Berlin (sth). Die Nachricht, die am Dienstagvormittag vom Bundesarbeitsministerium (BMAS) verbreitet wurde, war überraschend positiv: Um deutlich mehr als fünf Prozent steigen zur Jahresmitte die Einkünfte der rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland. Genau gesagt: um 5,35 Prozent in den westlichen und 6,12 Prozent in den östlichen Bundesländern. Grund für die außergewöhnlich hohe Rentenanpassung ist vor allem die hohe Lohnentwicklung zwischen dem ersten Pandemie-Jahr 2020 und dem vergangenen Jahr. Sie lag nach Angaben des BMAS bei 5,8 Prozent in den alten und rund 5,3 Prozent in den neuen Ländern. Vor allem die beitragspflichtige Verdienstentwicklung bei den Versicherten habe in diesem Jahr eine "deutlich positive Wirkung, weil auch Zeiten der Kurzarbeit verbeitragt werden", erklärt das BMAS den hohen Rentenzuwachs.
Darüber hinaus habe sich der Nachhaltigkeitsfaktor in der Rentenanpassungsformel, der die Entwicklung des Zahlenverhältnisses zwischen Rentnern und Beitragszahlern abbildet, "mit +0,76 Prozentpunkten positiv" auf die Rentensteigerung ausgewirkt, teilt das BMAS mit. Etwa 0,6 Prozentpunkte davon würden auf einen Statistikeffekt aus dem Vorjahr entfallen, der nun bereinigt werde. Aus diesem Grund und aufgrund des für die diesjährige Rentenanpassung wieder berücksichtigten Nachholfaktors werde das derzeitige – verzerrte – Rentenniveau von knapp 49,4 Prozent künftig auf etwa 48,1 Prozent zurückgeführt, schreibt das Ministerium.
Ost-Rentner profitieren von automatischer Zusatzanhebung
Die etwa 4,2 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Ostdeutschland profitieren bei der diesjährigen Rentenanpassung laut BMAS zudem von der 2017 beschlossenen automatischen Zusatzanhebung der Renten duch das sogenannte Rentenüberleitungs-Abschlussgesetz. Dieses garantiert den Ruheständlern in den neuen Ländern, dass ihre Renten noch bis 2024 jedes Jahr um 0,7 Prozentpunkte stärker steigen als die der West-Rentnerinnen und -Rentner. Mit der diejährigen Angleichungsstufe falle die Rentenanpassung Ost "höher aus als nach der tatsächlichen Lohnentwicklung Ost", so das BMAS. Ab Mitte des übernächsten Jahres wird der "Aktuelle Rentenwert", der die monatliche Rente eines Durchschnittsverdieners nach einem Jahr gezahlter Rentenbeiträge angibt, in den alten und neuen Ländern gleich hoch sein.
| Rentenhöhe bis zum 30.6.2022 in Euro | Rentenhöhe ab dem 1.7.2022 in Euro | ||
|---|---|---|---|
| Alte Länder | Neue Länder | ||
| 400 | 421,40 | 424,48 | |
| 600 | 632,10 | 636,72 | |
| 800 | 842,80 | 848,96 | |
| 1.000 | 1.053,50 | 1.061.20 | |
| 1.200 | 1.264,20 | 1.273,44 | |
| 1.400 | 1.474,90 | 1.485,68 | |
| 1.600 | 1.685,60 | 1.697,92 | |
| 1.800 | 1.896,30 | 1.910,16 |
