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Studie: Mehrheit der Erwerbstätigen will bis 63 in Rente

Gemeinnütziges Demografienetzwerk ddn: Nur eine Minderheit der Deutschen kann sich vorstellen, bis zum regulären Rentenalter oder darüber hinaus zu arbeiten.

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Arbeiter im Rentenalter in Fabrik mit gelbem Helm und Tablet. Bild: IMAGO / agefotostock / SeventyFour

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Berlin (ots/sth). Nur eine Minderheit der Deutschen kann sich vorstellen, bis zum regulären Rentenalter oder darüber hinaus zu arbeiten. Knapp 63 Prozent der im Auftrag des gemeinnützigen Demografienetzwerk ddn befragten Erwerbstätigen will dagegen bereits mit 63 Jahren oder früher in Rente gehen. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Studie des ddn hervor. Demnach findet sich die Bereitschaft, länger zu arbeiten, vor allem bei Erwerbstätigen mit Hochschulabschluss. Von ihnen könne sich “gut ein Viertel vorstellen kann, auch über das 67. Lebensjahr hinaus noch im Beruf aktiv zu sein”, heißt es in der Studie. 

Voraussetzungen für ein freiwillig verlängertes Arbeitsleben sind demnach für die meisten allerdings eine Flexibilisierung der Arbeitszeit, eine reduzierte Belastung gepaart mit finanziellen Anreizen. Bei rund einem Sechstel der Erwerbstätigen über 50 spielt dabei auch Qualifizierung eine Rolle. Insgesamt fehlt es mehr als einem Drittel der befragten Erwerbstätigen an ausreichenden Weiterbildungsmöglichkeiten. Insbesondere gering Qualifizierte und ArbeiterInnen erleben laut einer ddn-Mitteilung “ein drastisches Defizit im Angebot ihres Unternehmens”. ddn befragte für die Studie nach eigenen Angaben im Oktober 2024 deutschlandweit 2.500 Erwerbstätige.

Früher Renteneintritt in allen Altersgruppen beliebt

Der Wunsch nach einem frühen Rentenalter ist der Studie zufolge “in allen Altersgruppen zwischen 18 und 64 Jahren konstant hoch”. Mehr als ein Drittel (37,5 Prozent) wollen demnach sogar schon mit 61 Jahren oder früher in Rente. Bei Erwerbstätigen ohne Schulabschluss, Arbeitern und Personen mit Berufsausbildung überspringe der Wunsch nach einem Renteneintritt mit spätestens 63 Jahre sogar die 70 Prozent-Marke. Demgegenüber seien derzeit nur 14 Prozent der Erwerbstätigen bereit, über das Alter von 67 hinaus zu arbeiten. Gegenüber dem Vorjahr stelle dies einen “geringfügigen Anstieg um 1,7 Prozentpunkte dar”, heißt es. 

Vor allem unter jungen Menschen im Alter von 18 bis 29 Jahren könnten sich immerhin 23,2 Prozent vorstellen, länger als bis 67 zu arbeiten, stellte die Studie fest. Dabei falle auch der höhere Anteil an Personen mit akademischem Abschluss ins Gewicht. Birthe Kretschmer, Vorstandsvorsitzende des ddn betont: "Das Potenzial für längeres Arbeiten wächst zwar, ist aber trotzdem begrenzt. In den Unternehmen sind hauptsächlich Hochqualifizierte dazu bereit."

Bedingungen fürs längere Arbeiten

Bei der Frage, was die Menschen zu einem längeren Erwerbsleben bewegen könnte, zeigt sich laut ddn “eine Kombination von Faktoren”. Mit 40,7 Prozent sei “die freie Wahl der Arbeitszeit” die wichtigste Veränderung, damit Menschen länger arbeiten wollen, heißt es. Mehr Gehalt erwarten demnach 37,7 Prozent, ähnlich viele (37,5 Prozent) wünschen sich weniger körperlicher Belastung oder Stress. Auch die freie Wahl des Arbeitspensums fällt mit 35,8 Prozent deutlich ins Gewicht. Mehr als ein Fünftel sieht keine Gründe länger als bis zum planmäßigen Rentenalter zu arbeiten.

Unterschiede in den Motiven lassen sich anhand der Position in der Arbeitswelt erkennen. Weniger körperliche Belastung oder Stress wünschen sich laut der Studie fast zwei Drittel (62,8) Prozent der Ungelernten, mehr als 40 Prozent der Arbeiter und Angestellten - aber nur 32,3 Prozent der leitenden Angestellten. Für sie stehen eher das Gehalt (47,2 Prozent) sowie die freie Zeiteinteilung (46,2 Prozent) im Vordergrund. “Insgesamt schrumpft die Bedeutung des Gehalts im Lauf des Berufslebens, dagegen steigt das Bedürfnis nach Wertschätzung durch Vorgesetzte mit dem eigenen Alter an”, stellten die an der Studie beteiligten Wissenschaftlerinnen und Forscher fest. Bei der Frage nach Wertschätzung zeige sich zudem ein “markanter Geschlechterunterschied”. Während 23,2 Prozent der Männer sich mehr Wertschätzung wünschten, erreiche dieser Wert bei Frauen 34,5 Prozent, heißt es in der Studie.

Mehr zum Thema

  • Für den Demographie-Index befragte das Marktforschungsunternehmen Civey im Auftrag von ddn 2.505 Erwerbstätigte im Zeitraum vom 9.10.2024 bis 16.10.2024 online. Verknüpft wurden dabei vier Fragen (gewünschtes Renteneintrittsalter, Voraussetzungen für späteren Renteneintritt, Einschätzung des Weiterbildungsangebots, persönliche Gründe für Weiterbildung) mit zwölf sozioökonomischen Faktoren wie Alter, Bildung, berufliche Stellung, Familienstand etc. verknüpft.
  • Das Demographie Netzwerk e. V. (ddn) ist ein gemeinnütziges Netzwerk von Unternehmen und Institutionen, die den demographischen Wandel als Chance begreifen und aktiv gestalten wollen. ddn wurde 2006 auf Initiative des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und im Kontext der Initiative neue Qualität der Arbeit (INQA) gegründet.

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