Ihre-Vorsorge Logo

Übelkeit im Zug: Wenn das Hirn in Fahrtrichtung fahren will

Schwindel, Übelkeit und Kreislaufstörungen: Die erleben so einige, wenn sie im Zug „rückwärts“ fahren. Was steckt dahinter?

Artikel vorlesen

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlicht

S-Bahnhof München, Donnersberger Brücke. Bild: IMAGO / Wolfgang Maria Weber

© Nicht definiert

Berlin (dpa/tmn). Die Vorfreude auf die nächste Reise ist groß, wären da nicht diese lästigen Begleiterscheinungen. Zum Beispiel, wenn man im Zug einfach nicht gegen die Fahrtrichtung sitzen kann. Schwindel, Kopfschmerzen und Erbrechen: Die Reisekrankheit ist für Betroffene ungefährlich, aber sehr unangenehm. 

Was das mit dem eigenen Gehirn zu tun hat und wie Reisende dem flauen Gefühl im Magen vorbeugen können, erklärt Tomas Jelinek, Medizinischer Direktor des Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (BCRT).

Warum wird manchen Reisenden beim Zugfahren gegen die Fahrtrichtung schlecht? 

Tomas Jelinek: Es handelt sich dabei um eine Reise- oder Bewegungskrankheit, fachsprachlich auch Kinetose genannt. Der Fachbegriff Kinetose leitet sich von dem griechischen Wort für Bewegung (kinein) ab. 

Denn es ist der Bewegungsreiz in einem fahrenden Auto oder Schiff oder einem Flugzeug in der Luft, der bei Menschen die Reisekrankheit auslöst. 

Das bedeutet, dass das Gehirn unterschiedliche Informationen über die Position des Körpers im Raum erhält. Der Mensch hat verschiedene Zentren im Gehirn, die sich mit der Körperposition beschäftigen. Da sind zum einen die Augen, die Gleichgewichtsorgane und sogenannte Propriorezeptoren, die über den ganzen Körper verteilt sind und für die unbewusste Wahrnehmung der eigenen Bewegung zuständig sind.

Normalerweise, wenn ich durch die Landschaft gehe, werden diese Informationen synchronisiert. Die verschiedenen Sinne teilen mir mit, dass ich mich kontinuierlich vorwärts bewege. 

Wenn ich nun passiv in einem modernen Verkehrsmittel oder auch auf einem Schiff unterwegs bin, sind die Bewegungen, die ich habe, anders als die, die zu meiner Körperhaltung passen, weil ich ja still sitze. Das verwirrt die verschiedenen Bereiche im Gehirn, die die Informationen verarbeiten müssen.

Und wie entsteht dabei genau die Übelkeit? 

Ganz in der Nähe der betroffenen Gehirnzentren befindet sich das Brechzentrum. Daher kann eine Überreizung dieser Zentren zu Übelkeit, Erbrechen oder anderen Symptomen wie Schwindel oder Kopfschmerzen führen: Das heißt, es handelt sich um einen Informationskonflikt, den das Gehirn in diesem Moment nicht lösen kann.

Bei manchen Menschen ist diese Reaktion stärker, vor allem bei Kindern. Das liegt daran, das ihr Gehirn noch nicht vollständig an die Umwelt angepasst ist.

Wenn ich davon betroffen bin, muss ich mir dann im Zug einen neuen Platz suchen und vorwärts fahren – oder gibt es Tricks, wie ich es auf dem Rückwärts-Platz trotzdem aushalten kann? 

Die mit Abstand beste Lösung ist es, sich einen Ort zu suchen, an dem man nach vorne blickt. Alles andere ist nicht annähernd so effektiv. Ein Blick aus dem Fenster, der den Augen eine Vorstellung von der Bewegung vermittelt, kann ebenfalls helfen. Es können auch Medikamente verabreicht werden, um die Symptome der Reisekrankheit lindern.

Mehr zum Thema

Plötzlicher Schwindel kann ein Warnzeichen sein (12.1.2023)


Weitere Artikel

Time
5 Minuten

Zwei Stunden im Wartezimmer, nur zwei Minuten beim Arzt: Menschen haben nach einem Arztbesuch oft das Gefühl, ihre Sorgen gar nicht richtig losgeworden zu sein. Mangel an Gespräch kann aber schaden.

Time
2 Minuten

Herzinfarkte und Schlaganfälle bleiben die tödlichsten Erkrankungen. Die Fallzahlen sinken seit dem Jahr 2022 aber deutlich.

Time
2 Minuten

Wenn eine Grippewelle anrollt, können viele Beschäftigte nicht zur Arbeit gehen. Für den Krankenstand haben aber auch andere Erkrankungen zusehends starke Effekte, wie eine Analyse ergab.

Time
2 Minuten

Geht es um die gesundheitlichen Risiken von Körperfett, sind Bauchpolster kritischer als Hüftgold. Wie Sie mit Maßband und Taschenrechner herausfinden, wo Sie stehen.

Time
2 Minuten

Umwelt-Faktoren sind Teil unseres Alltags und können das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Was die Deutsche Herzstiftung rät und was Experten sagen.

Time
2 Minuten

Dentalphobie ist keine Einbildung: Doch wer Zahnarztpraxen meidet, riskiert mehr Beschwerden. Warum ein offener Umgang mit der Angst hilft. Und was Sie mit ihrem Zahnarzt besprechen sollten.

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Verpassen Sie kein Thema mehr.

Unser Newsletter informiert Sie regelmäßig und aktuell rund um die Themen Rente, Finanzen, Gesundheit und Soziales. Keine Werbung und 100% kostenlos.

Kontakt zur Deutschen Rentenversicherung

Wie können wir Ihnen weiterhelfen?
Icon Telefon
Kostenloses Servicetelefon
Mo. – Do. 08:00 – 19:00, Fr. 08:00 – 15:30
Logo Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung

Rechtliches

Service

Kostenlos und jederzeit abbestellbar – nach dem Absenden wählen Sie Themen und Rhythmus.

Logo klein Deutsche Rentenversicherung
Eine Initiative der Deutschen Rentenversicherung
© Ihre-Vorsorge 2026