Frankfurt (tr). Mit der Reform der geförderten privaten Altersvorsorge ändern sich ab 2027 viele wichtige Kriterien wie Anlageform, Höhe der Zulagen, Mindesteigenbeitrag oder Förderhöchstgrenze. Ein wesentlicher Bestandteil der Reform ist die Einführung der neuen Altersvorsorgedepots. Durch sie dürften ETFs künftig eine größere Rolle bei der privaten Altersvorsorge spielen.
Bereits in diesem Jahr sollte man deshalb mit verstärkter Werbung und Vertriebsaktivitäten der Anbieter für neue Altersvorsorgeprodukte rechnen, so die Verbraucherzentrale NRW. Verbraucher sollten sich aber nicht zu einem schnellen und unüberlegten Vertragsabschluss drängen lassen. Entscheidend seien auch beim neuen Altersvorsorgedepot Kosten, Vertragsbedingungen, Anlagestrategien und die Frage, ob das Produkt zur eigenen Lebens- und Finanzsituation passt.
ETF ist nicht gleich ETF
ETF steht für „Exchange-Traded Fund“ und bezeichnet einen börsengehandelten Investmentfonds, der meist einen bestimmten Index abbildet. So bündelt zum Beispiel der MSCI World All Countries World Index (MSCI ACWI) Aktien von knapp 2.500 Unternehmen aus fast 50 Ländern. Viele Anleger verbinden ETFs deshalb automatisch mit einer breiten Streuung und einem vergleichsweise geringen Risiko, stellt die Verbraucherzentrale fest.
Doch es gibt auch zahlreiche Spezial-ETFs, die sich etwa auf einzelne Branchen, Länder, Rohstoffe oder bestimmte Anlagethemen konzentrieren. Je enger ein ETF ausgerichtet ist, desto stärker beeinflussen einzelne Entwicklungen den Wert des gesamten Investments – positiv wie negativ. Anleger sollten deshalb nicht allein auf die Bezeichnung „ETF“ schauen, sondern prüfen, welchen Index das Produkt abbildet und wie breit die enthaltenen Wertpapiere tatsächlich gestreut sind.
Nicht drängen lassen
„ETF ist nicht gleich ETF: Gerade bei spezialisierten Produkten kann die Streuung deutlich geringer und das Risiko höher sein, als viele vermuten“, erklärt Ralf Scherfling, Finanzexperte der Verbraucherzentrale NRW. „Aktuell ist es gerade mit Blick auf die anstehende Reform der privaten Altersvorsorge wichtig, sich nicht von neuen Angeboten oder Werbeversprechen zu voreiligen Entscheidungen verleiten zu lassen.“
Auch bei den Kosten lohne sich ein genauer Blick. Zwar seien viele ETFs günstig, doch zwischen den einzelnen Produkten gebe es deutliche Unterschiede. Insbesondere aktiv gemanagte Fonds, die sich lediglich an einem Index orientieren, sowie einige Spezial-ETFs könnten vergleichsweise hohe laufende Kosten haben. Wer verschiedene ETFs miteinander vergleiche, solle deshalb nicht nur auf Strategie und Wertentwicklung schauen, sondern auch die Gesamtkosten des Produkts berücksichtigen.
Vorsicht bei ETFs im Versicherungsmantel
ETFs können auch Bestandteil einer Versicherung sein. Bei solchen sogenannten ETF-Policen wird nach Beobachtungen der Verbraucherzentrale häufig mit möglichen steuerlichen Vorteilen geworben – etwa damit, dass auf ETF-Policen bei einer Rentenversicherung in der Ansparphase in der Regel keine Abgeltungssteuer anfällt.
Doch eine mögliche Steuerersparnis allein macht einen Vertrag nicht zu einer guten Geldanlage. Durch Abschluss-, Verwaltungs- und weitere Vertragskosten kann ein Teil des möglichen Vorteils wieder verloren gehen. Wer eine ETF-Police angeboten bekommt, sollte deshalb genau prüfen, ob eine Versicherungslösung überhaupt zur eigenen Situation passt. Falls sie in Frage kommt, sollte man klären, welche Kosten über die gesamte Laufzeit entstehen, welche Leistungen enthalten sind und ob die steuerlichen Vorteile die zusätzlichen Kosten tatsächlich aufwiegen.
Die Verbraucherzentrale NRW erklärt, bietet mit „Lunch and Learn: Meine Altersvorsorge und die Reform“ eine kostenlose Online-Veranstaltungsreihe rund um Riester-Reform und Altersvorsorgedepot an. Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich.
