Ihre-Vorsorge Logo

Depressionen bei älteren Menschen werden unterschätzt

Wenn Senioren alles schwarz sehen, kann dahinter eine Depression stecken. Zu wenige Menschen wissen das und das hat Folgen.

Artikel vorlesen

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlicht

Seniorin sitzt in einem Sessel und schaut nachdenklich. Bild: IMAGO / Panthermedia

© Nicht definiert

Berlin (dpa). Depressionen bei älteren Menschen werden nach einer repräsentativen Umfrage in Deutschland massiv unterschätzt. So glaubt eine große Mehrheit der Bevölkerung (83 Prozent), dass die Krankheit vor allem im jungen und mittleren Lebensalter auftritt, teilte die Stiftung Deutsche Depressionshilfe am Dienstag mit. Zu häufig würden Anzeichen von Depressionen bei Senioren deshalb bagatellisiert und als Bitternis des Alters abgetan. Dieses Unwissen trage mit dazu bei, dass die Krankheit im Alter häufig gar nicht oder falsch behandelt werde, sagte Psychiater Ulrich Hegerl, Vorstandschef der Stiftung. „Wir haben hier einen riesigen Verbesserungsspielraum.“

Für die Umfrage „Depressions-Barometer“ wurden 5.350 Bundesbürger zwischen 18 und 79 Jahren im Juli 2019 befragt. 350 von ihnen waren älter als 70. Der Schwerpunkt lag darauf, was sie über Depressionen bei älteren Menschen wissen und denken.

Umfrageergebnisse zeigen Fehleinschätzungen durch Unwissenheit

Manche Umfrage-Ergebnisse klingen fast nach Altersdiskriminierung: So sprach sich jeder sechste Befragte dafür aus, Geld für die Behandlung von Depressionen lieber für jüngere Patienten auszugeben. Gut ein Fünftel (22 Prozent) meinte, dass bei Älteren die Behandlung körperlicher Erkrankungen wichtiger sei. Ein Drittel der jungen Befragten (36 Prozent) glaubt, dass sich Depressionen im Alter weniger gut oder überhaupt nicht behandeln lassen. Und mehr als zwei Drittel aller Interviewten (71 Prozent) gehen davon aus, dass alte Menschen ohnehin kaum bereit sind, zum Psychotherapeuten zu gehen.

Depressionen im Alter lassen sich gut behandeln

Hintergrund für solche Fehleinschätzungen ist häufig Unwissen: In der Realität gehören Depressionen neben Demenz-Erkrankungen zu den häufigsten psychischen Leiden im höheren Lebensalter und können nach Studien in Deutschland rund sechs Prozent der älteren Menschen treffen. Im mittleren Lebensalter liegt diese Quote nur wenig höher – bei acht Prozent. Behandeln lässt sich die Krankheit nach einer Diagnose in jedem Lebensalter gleich gut.

Die Suizidrate ist fünf Mal so hoch wie bei jüngeren Erwachsenen

„Eine Depression im Alter ist keine Folge von Einsamkeit, Trauer oder Verlusterlebnissen“, erläuterte Hegerl. „Es ist eine eigenständige Erkrankung, die noch tödlicher ist als sonst.“ Die Suizidrate im Alter liegt in Deutschland rund fünf Mal so hoch wie bei jüngeren Erwachsenen. Die Mehrzahl der insgesamt rund 9.000 erfassten Selbsttötungen pro Jahr in Deutschland geht nach Ansicht von Experten auf psychische Erkrankungen zurück.

Falsche Diagnosen verhindern oft eine notwendige Psychotherapie

Die Fehleinschätzungen der Bevölkerung mit Blick auf Depressionen im Alter haben nach Angaben der Stiftung Folgen. So erhielten nur 12 Prozent der betroffenen Senioren über 70 eine Psychotherapie, heißt es. Bei den 30- bis 69-Jährigen sei es dagegen fast ein Drittel (31 Prozent). Die Umfrage zeigt, dass die deutlich niedrigere Quote nicht am Unwillen der Senioren liegt: Zwei Drittel (64 Prozent) wären laut Umfrage bereit, eine Therapie zu machen. Sie wird ihnen aber wahrscheinlich seltener angeboten, weil Symptome zu schnell mit „dem Alter“ erklärt werden.

Auslöser und Symptome einer Depression

Auslöser von Depressionen können in jedem Lebensalter traumatische Erlebnisse, Missbrauch, aber auch erbliche Faktoren sein. „Das ist keine pure Befindlichkeitsstörung, Depressionen fühlen sich anders an“, sagte Hegerl.

Wenn alten Menschen nichts mehr Freude macht, sie kaum noch etwas interessiert und sie sich permanent erschöpft fühlen, schrillten bei Angehörigen und auch Pflegepersonal seltener die Alarmglocken als bei jüngeren Menschen. Ähnlich gelte das für zu wenig Appetit, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, innere Unruhe, Schuldgefühle, Hoffnungslosigkeit und Suizidgedanken.

„Menschen werden nicht depressiv, weil sie einsam sind“, ergänzte der Psychiater. „Es ist oft die Depression, die zum sozialen Rückzug und zu einem Gefühl der inneren Versteinerung führt.“ Helfen könne man Senioren am besten, indem man sie für eine Abklärung beim Gang zu Fachärzten wie Psychiatern unterstütze. Sie könnten Depressionen auch gut von einer Demenz unterscheiden.

Weitere Informationen


Weitere Artikel

Time
3 Minuten

Wie lange braucht man Sonne, um genug Vitamin D zu speichern? Was sollte man essen, und wann sind Extra-Präparate sinnvoll, auch für die Stimmung? Antworten darauf – und wo man aufpassen sollte.

Time
3 Minuten

Hitzewallungen und Nachtschweiß sind lästige Menopause-Begleiter. Viele frei verkäufliche Mittel versprechen mehr Balance. Was sinnvoll sein kann – und was sich Frauen laut „Öko-Test“ sparen können.

Time
2 Minuten

Die Rentenversicherung übernimmt die Kosten einer bewilligten Kinderreha. Eltern können unter bestimmten Voraussetzungen mitkommen.

Time
3 Minuten

Um zu mehr Transplantationen zu kommen, wird schon lange über eine Änderung der Organspende-Regeln diskutiert. Im Parlament wird es nun konkret.

Time
2 Minuten

Ein Forscher-Team hat Studien mit weltweit über 80.000 Menschen ausgewertet, die Familienmitglieder pflegen. Eine Erkenntnis: Unterstützung wird zwar gebraucht – aber oft nicht in Anspruch genommen.

Time
4 Minuten

Die schwarz-rote Koalition will das Gesundheitssystem reformieren – erst mit Ausgabenbremsen für stabile Beiträge 2027, dann mit weiteren Schritten. Was bedeutet da eine Wortmeldung des Kanzlers?

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026