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Turbulenzen an den Börsen: So reagieren Sie richtig

Heute deutlich im Plus, die vorigen Handelstage kräftig im Minus: Angesichts dieser Achterbahnfahrt sollten Anleger besonnen agieren, denn: Hin und her macht Taschen leer.

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Deutsche Börse – Bildnachweis: wdv © Rüttger, Bernhard

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Berlin (dpa/tmn). Auch wenn die Börsenkurse am Dienstag erst einmal zulegten und den Deutschen Aktienindex DAX wieder über 20.000 Punkte hievten, bleibt die Stimmung äußerst nervös. Viele Sparerinnen und Sparer sind beim Blick in ihr Depot verunsichert. Die ordentlichen Gewinne der vergangenen Jahre sind gehörig geschrumpft, mitunter sogar eingestellt. Wie jetzt reagieren?
Wenn die Kurse eines breit aufgestellten Portfolios – also mit ausreichend Diversifizierung über Länder und Branchen hinweg – fallen, sollten Anlegerinnen und Anleger Ruhe bewahren und nicht übereifrig Anteile verkaufen. Das ist der Zeitschrift „Stiftung Warentest Finanzen“ (4/2025) zufolge nur im äußersten Notfall geboten. Mit einem solchen Vorgehen realisieren Betroffene ansonsten nur etwaige Verluste und können von später möglicherweise wieder steigenden Kursen ihrer Aktien, Fonds oder ETFs nicht profitieren.

Strategie einmal festlegen und daran festhalten

Erfolgreiches Investieren in volatilen Märkten erfordert eine hohe mentale Stärke, sagt auch Vermögensverwalter Heiko Löschen. „Panikverkäufe sind der häufigste Grund, warum Anlegerinnen und Anleger langfristig hinter der Marktentwicklung zurückbleiben.“ Sparerinnen und Sparer tun daher gut daran, einmal einen sinnvollen Investmentplan für sich aufzustellen und daran festzuhalten – egal, wohin die Kurse marschieren.  Der Profi empfiehlt: „Überprüfen Sie Ihre Strategie regelmäßig, aber lassen Sie sich nicht von täglichen Kursschwankungen aus der Ruhe bringen.“ Und zwar auch dann nicht, wenn es mehrere Tage oder Wochen abwärtsgeht. Ein Blick in die jüngere Vergangenheit zeigt, dass die wichtigen Leitindizes größere Rücksetzer – wie 2000, als die Dotcom-Blase platzte, 2008, als die Finanzkrise schwelte oder auch 2020, als sich die Corona-Pandemie ausbreitete – in den Folgemonaten und -jahren wieder aufholen konnten.

Der Anlagehorizont ist entscheidend

Die auch bei Deutschen beliebten, börsengehandelten und weltweit streuenden Indexfonds (ETFs) auf den MSCI World konnten – bei einer Betrachtung über die vergangenen Jahrzehnte hinweg – eine durchschnittliche jährliche Rendite von rund acht Prozent erwirtschaften. Trotz all der Kurseinbrüche zwischendurch, die laut Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale NRW „durchaus 30 Prozent oder mehr betragen“ haben. Darum sei der Zeithorizont der Geldanlage wichtig. Wer überlegt, einen Aktien-ETF zu kaufen, sollte mit mindestens zehn Jahren planen und keinesfalls in die Situation kommen, mit Verlust verkaufen zu müssen, weil das Geld dringend benötigt wird. Wer nicht mindestens diesen Zeithorizont für die Geldanlage anstrebt, ist womöglich mit anderen, zum Beispiel festverzinslichen Angeboten besser bedient. 

Günstig nachkaufen kann auf lange Sicht lohnen

Umgekehrt gilt: Wer frei verfügbare Geldmittel und ein passendes Nervenkostüm hat, kann bei fallenden Börsenkursen Anteile, die der jeweiligen Strategie entsprechen, zu dann günstigeren Werten nachkaufen. Ob und wann die Kurse allerdings steigen oder ob sie erst mal noch weiter fallen, ist zu keinem Zeitpunkt vorhersehbar. Auch wenn die Kurse in einer fulminanten Rallye steigen sollten, heißt es: Ruhe bewahren. „Stocken Sie keinesfalls in euphorischer Stimmung Ihren Aktieanteil immer weiter auf, sondern halten Sie an Ihrer ursprünglich gewählten Depotmischung fest“, rät die Stiftung Warentest. Denn ob der Trend anhält, ist auch hier nicht absehbar. Wer später auf das Geld angewiesen ist, muss seine teuer erworbenen Anteile sonst unter Umständen zu einem ungünstigen Zeitpunkt und mit Verlust verkaufen.

