Düsseldorf/Bad Homburg (sth). Für mehr Mut zur Umverteilung innerhalb des gesetzlichen Rentensystems plädiert der Altersvorsorgeexperte und ehemalige Vorsitzende der "fünf Wirtschaftsweisen", Bert Rürup. Wenn künftig mehr gegen Altersarmut unternommen werden solle, könne nach dem Vorbild Österreichs in der Rentenversicherung ein veränderter Mechanismus zur Rentenanpassung etabliert werden, "ohne die Gesamtausgaben des Systems nachhaltig anzuheben", schlug der frühere Darmstädter Finanzwissenschaftler Ende vergangener Woche im "Handelsblatt" vor.
Konkret macht sich Rürup dafür stark, das Versorgungsniveau für künftige Neurenten anzuheben, im Gegenzug aber die Ruhestandsbezüge nicht mehr wie bisher nach der jährlichen Entwicklung der Nettolöhne anzupassen, sondern nach der Inflationsrate. "Die Kaufkraft der Renten bliebe damit konstant; die Rentenempfänger würden aber nicht mehr am Produktivitätsfortschritt partizipieren", argumentiert Rürup. Eine solche Rentenformel würde seiner Ansicht nach "Geringverdiener durchweg begünstigen, da sie statistisch betrachtet eine unterdurchschnittliche Lebenserwartung haben".
Zudem würde damit für Besserverdienende ein "zusätzlicher Anreiz gesetzt, durch eine kapitalgedeckte Zusatzversorgung ihren gewohnten Lebensstandard im Alter aufrechtzuerhalten", erwartet der Ökonom, der über viele Jahre hinweg auch in der Politikberatung tätig war – zum Beispiel als Vorsitzender des Sozialbeirats. Auf diese Weise würden zwar nicht die demografisch bedingten Probleme der Rentenfinanzierung in den nächsten 20 Jahren gelöst, so Rürup. "Doch durch den stärkeren Fokus auf die Armutsvermeidung würde die gesellschaftliche Akzeptanz des ,Generationenvertrags' gestärkt".