Stuttgart (drv/sth). In den kommenden Jahren geht ein großer Teil der geburtenstarken Jahrgänge in Rente. Deshalb braucht die gesetzliche Rentenversicherung Freiräume, um dem steigenden Bedarf an Rehaleistungen gerecht werden zu können. Das betonte am Dienstag die alternierende Vorstandsvorsitzende für die Arbeitgeberseite der Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg (DRV BW), Karoline Bauer, vor der Vertreterversammlung des südwestdeutschen Rentenversicherungsträgers. Die Vertreterversammlung ist das „Parlament“ eines Rentenversicherers und besteht aus je 15 Vertretern von Arbeitgeber- und Versichertenseite.
Deshalb unterstütze die DRV die Gesundheit und Teilhabe ihrer Versicherten am Arbeitsmarkt auch mit eigenen Reha-Kliniken, sagte Bauer. Es sei „sehr erfreulich, dass wir in 2025 die Erweiterung unserer Rehaklinik Glotterbad angehen können“. Bauer verband diese Feststellung mit einem Dank für die Unterstützung der Landesregierung. „Gerade im Bereich der Psychosomatik besteht ein immenser Bedarf“, sagte die ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende.
Haushalt wächst um knapp 5,7 Prozent
Rund 29,2 Milliarden Euro – und damit 5,66 Prozent mehr als im Vorjahr – kann der Regional-Rentenversicherer für das Ländle nach eigenen Angaben im kommenden Jahr vor allem für Renten- und Rehabilitationsleistungen ausgeben. Den Weg dafür frei machten die Delegierten der Vertreterversammlung unter dem Vorsitz von Hans-Michael Diwisch (Vertreter der Arbeitgeber) in Stuttgart. Der Haushaltsplan der DRV BW ist der größte Haushalt in Baden-Württemberg nach dem der Landesregierung.
Die DRV BW rechnet auch für 2025 mit steigenden Einnahmen. Deren größten Anteil stellen demnach in 2025 Beiträge dar, die nach aktueller Prognose 22,64 Milliarden Euro (77,44 Prozent) ausmachen. Hinzu kommen Bundesmittel in Höhe von 5,92 Milliarden Euro (20,24 Prozent) für nicht betragsgedeckte Leistungen. Diesen Einnahmen stehen in 2025 Ausgaben der DRV BW von geschätzt 23,99 Milliarden Euro für Renten gegenüber. Hinzu kommen circa 1,92 Milliarden Euro für die Kranken- und Pflegeversicherung der Rentnerinnen und Rentner. Für Rehaleistungen sind im Haushalt 2025 rund 661,4 Millionen Euro eingeplant.
Rentenversicherung finanziell stabil
Andreas Schwarz, Erster Direktor der DRV BW, skizzierte die Finanzlage der allgemeinen Rentenversicherung. Aufgrund der mit 4,57 Prozent kräftigen Rentenanpassung zum 1. Juli 2024 sowie des verstärkten Rentenzugangs durch die Boomer-Generation sei für das laufende Jahr trotz hoher Beitragseinnahmen mit einem leichten Defizit zu rechnen. Dieses könne aber planmäßig aus der Nachhaltigkeitsrücklage ausgeglichen werden, die zum Jahresende mit rund 43,6 Milliarden Euro immer noch prall gefüllt sei, so Schwarz.
Dies garantiere weiterhin einen stabilen Beitragssatz von 18,6 Prozent voraussichtlich bis zum Jahr 2027 und damit zehn Jahre in Folge, ergänzte der Vorsitzende der Geschäftsführung. „Voraussetzung hierfür ist, dass es nicht zu erneuten haushaltspolitisch motivierten Kürzungen bei den Bundeszuschüssen kommt“, mahnte Schwarz.
