesbaden (sth). Die Lebenserwartung von Frauen und Männern hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Regionen Europas angenähert, ist aber auch innerhalb einzelner Länder teilweise noch sehr unterschiedlich. Das geht aus einer neuen Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) hervor. Demnach sind die Unterschiede in Süddeutschland, Dänemark und der Schweiz mit teilweise weniger als vier Jahren inzwischen “besonders gering”. In Teilen Ostdeutschlands, Tschechiens, der Slowakei und Frankreichs würden Frauen dagegen im Schnitt oft immer noch sechs und mehr Jahre länger leben als Männer, schreiben die Wissenschaftler.
Spitzenreiter mit nur 3,3 Jahren Abstand bei der Lebenserwartung sei die Region Nordwestschweiz mit Basel und Umland, dicht gefolgt von der Region München und Umland mit 3,5 Jahren, so die BIB-Forschenden. Zudem beobachteten die Wissenschaftler auch Lücken zwischen Stadt und Land. So sei der Rückstand der Männer bei der Lebenserwartung in vielen Großstädten geringer als in weniger zentralen Regionen eines Landes. „Florierende Großstädte ziehen durch ihre guten Jobmöglichkeiten eher gesunde und qualifizierte Bevölkerungsgruppen an, während strukturschwache Regionen weniger attraktiv für diese Menschen sind“, so BIB-Mortalitätsforscher Markus Sauerberg.
Ungesundes Verhalten verursacht unterschiedliche Lebenserwartung
Im 20. Jahrhundert waren nach Erkenntnis der BiB-Forschenden gesundheitsschädliche Verhaltensweisen wie etwa das unter Männern weiter verbreitete Rauchen eine wichtige Ursache dafür, dass die Lebenserwartung bei Männern langsamer anstieg als bei Frauen. Auch wiesen Männer lange eine deutlich höhere Erwerbsbeteiligung auf, wodurch sie in größerem Maße arbeitsbedingten Gesundheitsrisiken ausgesetzt waren. Der Aufholprozess der Männer bei der Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten hat der Studie zufolge mehrere Gründe:
- Der zunehmende Einsatz von Herzschrittmachern half Männern, die Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf- Erkrankungen zu reduzieren.
- Außerdem ebbt bei Männern die durch das Rauchen bedingte Sterblichkeit bereits ab, während sie bei Frauen weiter ansteigt. Dies hängt damit zusammen, dass Frauen erst ab den 1960er Jahren in einem hohen Maße mit dem Rauchen begonnen haben.
- Durch die steigende Erwerbstätigkeit von Frauen nehmen zudem Geschlechterunterschiede bei arbeitsbedingten Gesundheitsrisiken ab.
“Wie die Ergebnisse anderer Studien zeigen, kann nur ein kleiner Teil der Unterschiede zwischen Männern und Frauen auf biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern zurückgeführt werden”, so das BIB. Der größere Teil sei vom Lebensstil sowie von der Vorbeugung und Früherkennung von Krankheiten abhängig. “Diese Aspekte können durch persönliches Verhalten und die Gesellschaft beeinflusst werden”, betonen die Forschenden.