Alternativen zur Aktie

Als Alternative zum Einstieg auf aktuellem Niveau kann man etwaige freie Mittel aber auch auf ein Tagesgeld- oder Festgeldkonto legen. Dort sind die Zinssätze aber inzwischen wieder niedriger, je nach Anlagedauer eher bei zwei als bei drei Prozent pro Jahr. Zieht man die Inflationsrate ab, bleibt real kaum etwas übrig, schon gar nicht, wenn die Verbraucherpreise als Folge der US-Zollpolitik wieder schneller steigen sollten. Staatsanleihen könnten eine Alternative sein. Die Kurse sind dank höherer Nachfrage bereits gestiegen – die Renditen im Gegenzug gesunken. Der Preis von Gold als „sicherem Hafen“ ist in den vergangenen Monaten von Rekord zu Rekord geeilt, doch in den letzten Tagen schwächelte auch das Edelmetall – und es wirft keine Zinsen ab.

Geduld ist gefragt

Wie lange die starken Schwankungen an den Finanzmärkten fortwähren, hängt auch von den Auswirkungen auf die Realwirtschaft ab. Schotten sich die Handelsblöcke immer weiter mit Zöllen ab, besteht die Gefahr einer weltweiten Rezession über einen längeren Zeitraum. Wird jedoch der Handelskonflikt gelöst, könnte die Erleichterung schnell zu einem Anstieg an den Aktienmärkten führen. Viel hängt davon ab, ob US-Präsident Trump an seinem Kurs festhält oder sich doch zu einer Umkehr bewegen lässt. Scharfe Abwärtsbewegungen an den Aktienmärkten sind allerdings keine Seltenheit. Im Jahr 2000 etwa platzte die Dotcom-Blase. Zahlreiche Start-ups aus dem Internet-Sektor ohne tragfähiges Geschäftsmodell gingen in die Knie. Es folgte vom Frühjahr 2003 an ein langjähriger Aufschwung an den Börsen. Dieser wurde dann von der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 gestoppt. Wieder sackten die Kurse ab, und wieder ging der Aktienmarkt gestärkt aus dieser Krise hervor. Der Ausbruch der Corona-Pandemie führte zum nächsten Dämpfer. Die Erholung folgte. 

Tech-Werte und Exporteure besonders betroffen

Dass sich ein solches Szenario wiederholt, ist keineswegs sicher. Denn Trumps Zollpolitik erschüttert die Grundfesten des Handels über Grenzen hinweg und könnte damit einen dauerhaften Schaden bewirken. Besonders stark war der Ausverkauf zunächst bei den US-Technologiewerten, die jahrelang die Gewinnerlisten angeführt hatten. Inzwischen gibt es aber kaum eine Branche, die nicht in den Abwärtssog hineingezogen worden ist. Die pauschalen Zölle treffen eben alle Exporteure. Die Aktientitel mancher Konzerne, die Produktionsstätten auf der ganzen Welt haben und so Zölle weitgehend vermeiden können, haben sich in den vergangenen Tagen vergleichsweise gut geschlagen. 
Was bedeutet der Kurseinbruch für die Realwirtschaft?
Die neuen Zölle der USA und die absehbaren Gegenzölle allein stellen schon ein enormes Handelshemmnis dar. Der Wertverlust der Aktienvermögen, sofern er denn Bestand hat, kann den negativen Effekt auf die Konjunktur verstärken. Wer sich Sorgen um seine Ersparnisse oder Altersvorsorge macht, der ist beim täglichen Konsum nicht mehr so spendabel.
Unternehmen dürften sich mit Investitionen zurückhalten, wenn die Aussichten dermaßen ungewiss sind. Marktexperte Molnar sagt: „Die Unternehmen werden vor diesem Hintergrund ihre Gewinnerwartungen herunterschrauben müssen, nach immer höherem Wachstum drohen nun einige Quartale, wenn nicht gar Jahre mit mageren Zahlen und trüben Aussichten.“

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