Berlin/Frankfurt am Main (sth). Kurz vor dem geplanten Abschluss der Koalitionsgespräche von Union und SPD hat ein von 28 Ökonominnen und Ökonomen unterzeichneter Brief zur Rentenpolitik in Berlin für Aufsehen gesorgt. In dem Schreiben, das offenbar auch mehreren Medien in der Hauptstadt vorliegt, fordern die Forschenden der Wirtschaftswissenschaften - darunter vier der fünf sogenannten Wirtschaftsweisen - von den Parteivorsitzenden von SPD, CDU und CSU “eindringlich”, von einer weiteren Stabilisierung des Rentenniveaus, dem Festhalten an der Rente nach 45 Versicherungsjahren ("Rente mit 63") und einem weiteren Ausbau der Mütterrente “Abstand zu nehmen”.
Laut einem Bericht der “Süddeutschen Zeitung” (SZ) sind die Pläne der potenziellen Koalitionäre aus Sicht der renommierten Ökonomen kostspielig und ungerecht gegenüber den Jüngeren. Eine Stabilisierung des Rentenniveaus in der jetzigen Höhe „dürfte in den kommenden 20 Jahren zusätzliche 520 Milliarden Euro kosten“, zitiert die Zeitung aus dem Brief. Dadurch würden die Beitragssätze zur Rentenversicherung noch stärker steigen, als dies ohnehin absehbar sei. Auch ein Festhalten an der sogenannten Rente mit 63, die einen vorzeitigen Ruhestand ohne Abschläge ab derzeit etwa 64,5 Jahren ermöglicht, sei kostenaufwendig.
Hinzu komme die Mütterrente, die für die Rentenversicherung nach deren eigenen Angaben jährliche Mehrkosten von 4,5 Milliarden Euro bedeuten würde. „Um die Tragfähigkeit der Rentenfinanzen dauerhaft zu sichern, müssen all diese teuren Leistungsausweitungen unterlassen werden“, heißt es der SZ zufolge in dem Brief. Die Fachleute forderten stattdessen, das Renteneintrittsalter von derzeit etwas mehr als 66 Jahren an die Entwicklung der Lebenserwartung anzupassen. Dies sei „ein besonders wichtiger Baustein für ein generationengerechtes Rentensystem“. Nur so könne sichergestellt werden, dass jüngere Generationen und gleichzeitig der Faktor Arbeit nicht über Gebühr belastet würden.
