Berlin/Frankfurt (sth). Die Rendite von Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung könnte bei einer Anhebung der Altersgrenze über das 67. Lebensjahr hinaus für bestimmte Personengruppen sinken. Zwar würden die Beitragseinnahmen der Rentenkassen bei einer verlängerten Lebensarbeitszeit und einer anhaltend guten konjunkturellen Lage steigen und die finanzielle Situation der Rentenversicherung stabilisieren, heißt es in einem Gutachten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Zudem könnte der Ertrag aus den verlängerten Beitragszahlungen für Rentnerinnen und Rentner mit guter Bildung und guter Gesundheit weiter steigen. Allerdings sei eine längere Phase der Erwerbstätigkeit auch „häufig mit negativen Gesundheitseffekten assoziiert“, so das DIW.
In ihrer Studie untersuchten die DIW-Forscher Hermann Buslei und Johannes Geyer, wie sich die Rendite von Rentenbeiträgen für Beschäftigte entwickelt, wenn das gesetzliche Rentenalter nach dem Jahr 2031 - in dem für den Geburtsjahrgang 1964 die künftige Altersgrenze von 67 Jahren erreicht wird – weiter in Monatsschritten um ein Jahr (Alter 68) oder zwei Jahre (Alter 69) erhöht würde. Dafür mussten die Wissenschaftler eine Reihe von Annahmen treffen – zum Beispiel zur weiteren allgemeinen Lebenserwartung, zur langfristigen Entwicklung der Konjunktur, zur künftigen Zahl von Erwerbsfähigen und zur Bereitschaft älterer Beschäftigter, auch nach dem 67. Lebensjahr zu arbeiten. Auch auf Seiten der Unternehmen müsse die Bereitschaft bestehen, an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bei einer weiter steigenden Altersgrenze festzuhalten, stellen Buslei und Geyer klar.
Renditewirkung hängt vom Geburtsjahrgang ab
Eine um ein Jahr steigende Altersgrenze wirke sich auf die Rendite aller Erwerbstätigen aus, die mit Beginn des höheren Renteneintrittsalters leben, so die DIW-Forscher. Deshalb seien Beschäftigte, die im Jahr 2032 bereits in Rente sind, die „Gewinner“ bei einem solchen Schritt der Bundesregierung. Aber auch die ersten Jahrgänge, die nach 2031 in den Ruhestand treten, profitieren nach den Berechnungen von Buslei und Geyer noch von der steigenden Altersgrenze. Der Grund: Sie würden wegen des dann ebenfalls steigenden „Rentenwerts“ für die erworbenen Rentenansprüche „über fast die gesamte Rentenlaufzeit höhere Renten erhalten“. Die größten Verluste bei einer solchen Reform entstünden auf der anderen Seite „bei der Generation, die als erste voll von der Gesamterhöhung um ein Jahr betroffen ist“, so die Wissenschaftler. Jüngsten wissenschaftlichen Berechnungen zufolge können Frauen mit einer durchschnittlichen Rentenrendite von etwa drei bis vier Prozent, Männer von etwa zwei bis drei Prozent rechnen.
Noch gravierendere Folgen hätte eine Anhebung des Rentenalters auf 69 Jahre, ermittelten die Wissenschaftler. Zwar würden in diesem Fall die Verlierer der Anhebung des Rentenalters auf 68 Jahre profitieren, da der Rentenwert „stärker angehoben (werde) als dies ohne noch weitere Erhöhungen der Altersgrenzen der Fall wäre“. In der Folge würden sich die Belastungen wegen der dann ebenfalls stärker steigenden Renten aber „über die Generationen hin zu den Jüngeren“ verschieben, schreiben die DIW-Forscher. Ihr Fazit: Eine über Jahrzehnte hinweg weiter steigende Altersgrenze führe ebenfalls über Jahrzehnte „zu Minderungen der Rendite“. „Insbesondere nehmen die maximalen Renditeverluste der heute jüngeren bis mittleren Kohorten gegenüber dem Fall einer Erhöhung (des Rentenalters, d. Red.) um ein Jahr noch einmal deutlich zu“, so Buslei und Geyer.
- Rendite von Rentenbeiträgen beträgt etwa 3 Prozent (04.11.2020)
- Renditen der Rentenversicherung langfristig positiv (19.03.2021)
