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Resturlaub umwandeln statt abbauen

Resturlaub auf einem Konto für später aufheben statt gleich abzubauen. Das macht aus mehreren Gründen Sinn.

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Mann sitzt nachdenklich am Schreibtisch. Bild: IMAGO / Westend61 / Rainer Berg

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Nürnberg (dpa). Wenige Wochen bis zum Jahreswechsel und das Urlaubskonto ist noch gefüllt? Schnell noch ein paar Tage abbauen, heißt da meistens die Devise. In großen deutschen Unternehmen muss der komplette Resturlaub in der Regel noch vor Jahresende genommen werden, wie eine dpa-Umfrage ergab. In Ausnahmefällen ist auch noch bis Ende März oder länger Zeit. Doch nicht alle setzen allein auf diese Praxis.

Innovativer Ansatz bei Adidas: Urlaubstage auf Langzeitkonten übertragen

Innovativ in Sachen Resturlaub zeigt sich Adidas. Der fränkische Sportartikelhersteller hat 2011 für seine Mitarbeiter sogenannte „MyTime“-Konten eingerichtet. Auf diese Langzeitkonten können bis zu acht Urlaubstage pro Jahr übertragen werden, wie eine Sprecherin des Unternehmens mit Hauptsitz Herzogenaurach erklärt.

Die angesparte Zeit werde in Geld umgewandelt und könne für langfristige Freistellungen genutzt werden – etwa für eine Auszeit mit der Familie, Weiterbildung, Pflege von Angehörigen oder wenn man mit einem Sabbatical mal aussetzen will. Die Regelung gilt nur für die rund 7.700 Adidas-Mitarbeiter in Deutschland.

Anpassung an die Erfordernisse der Lebenssituation

Der Grund für das Angebot? „Karrieren verlaufen heute nicht mehr linear, sondern werden von unterschiedlichen Lebenssituationen und Prioritäten beeinflusst“, sagt Adidas-Personalvorstand Karen Parkin.

Das Ziel von „MyTime“ sei, Mitarbeiter in den verschiedenen Lebensphasen zu unterstützen. Ihnen die Möglichkeit zu geben, Verantwortung für Arbeit und Privatleben zu übernehmen.

Falls die Mitarbeiter die Firma vorher verlassen, könne das „MyTime“-Geld entsprechend mitgenommen werden.

Nicht nur der Sportartikelhersteller ist von der Idee eines Langzeitkontos überzeugt, auch die FDP plädiert dafür. Auf dem Konto solle man in einer arbeitsintensiven Phase nicht nur Resturlaub, sondern auch Überstunden und Boni ansammeln können – und es unabhängig vom Arbeitgeber in andere Betriebe mitnehmen können.

Das Flexi-II-Gesetz bildet die gesetzliche Grundlage

Eine gesetzliche Grundlage gibt es mit dem sogenannten Flexi-II-Gesetz dafür schon. Genutzt wird die Möglichkeit einem Forschungsbericht für den Bundestag aus dem Jahr 2016 zufolge aber von nur wenigen Unternehmen in Deutschland.

Die meisten Betriebe sehen dabei vor allem organisatorische Schwierigkeiten. Aber auch die Rückstellungen für nicht genommene Urlaubstage schrecken demnach ab. Diese sind nötig, um Arbeitnehmer etwa im Fall einer Kündigung die Tage ausbezahlen zu können. Das ist also Geld, das erstmal brach liegt und nicht für andere Dinge genutzt werden kann.

Auch Adidas muss Rückstellungen für „MyTime“ bilden – zumindest für ein Jahr, wie die Sprecherin erklärt. Erst im Folgejahr könne dann der entsprechende Betrag in das „MyTime“-Wertkonto übertragen werden.

Das Bundesurlaubsgesetz regelt den Jahresurlaub

In Deutschland regelt das Bundesurlaubsgesetz alles rund um das Thema Jahresurlaub. Es sieht vor, dass er tatsächlich im laufenden Kalenderjahr genommen wird. „Regelmäßiger Erholungsurlaub ist unerlässlich für Gesundheit der Beschäftigten und dient dazu, die Arbeitsfähigkeit zu erhalten“, erklärte Annelie Buntenbach aus dem Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB).

„Ansparen“ von Urlaubszeiten über Jahre sei nicht sinnvoll und der Gesundheit nicht dienlich. Der Mindesturlaub in Deutschland beträgt vier Wochen im Jahr.

Den meisten Beschäftigten stehen aber mehr Urlaubstage zur Verfügung. Wie diese gehandhabt werden, ist nicht gesetzlich festgeschrieben. Das können Unternehmen selbst entscheiden.

FDP unterstützt die Idee von Langzeitkonten

Die FDP rührt immer wieder die Werbetrommel für die Langzeitkonten: „Die Lebensläufe der Menschen werden immer vielfältiger und bunter“, sagt der Arbeitsmarkt-Experte der FDP-Bundestagsfraktion, Johannes Vogel. Mehr Lebenslaufhoheit für die Beschäftigten, das wolle man erreichen. „Hier benötigen wir dringend eine Modernisierung.“


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