Berlin/Frankfurt (dpa). In Deutschland sind laut einer Studie relativ viele Senioren mit Covid-19 aufwendig, aber erfolglos bei schwerem akutem Lungenversagen behandelt worden. „Inakzeptabel hoch“ sei die Krankenhaus-Sterberate bei älteren Covid-19-Patienten, die eine sogenannte Ecmo-Therapie erhielten, lautet die Bilanz in einer Studie, die kürzlich im „European Journal of Anaesthesiology“ erschienen ist.
Eine Gruppe um Benjamin Friedrichson vom Universitätsklinikum Frankfurt analysierte für die Studie Daten aller 4279 Ecmo-Behandlungen bei Covid-19-Patienten an deutschen Krankenhäusern zwischen Januar 2020 und Ende September 2021. Je nach Art der Ecmo-Therapie überlebten 72 beziehungsweise rund 66 Prozent der Covid-19-Erkrankten nicht. Bei Menschen über 60 habe sie 77 Prozent betragen. Internationale Publikationen mit den Ergebnissen von meist spezialisierten Zentren wiesen demnach deutlich bessere Raten aus, dort starben je nach Studie nur 37 beziehungsweise 53 Prozent.
In Deutschland kamen vor allem Ältere an die Ecmo
Bei der sogenannten extrakorporalen Membranoxygenierung (Ecmo) kommt praktisch eine künstliche Lunge neben dem Körper zum Einsatz. Das Gerät übernimmt die Funktion des Organs, das sich in der Zwischenzeit erholen können soll.
„Die Ärzte hierzulande machen keine schlechte Medizin und die Ecmo ist eine wunderbare Therapie, die wir nicht missen wollen“, sagte Friedrichson. „Bei jüngeren Menschen sind die Ergebnisse auch sehr gut.“ In Deutschland seien aber im Vergleich zu anderen Ländern viele Ältere an der Ecmo behandelt worden.
Einsatz der Ecmo braucht Erfahrung
Thomas Bein, früher Intensivmediziner am Uniklinikum Regensburg und Mitautor einer vorherigen Studie mit ähnlichem Ergebnis sagt: „Die Ecmo ist in der Corona-Pandemie insgesamt zu unkritisch und unreglementiert eingesetzt worden: als letztes Mittel, wenn sonst nichts mehr half.“ Er spricht von einem „Qualitätsproblem“ und hält stärkere Regulierung für nötig. In Deutschland bieten relativ viele Kliniken Ecmo bei akutem Lungenversagen an: mehr als 270 nach den aktuellsten Daten von 2020, rund 40 mehr als zwei Jahre zuvor, wie Friedrichson sagte. Corona dürfte laut Fachleuten für weitere Verbreitung gesorgt haben.
Eine Vergleichszahl nennt Steffen Weber-Carstens, Intensivmediziner an der Charité: „In ganz Großbritannien machen derzeit acht Kliniken Ecmo. Patienten werden dorthin verlegt.“ Wenige Häuser haben also je viele Patienten pro Jahr, hierzulande ist es oft umgekehrt. „Ecmo gehört in sehr erfahrene Hände, es gibt ein hohes Komplikations- und Nebenwirkungspotenzial. Sehr viele, vor allem kleinere Krankenhäuser haben die Expertise aber nicht“, sagt Bein. Als erfahren gelten Zentren ab 20, 30 Patienten pro Jahr.