Berlin (sth). Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hat für die staatlich geförderte private Altersvorsorge ein Vorsorgedepot nach schwedischem Vorbild vorgeschlagen. Laut einem am Wochenende vorgestellten Arbeitspapier der oft als “Wirtschaftsweise” bezeichneten Ökonomen soll das geplante Depot “die lebenslange Vermögensbildung, auch bei einkommensschwachen Haushalten, stärken”. Wesentliche Elemente des Vorsorgedepots sollten eine “automatische Teilnahme, eine überschaubare Auswahl an renditestarken Fonds mit niedrigen Kosten, einfache Standardprodukte sowie ein staatlich verwaltetes Default-Angebot sein”, schreiben die Forschenden.
Kern des neuen Systems sollten “standardisierte Produkte” sein, “geeignet für einen Abschluss ohne Beratung und daher mit geringen Vertriebskosten”, heißt es in dem Papier. Nach schwedischem Vorbild sollten dabei private Fondsangebote im Wettbewerb zu einem staatlich verwalteten Standardprodukt stehen. „Alle Standardprodukte sollten einem Lebenszyklusmodell folgen, das in jungen Jahren hohe Aktienquoten aufweist und das Risiko mit zunehmendem Alter schrittweise reduziert“, erläuterte der Bochumer Ökonom Martin Werding das Konzept. Das staatlich verwaltete Vorsorgeprodukt laufe "als Default-Lösung (Standardmodell, d. Red.) für die, die kein Produkt auswählen oder auswählen wollen“.
“Verlorenes Vertrauen zurückgewinnen”
Mit dem Vorsorgedepot könne das “verloren gegangene Vertrauen in die geförderte Altersvorsorge zurückgewonnen werden”, hoffen die Wirtschaftsweisen. Die breite Einführung einer kapitalmarktbasierten Altersvorsorge sei mit der Riester-Rente zwar schon einmal versucht worden. Teure Garantieprodukte wie etwa Versicherungsverträge und hohe Kosten hätten “die Vorsorgenden aber sehr viel Rendite gekostet”, ergänzte Werdings Kollegin Ulrike Malmendier. “Noch einmal sollte es nicht vermasselt werden. Wir sollten uns gelungene Umsetzungen wie in Schweden zum Vorbild nehmen und auf renditestarke Fonds und eine automatische Teilnahme setzen, damit viel mehr Menschen als bisher davon profitieren.”
Das Vorsorgedepot solle an die geplante Frühstart-Rente anknüpfen und “damit die Kontinuität der Vermögensbildung über den gesamten Lebensverlauf stärken”, schlagen die Ökonomen vor. Da langfristig alle Erwerbspersonen in das Vorsorgemodell einbezogen werden sollen, “kann der Vermögensaufbau breiter Bevölkerungsschichten gestärkt und eine tragfähige Kapitalmarktkultur geschafft werden”, heißt es in einer Mitteilung der Sachverständigen.
