München (tö). Ausgerechnet im Corona-Jahr 2020 waren die Arbeitnehmer in Deutschland weniger häufig krankgeschrieben als in den Vorjahren. Dies zeigen die jährlichen Daten des Dachverbands der Betriebskrankenkassen für mehr als 4,4 Millionen Beschäftigte, die das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) ausgewertet hat. Demnach waren 2020 Arbeitnehmer im Durchschnitt 18,2 Tage krank, im Jahr davor waren es noch 18,4 Tage.
„Das mag auch daran liegen, dass Verhaltensregeln und Lockdown sonstige Erkältungskrankheiten stark zurückgedrängt haben“, heißt es in dem IW-Bericht. Den Daten zufolge hat die Genesung aber vor allem bei schweren Erkrankungen etwas länger gedauert als in den Vorjahren.
Der analytische Einblick in den Krankenstand der Arbeitnehmer zeigt weiter:
Schnell gesund
2020 waren 51 Prozent aller Mitarbeiter keinen einzigen Tag krankgeschrieben, gut ein Zehntel mehr als im Jahr zuvor – wohl vor allem wegen des Ausbleibens der Grippewelle. Wer sich krank meldete, war meist nach einer Woche wieder im Dienst.
Lange krank
Die Zahl der Langzeitatteste erhöhte sich jedoch von 4,6 auf 5,4 Prozent. Fast die Hälfte aller Fehltage gab es wegen langwieriger Erkrankungen. Diese machten nur etwa zehn Prozent der Krankheitsfälle aus. Bis die krankgeschriebenen Arbeitnehmer genesen waren, dauerte es aber durchschnittlich mehr als vier Wochen.
Schwieriges Alter
Das Alter spielte bei den langwierigen Ausfällen eine große Rolle. So brauchten ältere Mitarbeiter offenkundig längere Zeit, um wieder gesund zu werden. „Jenseits der 55 liegt die durchschnittliche Ausfallzeit mehr als doppelt so hoch wie in der Altersgruppe der 35- bis 39-Jährigen“, heißt es in dem IW-Bericht.
Und weiter: „Besonders deutlich wird dies bei den Muskel- und Skeletterkrankungen. In keiner anderen Krankheitsart steigen die Ausfälle mit dem Alter so kräftig an. Dies scheint für körperlich belastende Berufe naheliegend, aber auch der klassische Bürojob ist davon nicht ausgenommen.“
Unterschiede bei Berufen
Die geringsten Krankenstände wurden bei Lehr- und Forschungstätigkeiten und in wirtschaftswissenschaftlichen Berufen gemessen. Unter den Spitzenreitern fanden sich keineswegs nur klassische Industrieberufe, sondern auch die Altenpflege. In dieser Branche ist die Belastung der Mitarbeiter offenkundig so hoch, dass sie überdurchschnittlich häufig krank werden (im Durchschnitt: fast 30 Krankheitstage im Jahr).
Gefährlicher Winter
Das Corona-Virus trug vor allem in den Wintermonaten zu Ausfällen bei. Auch hat die vierte Welle der Pandemie im November 2021 wieder einen Anstieg ausgelöst. Hier fehlen aber noch neuere Daten.
