Davos (dpa). Es gibt immer mehr Milliardäre auf der Welt – und ihr Vermögen wächst und wächst. Das geht aus einem Bericht hervor, den die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam zum Start des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos veröffentlicht. Demnach besaßen die rund 3.000 Milliardärinnen und Milliardäre weltweit im vergangenen Jahr ein Vermögen von 18,3 Billionen US-Dollar (ungefähr 15,75 Billionen Euro). Seit 2020 wurden sie inflationsbereinigt um mehr als 80 Prozent reicher. Gleichzeitig lebe fast die Hälfte der Menschheit in Armut, betont Oxfam.
Vermögen der Reichen wächst 2025 um 16 Prozent
Dem Bericht liegen Daten aus verschiedenen Quellen zugrunde. So führte Oxfam etwa „Forbes“-Schätzungen zum Vermögen von Milliardären mit Daten der Weltbank und solchen aus dem UBS-Weltvermögensreport zusammen. Im vergangenen Jahr sei das Vermögen der Milliardäre um rund 16 Prozent gewachsen – und damit dreimal schneller als im Durchschnitt der Vorjahre, erklärt Oxfam. Die zwölf Reichsten hätten nun mehr Geld als die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung, das sind mehr als vier Milliarden Menschen.
„Die Ära der Milliardäre"
„Wir befinden uns in der Ära der Milliardär*innen – und das ist keine gute Nachricht für die Welt“, kommentiert Charlotte Becker, die Vorständin von Oxfam Deutschland. Der Reichtum an der Spitze konzentriere sich in nie dagewesenem Tempo, allein im vergangenen Jahr hätten Milliardärinnen und Milliardäre 2,5 Billionen US-Dollar hinzugewonnen. „Das ist so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besitzt“, sagt Becker. Der reichste Mann der Welt, Elon Musk, verdient nach Rechnung von Oxfam in vier Sekunden so viel, wie ein Durchschnittsmensch in einem Jahr. Er müsste pro Sekunde mehr als 4.500 Dollar verschenken, damit sein Vermögen schrumpfte.
Deutschlands Milliardäre an vierter Stelle
Auch hierzulande ist die Zahl der Milliardärinnen und Milliardäre laut Oxfam im vergangenen Jahr deutlich gestiegen, und zwar um ein Drittel auf nun 172. Damit stehe Deutschland bezüglich der Zahl der Milliardäre an vierter Stelle weltweit. Ihr Gesamtvermögen habe inflationsbereinigt ebenfalls um rund 30 Prozent auf 840,2 Milliarden US-Dollar zugenommen. Insgesamt, so rechnet Oxfam, verdiene ein deutscher Milliardär in weniger als anderthalb Stunden das durchschnittliche Jahreseinkommen in Deutschland. Die Entwicklungsorganisation warnt, die große Lücke zwischen Arm und Reich sei auch hier „ein idealer Nährboden für antidemokratische Kräfte“. Dem müsse die Bundesregierung mit höheren Steuern für die Reichsten entgegensteuern, forderte Oxfam. Zuletzt hatte die SPD eine höhere Steuer auf Erbschaften in Millionenhöhe vorgeschlagen, die Union lehnt das aber ab.
Sorge wegen politischer Macht der Superreichen
Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) sagte: „Der Bericht zeigt eine gefährliche Entwicklung: Wer extrem reich ist, hat immer häufiger auch große politische Macht.“ Dieser erschreckende Rückschritt erinnere an die Ständegesellschaft früherer Zeiten, in der nur die Vermögenden das Sagen hatten. „Heute muss gelten: Jeder Mensch hat gleiche Rechte und die gleiche Chance, gehört zu werden“, betonte Radovan.
Dem Oxfam-Bericht zufolge investierten 100 milliardenschwere Familien im vergangenen US-Präsidentschaftswahlkampf die Rekordsumme von 2,6 Milliarden Dollar. Dass ein Milliardär ein politisches Amt bekleidet, sei schätzungsweise 4.000 Mal wahrscheinlicher als bei einem normalen Bürger. Auch sieben der zehn größten Medienhäuser seien zumindest zu einem Anteil in der Hand von Milliardären.
