Düsseldorf/Frankfurt am Main (wsi/sth). Eine langfristige Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent, wie sie im gescheiterten Rentenpaket II der Ampelkoalition vorgesehen war, verbessert für alle Menschen, die zwischen den frühen 1940er-Jahren und dem Jahr 2010 geboren wurden, die sogenannte interne Rendite der gesetzlichen Rente. Damit erhalten die meisten heutigen Rentnerinnen und Rentner, alle heute Erwerbstätigen und alle junge Menschen, die derzeit noch zur Schule gehen oder kurz vor Eintritt ins Berufsleben stehen, im Verhältnis zu den von ihnen gezahlten Rentenbeiträgen überproportional mehr Rente. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) bei der Hans-Böckler-Stiftung hervor.
Der positive Effekt zeige sich, mit leichten Unterschieden, für Frauen und Männer, stellen die Studienautoren João Domingues Semeano, Sebastian Dullien, Camille Logeay und Ulrike Stein fest. Je nach Geburtsjahr und Geschlecht lägen die internen Renditen des Beitragsteils, der in den individuellen Rentenanspruch fließt, bei einer Stabilisierung des Rentenniveaus bei 3,3 bis 4,1 Prozent. Das sei “bis zu 0,2 Prozentpunkte höher als ohne Stabilisierung”, so das IMK. Am stärksten würde die interne Rendite für Versicherte steigen, die zwischen den frühen 1960er und den frühen 1980er Jahren geboren sind. Zur Berechnung der internen Rendite von Rentenbeiträgen muss laut IMK differenziert werden zwischen jenen Beiträgen, die nur für die Alterssicherung aufgewendet werden, und solchen, die in Erwerbsunfähigkeits- und Hinterbliebenenrenten sowie Rehabilitationsleistungen fließen.
Stabiles Rentenniveau gleicht Nachteile mancher Jahrgänge aus
“Damit gleicht die Stabilisierung ein Stück weit aus, dass die Jahrgänge bis 1970 aktuell pro eingezahltem Euro bisher etwas unterdurchschnittliche Renditen verzeichnen”, schreiben die IMK-Forschenden. Bei den ältesten und den jüngsten der untersuchten Geburtsjahrgänge sei der Renditen-Effekt der Stabilisierung “zwar deutlich geringer, aber gleichwohl eindeutig positiv”. Angesichts der vorgelegten Ergebnisse sei jedenfalls die These “nicht haltbar, eine Stabilisierung des Rentenniveaus würde jüngere Generationen benachteiligen”, heißt es.
„Die Zahlen zeigen, dass sich die Mitgliedschaft in der umlagefinanzierten Rentenversicherung lohnt, denn sie wirft für alle betrachteten Jahrgänge ordentliche Renditen ab, die spürbar über der erwarteten Inflation liegen. Das gilt ausdrücklich auch für die Jungen, eine Benachteiligung jüngerer Generationen ist nicht zu erkennen. Eine Stabilisierung des Rentenniveaus verbessert das Verhältnis zwischen individuellen Beiträgen und daraus erwachsenden Renten sogar weiter“, fasst Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK, die Ergebnisse zusammen. „Davon profitieren ebenfalls alle derzeit erwerbstätigen oder noch nicht erwerbstätigen Geburtsjahrgänge bis ans Ende unseres Simulationszeitraums. Denn die höheren künftigen Rentenauszahlungen bringen ihnen unter dem Strich mehr, als sie die künftig höheren Beiträge kosten.“
Rentenbeitrag steigt wie von der Bundesregierung berechnet
Der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung steigt nach den in der Studie enthaltenen Simulationsrechnungen ähnlich stark wie in den Berechnungen der Bundesregierung von derzeit 18,6 Prozent auf 22,4 Prozent 2035. Danach bleibe der Beitragssatz bis zur Mitte des Jahrhunderts konstant, um danach wieder leicht zu steigen. Grund dafür sei vor allem die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung, die auf der Auszahlungsseite dazu führe, dass die Rentnerinnen und Rentner über einen längeren Zeitraum hinweg und damit insgesamt mehr Rentenzahlungen erhielten als frühere Generationen, so das IMK.
Diese Logik gelte für alle Alterssicherungssysteme, unabhängig ob diese kapitalgedeckt oder – wie die gesetzliche Rente in Deutschland – umlagefinanziert seien, betonen die Forschenden. „Da den steigenden Beiträgen auch steigende Leistungen gegenüberstehen, wirken die Rentenbeiträge nicht wie Steuern. Sie sind – wie es auch die Bundesbank beschreibt – eher eine obligatorische Vorsorge“, erläutert IMK-Chef Dullien. „Deshalb haben die steigenden Rentenbeiträge gesamtwirtschaftlich auch keine negativen Wachstums- oder Beschäftigungseffekte.“
- Die dargestellten internen Renditen beziehen sich auf Personen aus Westdeutschland mit einem durchschnittlichen Verdienstprofil und durchgängiger Erwerbsbiografie bis zum gesetzlichen Renteneintritt. Die Berechnung konzentriert sich auf Westdeutsche, weil aufgrund der Währungsreform bei der deutschen Wiedervereinigung eine sinnvolle detaillierte Renditeberechnung für Ostdeutsche kaum möglich ist. Der grundsätzliche Zusammenhang – höhere Renditen durch Stabilisierung des Rentenniveaus – bleibt aber auch dort intakt.
- Als Datenbasis verwendet die Berechnung mit dem DyReMo-Modell die mittlere Variante der 15. Koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung von Destatis einschließlich der dort enthaltenen Annahmen über die Entwicklung der ferneren Lebenserwartung, eine Fortschreibung der historischen Arbeitsmarktentwicklung, unter der das Modelloutput den Schätzungen des BMAS entspricht, sowie die Annahme eines nominalen Lohnwachstums von 3 Prozent pro Jahr.
