Berlin (dpa). Bei vielen Selbstzahlerleistungen in Arztpraxen gibt es aus Expertensicht weiterhin Zweifel am medizinischen Nutzen – auch bei neuen Angeboten mit Blick auf Long-Covid-Beeinträchtigungen. Von insgesamt 55 bewerteten individuellen Gesundheitsleistungen (IGel) sei keine als positiv eingestuft worden, zwei seien tendenziell positiv, teilte der Medizinische Dienst Bund am Donnerstag mit. Der überwiegende Teil sei mit unklar, tendenziell negativ oder negativ bewertet worden. Patienten müssten auch besser informiert werden.
Eierstock-Untersuchung in der Kritik
Die meistverkauften Selbstzahlerleistungen seien weiter Ultraschall der Eierstöcke und der Gebärmutter zur Krebsfrüherkennung. Bewertet worden seien sie aber mit negativ beziehungsweise tendenziell negativ. Bei dieser Untersuchung könne es häufig zu falsch-positiven Befunden und dadurch zu unnötigen weiteren Untersuchungen und Eingriffen kommen, erklärte die Expertenorganisation, die die gesetzlichen Kassen berät. Oft würden junge Frauen völlig unnötig in Angst versetzt. Generell würden die Leistungen inzwischen immer häufiger auch an Jüngere verkauft.
Leistungen für Long-Covid-Geschädigte: Nutzen unklar
Als unklar bewertet worden sei auch der Nutzen zweier neuer Angebote, die Menschen mit längeren Beeinträchtigungen nach Corona-Infektionen (Long Covid) teuer verkauft würden. Zu einer Blutwäsche (Apherese) seien nach intensiver Recherche in medizinischen Datenbanken gar keine Studiendaten zu finden gewesen. Zu einer Sauerstofftherapie sei eine Studie gefunden worden, aus der aber kein Nutzen habe abgeleitet werden können.
Wichtig sei jedoch, diese Ideen einer strukturierten Prüfung im Sinne einer klinischen Studie zu unterziehen und dabei Daten zu sammeln und auszuwerten. Die Angebote sollen darauf zielen, Symptome wie Erschöpfung oder Kurzatmigkeit zu lindern.
