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Chronische und psychische Leiden: Wenn Behinderungen unsichtbar sind

Chronische und psychische Erkrankungen sind oft unsichtbare Behinderungen. Experten fordern mehr Aufmerksamkeit – und kritisieren die schleppende Umsetzung inklusionspolitischer Vorhaben.

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Mann mit Gehhilfe steigt in ein Auto

© Nicht definiert

Berlin (dpa). Nicht jede Behinderung ist auf den ersten Blick erkennbar – doch gerade unsichtbare Beeinträchtigungen wie chronische Erkrankungen oder psychische Störungen schränken viele Betroffene stark ein. Darauf weisen Experten vor dem Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember hin – und fordern größere Anstrengungen von der Politik.

Beim Thema Behinderungen haben viele Menschen vermutlich spontan das Bild von einem Menschen im Rollstuhl oder mit einem Blindenstock vor Augen. Dabei ist das Spektrum an Behinderungen viel breiter. “Menschen mit Behinderung sind keine homogene Gruppe”, sagt Dorothee Czennia vom Deutschen Behindertenrat (DBR). Entsprechend unterschiedlich seien die Barrieren im Alltag. Das unterstreicht auch Jürgen Dusel, der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen: “Behinderungen können vielfältig sein, was auch bedeutet, dass Barrierefreiheit nicht immer nur mit einer Rollstuhlrampe hergestellt ist, das ist ein Stereotyp.”

Unsichtbar und wenig bekannt

Dusel sagt zudem: “Weniger bekannt sind vor allem die unsichtbaren Behinderungen, zum Beispiel aufgrund von chronischen Erkrankungen und psychischer Beeinträchtigungen.” Tatsächlich können auch Diabetes, Allergien, Asthma, psychische Störungen, Suchterkrankungen, Krebs, Diabetes, ME/CFS, Long Covid, Umwelterkrankungen, Parkinson, Multiple Sklerose, Demenz, Schwerhörigkeit, ADHS, Legasthenie, Inkontinenz und viele weitere Erkrankungen eine Behinderung darstellen und als solche anerkannt werden.

Besonders psychische Behinderungen haben laut Teilhabebericht der Bundesregierung in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. “Viele Betroffene sind stark in der Teilhabe eingeschränkt: im Arbeitsleben, am Wohnungsmarkt, bei Freizeitaktivitäten”, sagt Katarina Stengler von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN).

“Die Person ist nicht behindert, sie wird behindert”

Dabei ist nicht jede körperliche oder psychische Funktionsstörung gleich eine Behinderung. Im Teilhabebericht der Bundesregierung ist zunächst nur von “Menschen mit Beeinträchtigungen” die Rede. Erst durch Barrieren in der Umwelt entstehe eine Behinderung. “Die Person ist nicht behindert, sie wird behindert”, heißt es in dem Bericht.

Behindertenbeauftragter Dusel sieht beim Abbau von Barrieren auch die Politik in der Verantwortung. Viele inklusionspolitische Vorhaben seien auf die lange Bank geschoben worden und nun dem Ampel-Aus zum Opfer gefallen, darunter wahrscheinlich auch die im Koalitionsvertrag vereinbarte Novelle des Behindertengleichstellungsgesetzes. Mit dem Gesetz sollten etwa private Anbieter von Gütern und Dienstleistungen verpflichtet werden, Barrieren abzubauen.

“Bei den für die Politik wichtigsten Vorhaben, von denen man nun immer hört und liest, finden die inklusionspolitischen Vorhaben leider keine Erwähnung”, kritisiert Dusel. “Das ist wirklich ärgerlich und spiegelt sich natürlich auch insgesamt in der Wahrnehmung der Bevölkerung wider.”

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