Berlin (dpa). Die Zahl der Apotheken ist zum Start ins Jahr weiter gesunken. Ende März gab es bundesweit noch 16.541 Apotheken und damit 60 weniger als zum Jahreswechsel, wie aus Daten der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hervorgeht. Seit Anfang Januar standen dabei 19 Neueröffnungen 79 Schließungen gegenüber. Erfasst werden jeweils Hauptapotheken und Filialen, von denen es bis zu drei geben kann.
Der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Hans-Peter Hubmann, sagte: „Die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln ist zwar weiterhin gesichert, aber lange kann es so nicht mehr weitergehen.“ Jede geschlossene Apotheke bedeute weitere Wege für tausende Patienten. Der seit Jahren anhaltende Rückgang der Apothekenzahl sei nur selten auf individuelle Fehlentscheidungen oder intensiveren Wettbewerb zurückzuführen, sondern begründet in einer „chronischen Unterfinanzierung“ der Apotheken.
Stärkere Konkurrenz durch E-Apotheken
Belastend für die stationären Apotheken wirkt allerdings auch die stärkere Konkurrenz durch Online-Apotheken: Im Jahresverlauf 2024 war das E-Rezept eingeführt worden, so dass seither auch rezeptpflichtige Medikamente über das Internet erworben werden können. Immerhin haben die E-Apotheken keinen unmittelbaren Vorteil durch ihre Nicht-Teilnahme am besonders aufwendigen Nacht- und Notdienstfonds: Zur Mit-Finanzierung der Medikamenten-Versorgung rund um die Uhr werden nämlich 21 Cent von jeder verkauften Packung, egal ob durch eine stationäre oder eine Online-Apotheke abgegeben, von den Krankenkassen in den sogenannten Nacht- und Notdienstfonds eingezahlt. Aus diesem erhalten die je Nacht rund 1.200 geöffneten Apotheken eine Pauschale für ihren Einsatz; hinzu kommt zur Finanzierung noch die Gebühr von 2,50 Euro inklusive Mehrwertsteuer, die jeder Patient im Notdienst zahlt.
Warten auf Honorar-Anhebung
Um dem Rückgang der Zahl stationärer Apotheken zu stoppen, fordert die Branche seit Jahren, das Honorar für jede abgegebene Packung eines verschreibungspflichtigen Medikamentes auf 9,50 Euro anzuheben. Seit 2013 beträgt das Fix-Honorar 8,35 Euro pro Packung. Die schwarz-rote Koalition plante eine Anpassung, stellte sie jedoch wegen der angespannten Finanzlage der gesetzlichen Krankenkassen zurück. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kündigte nun an, die Erhöhung anzugehen. Zugleich sollen mit einer Gesundheitsreform aber auch Ausgabenbremsen für Apotheken kommen. Die finanzielle Lage soll auch Thema bei einem Wirtschaftsforum des Verbands am Dienstag in Berlin sein.
