Berlin/Frankfurt am Main (sth). Der Wunsch nach mehr Freizeit, eine ausreichende finanzielle Absicherung und das zunehmende Gefühl von zu starker Anstrengung sind offenbar die Hauptgründe dafür, warum Beschäftigte schon vor der persönlichen Regelaltersgrenze aus dem Berufsleben ausscheiden wollen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des CDU-Bundestagsabgeordneten Stefan Nacke hervor, die ihre-vorsorge.de vorliegt. Die von der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium (BMAS), Anette Kramme (SPD), verfasste Regierungsantwort beruft sich auf die Ergebnisse einer gemeinsam vom BMAS und der Universität Wuppertal erstellten Studie aus dem Jahr 2021 ("lidA - leben in der Arbeit"). Seit 2011 begleiten Wissenschaftler über die lidA-Studie mithilfe von Befragungen die Babyboomer-Jahrgänge 1959 und 1965 auf ihrem Weg von der Arbeit in den Ruhestand.
Die Autorinnen und Autoren der Studie betonen laut der Regierungsantwort, dass es auch auf das persönliche Umfeld der Beschäftigten ankomme, ob sie sich für oder gegen einen vorzeitigen Renteneintritt entscheiden. „Wer im Umfeld erlebt, dass der frühe Ausstieg begrüßt wird, der bejaht auch selber signifikant eher die Aussage, dass irgendwann Schluss sein müsse mit der Arbeit“, zitiert die Bundesregierung aus der Studie. Von denjenigen, die nach eigenen Angaben mit 64 Jahren in Rente gehen wollen, wären demnach 78 Prozent bereit, unter bestimmten Bedingungen auch länger zu arbeiten. Dazu gehöre unter anderem, selbst bestimmen zu können, wie viel und wann man arbeitet.
Die Studien-Verfasser ziehen nach Angaben der Bundesregierung “das Fazit, dass für einen längeren Verbleib im Arbeitsleben die Arbeitsumstände und die Arbeitsfähigkeit von Beschäftigten verbessert werden müssen”. Betriebe seien demnach gefordert, frühzeitig auf ihre älteren Beschäftigten zuzugehen und spätestens ab dem 55. Lebensjahr in Vorgesetztengesprächen die letzte Berufsphase zu besprechen. Dabei sollten auch die konkreten Arbeitsbedingungen gezielt auf Verbesserungsbedarf abgeklopft werden. Ein wichtiger Baustein sei zudem, “den Beschäftigten mehr Mitwirkung und Flexibilität bei der Gestaltung ihrer Arbeit einschließlich der Arbeitszeiten einzuräumen – und zwar nicht nur, wenn gesundheitliche Einschränkungen vorliegen”, schreibt die Staatssekretärin unter Berufung auf die lidA-Studie.
