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IGeL: Meist fragwürdig, manchmal schädlich

Kostenpflichtige Zusatzleistungen beim Arzt kann man sich meist sparen. Einige sind sogar gefährlich, warnen Experten.

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Ärztin im Gespräch mit Patientin. Bild: IMAGO / emil umdorf

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Bad Homburg (bd). Den Augeninnendruck messen, den Vitamin-B12-Status im Blut ermitteln – wer von seinem Arzt solche so genannte individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) angeboten bekommt, kann oft schwer Nein sagen. Schließlich vertraut man doch seinem Arzt, oder?

Wer es lieber genauer wissen will, findet seit 2012 im „IGeL-Monitor“ eine nützliche Entscheidungshilfe. Darin nehmen Wissenschaftler im Auftrag des Medizinischen Dienstes Bund die kostenpflichtigen Zusatzleistungen unter die Lupe. Sie wägen Nutzen und Schaden anhand der aktuellen Studienlage ab und beziehen auch internationale Leitlinien medizinischer Fachgesellschaften ein.

Nutzen oft unklar oder eher negativ

Die Bilanz ist bislang ernüchternd. Von 55 untersuchten Leistungen schneiden aktuell nur zwei mit „tendenziell positiv“ ab: die Lichttherapie bei Winterdepression und die Akupunktur zur Vorbeugung von Migräne-Anfällen. Bei den meisten Angeboten heißt es „unklar“ – oder sogar „tendenziell negativ“. Dann überwiegt also der mögliche Schaden den möglichen Nutzen.

Zu den „tendenziell negativen“ Leistungen gehören zum Beispiel einige Vorsorgeuntersuchungen, die sich nicht im Vorsorgeprogramm der gesetzlichen Krankenkassen finden. Darunter der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs und die MRT-Untersuchungen zur Brustkrebs- und zur Demenz-Früherkennung. Auch die Augenspiegelung mit Innendruckmessung zur Früherkennung vom Grünem Star (Glaukom) schneidet „tendenziell negativ“ ab.

Riskante Eierstock-Untersuchung

Daneben würden aber auch IGeL verkauft, die eindeutig negativ zu bewerten sind. Dazu gehört zum Beispiel die Colon-Hydro-Therapie, eine besondere Form der Darmspülung, die schwere Schäden anrichten kann, aber auch die Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung von Eierstockkrebs.

Beim Eierstockultraschall kann es zu vielen falsch positiven Ergebnissen und damit zu unnötigen weiteren Eingriffen kommen. „Dies widerspricht den einfachsten Regeln der Patientensicherheit. Diese IGeL sollte gar nicht mehr angeboten werden“, fordert Stefan Gronemeyer, Vorsitzender des Medizinischen Dienstes Bund. Von dieser Leistung raten internationale medizinische Fachgesellschaften seit Jahren ab.

Vitaminchecks und Zahnreinigung

Zumindest als „unklar“ bewerten die Experten den Nutzen der bei vielen Patienten beliebten professionellen Zahnreinigung und der Laserbehandlung bei Krampfadern.

Auch den oft angepriesenen „Vitamin-Checks“ und „Vitamin-Kuren“ können die Wissenschaftler wenig abgewinnen: Fehlanzeige bei Studien, die den Nutzen belegen könnten. Mögliche Schäden seien aber auch „eher unwahrscheinlich“.

Oft kaum Aufklärung

Mit Sorge sei zu beobachten, dass sich Versicherte nicht ausreichend informiert oder gar zeitlich unter Druck gesetzt fühlen. Diese Erfahrungen habe bereits der IGeL-Report 2020 bestätigt: Knapp die Hälfte der Befragten hatten berichtet, dass die IGeL positiver als die Kassenleistungen dargestellt wurden. Jeder Fünfte hatte angegeben, bei der Entscheidung zeitlich unter Druck gesetzt worden zu sein.

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