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Kampf um Sparer: Immer mehr Banken erhöhen die Zinsen

Der Wettbewerb um Sparer in Deutschland zieht an: Ausländische Geldhäuser, Digitalbanken und etablierte Häuser locken mit hohen Zinsen. Sparer profitieren – wenn sie das Kleingedruckte beachten.

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Kontoauszug mit Zinsabrechnung und Euro-Geldscheinen. Bild: IMAGO / McPHOTO / imago stock&people

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Frankfurt/Main (dpa). Mit der Aussicht auf höhere Leitzinsen können Sparer in Deutschland derzeit so hohe Tages- und Festgeldzinsen bei Banken kassieren wie lange nicht. Um Anleger ist ein harter Wettbewerb ausgebrochen zwischen Digitalbanken wie Trade Republic, etablierten Banken und ausländischen Instituten, die in den deutschen Markt drängen. Sparer profitieren davon, müssen aber manches beachten. 

Aktuell erhalten Sparer bei mindestens elf Geldhäusern zeitweise einen Zinssatz über 3,5 Prozent, wenn sie ein neues Tagesgeldkonto eröffnen, wie eine Analyse des Vergleichsportals Verivox zeigt. Bis Mitte Mai habe es gar keine Angebote dieser Größenordnung gegeben. „Die Banken buhlen um neue Tagesgeldanleger“, so die Studie, für die Tages- und Festgeldzinsen von mehr als 800 Banken und Sparkassen ausgewertet wurden (Stand 8.9.). „Der Konkurrenzkampf an der Spitze des Marktes nimmt dadurch immer mehr Fahrt auf.“ 

Den höchsten Tagesgeldzins bietet die britische Digitalbank Revolut. Hier erhalten Neukunden für bis zu vier Monate 4,25 Prozent, jedoch gelten mehrere Nebenbedingungen. Zudem streichen Neukunden bei der Renault Bank 4,1 Prozent und bei Chase, dem deutschen Ableger der US-Großbank J.P. Morgan, 4 Prozent Zinsen für je vier Monate ein. Die niederländische Ayvens Bank bietet ebenfalls 4 Prozent, aber nur für 3 Monate.  

Banken setzen auf Geschäfte nach dem Tagesgeld 

Hintergrund sind hohe Kapitalmarktzinsen etwa bei Staatsanleihen, wo die Renditen zuletzt stark gestiegen sind, und die Aussicht auf höhere Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB). Da mit dem Iran-Krieg die Inflation angezogen hat, dürfte die EZB den Einlagenzins an diesem Donnerstag auf 2,5 Prozent erhöhen. Diesen bekommen Banken, wenn sie Gelder bei der Notenbank parken. Manche Banken geben bessere Konditionen an Kunden weiter, was sich auch bei den Lockangeboten bemerkbar macht.  

Das Kalkül dahinter: Während manche Sparer als „Zinshopper“ alle paar Monate ein neues Konto eröffnen, um sich die optimalen Zinsen zu sichern, bleibt ein großer Teil der Kundschaft hängen. Zugleich gelten Tagesgelder als Einstiegsprodukt, um mit Sparern später weitere Geschäfte zu machen – etwa mit Kreditkarten, Wertpapierhandel oder Konsumentenkrediten. 

Allerdings gibt es bei den Lockangeboten so manchen Haken wie eine Beschränkung des Aktionszinses auf bestimmte Guthaben und Zeiträume oder die Voraussetzung, auch ein Girokonto eröffnen zu müssen. „Bei vielen Neukundenangeboten sinken die Zinsen nach den ersten Monaten so stark, dass Sparer dann erneut die Banken wechseln müssen, um weiterhin lukrative Erträge zu erzielen“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. Es lohne daher, auf die Bestandszinsen zu achten. 

Die höchsten Zinsen für Bestandskunden bietet mit 2,5 Prozent die Ascory Bank aus Hamburg, so die Studie (Stand 8.9.2026). Beim Online-Broker Scalable Capital gibt es 2,6 Prozent, allerdings können Spargelder hier auch bei Partnerbanken im Ausland oder in Geldmarktfonds angelegt werden.  

Anders als für Neukunden sind Bestandszinsen kaum gestiegen. Bundesweit verfügbare Angebote bringen laut Verivox im Schnitt aktuell 1,4 Prozent, im Juni waren es 1,33 Prozent. Bei Sparkassen und Volksbanken seien es weniger als 0,5 Prozent. „An der Mehrheit der treuen Bestandskunden läuft die Zins-Rally beim Tagesgeld bislang komplett vorbei“, sagt Maier.  

Festgeldzinsen steigen deutlich 

Besser sieht es bei Festgeld aus. Anfang Juni lagen die Zinsen bei im Schnitt 2,32 Prozent für zwei Jahre Laufzeit, aktuell sind es 2,55 Prozent. Die Münchner Finanzplattform Scalable Capital hat zuletzt sogar ein Festgeld mit 3 Prozent Zinsen für 24 Monate eingeführt. Auch etablierte Banken wie die DKB erhöhten ihre Konditionen. 

Ausländische Banken drängen nach Deutschland 

Verschärft wird der Wettbewerb von ausländischen Banken, die nach Deutschland drängen – so auch die Digitalbank Revolut. „Deutschland ist ein Schlüsselmarkt bei unserem Ziel, die größte und vertrauenswürdigste Bank in Europa und der Welt zu werden“, sagte Béatrice Cossa-Dumurgier, Westeuropa-Chefin von Revolut, der Deutschen Presse-Agentur. Inzwischen habe man weit mehr als drei Millionen Kunden in Deutschland, die Schwelle von vier Millionen werde man schon bald erreichen. „Allein 2025 haben wir mehr als 800.000 Kunden in Deutschland gewonnen.“ 

Die 2015 gegründete Finanzplattform hat keine Filialen, aber rund 80 Millionen Kunden weltweit und wird mit rund 115 Milliarden Dollar bewertet, das ist mehr als der Börsenwert der Deutschen Bank.  

Bankenschreck Trade Republic  

In Deutschland treffen ausländische Anbieter auf starke Konkurrenz von Direktbanken wie ING und DKB sowie Neobanken wie Trade Republic. Der Berliner Online-Broker hat mit niedrigen Gebühren für den Aktienhandel und hohen Zinsen schon mehr als fünf Millionen Kunden in Deutschland gewonnen. 

Zwar gilt die zersplitterte deutsche Bankenbranche als schwierig für neue Anbieter, auch weil die Bundesbürger als wenig digital-affin und börsenscheu gelten. Ausländische Banken wie die spanische BBVA, J.P. Morgan oder Revolut schert das aber nicht – sie setzen auf die Größe des deutschen Marktes.  

Revolut kooperiert beim befristeten Tagesgeldangebot mit der Deutschen Bank, das soll Vertrauen schaffen. Man brauche Zeit, um in Deutschland noch bekannter zu werden, sagte Managerin Cossa-Dumurgier. „Hier haben wir noch Luft nach oben“. Sie kündigt bereits Produkte für Deutschland an, wo dem Unternehmen etwa noch Kreditkarten im Angebot fehlen. „Wir wollen die Finanz-App für alles sein.“ 

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