Hamburg (bd). Psychische Erkrankungen sind laut Krankenkassendaten immer häufiger der Grund für Ausfälle am Arbeitsplatz. Die Ersatzkasse DAK-Gesundheit meldet für 2022 einen neuen Höchststand bei den psychisch bedingten Fehltagen. Mit 301 Fehltagen je 100 Versicherte lagen die Fehlzeiten um knapp die Hälfte höher als zehn Jahre zuvor.
Starker Anstieg bei Unter-30-Jährigen
„Der neue Höchststand bei den psychischen Erkrankungen ist besorgniserregend, weil zunehmend auch junge Erwachsene betroffen sind und im Job ausfallen“, sagt Andreas Storm, Vorstandschef der DAK-Gesundheit. Ältere Menschen hätten absolut mehr psychisch bedingte Fehltage. Allerdings sei die Zahl bei jüngeren innerhalb eines Jahres stärker gestiegen: bei den 25- bis 29-jährigen Frauen um 24 Prozent, bei den gleichaltrigen Männern sogar um 29 Prozent. Die 20- bis 24-Jährigen hatten ebenfalls knapp ein Viertel mehr Fehltage als gleichaltrige Frauen im Vorjahr.
Teilweise hänge der Anstieg mit der neuen elektronischen Meldung der Krankschreibung zusammen. Weil Krankschreibungen seit 2022 automatisch an die Versicherungen gehen, würden nun auch Fälle auftauchen, die bislang nicht erfasst wurden. „Vermutlich hatten wir bisher insbesondere bei Menschen eine Untererfassung, die nur wenige Tage bei einem Fall erkrankt sind“, sagte Andreas Storm.
Belastung besonders in sozialen Berufen hoch
Der DAK fordert, der seelischen Gesundheit am Arbeitsplatz insbesondere bei Auszubildenden und jungen Beschäftigte noch mehr Beachtung zu schenken. Diese seien erst am Anfang ihres Berufslebens und dürften nicht Gefahr laufen, eines Tages verfrüht ausgebrannt zu sein und aussteigen zu müssen.
Nach Branchen betrachtet gibt es die meisten Ausfälle im Gesundheitswesen, gefolgt von der öffentlichen Verwaltung. Besonders betroffen sind Beschäftigte in sozialen Berufen wie Erzieher, Sozialpädagogen und Altenpflegekräfte.
Reha: Anteil der psychischen Erkrankungen nimmt zu
Der langfristige Trend zu mehr psychischen Erkrankungen ist auch in der Rehabilitation erkennbar. Die Deutsche Rentenversicherung verzeichnet einen Anstieg des Anteils von Rehas wegen psychischer Erkrankungen in den vergangenen 20 Jahren von rund 16 auf mehr als 21 Prozent. Ein Grund sei, dass psychische Erkrankungen inzwischen besser erkannt und damit häufiger diagnostiziert werden.
