
München (dpa/tmn). Ein bisschen Bauch hier, etwas zu viel Speck da, nicht allzu viel Bewegung – aber eigentlich fühlt man sich pudelwohl. Was kann an dieser Konstellation schlimm sein?
Eine ganze Menge, sagt Professor Martin Halle, Ärztlicher Direktor für Präventiv- und Sportmedizin der TU München. Denn über die Jahre können sich aus all diesen vermeintlichen Kleinigkeiten gefährliche Herz-Kreislauf-Leiden entwickeln.
Umgekehrt kann man unangenehmen Phänomenen wie dem sogenannten Vorhofflimmern allein durch einen gesunden Lebensstil sehr gut vorbeugen, wie der Experte im Interview erläutert.
Das klingt gar nicht so schlimm. Das Bauchfett sorgt jedoch für eine permanente Entzündungsreaktion im ganzen Körper, die nach und nach die Gefäße schädigt. Sie werden steifer, kann man vereinfacht sagen. Mit jedem Herzschlag erreichen diese Entzündungsprozesse das Herz und verändern dort auch die winzig kleinen Gefäße, die den Herzmuskel versorgen.
Das heißt: Nicht nur die Gefäße werden steif, sondern auch der Herzmuskel selbst. Das ist eine blöde Situation. Die Leute fühlen sich ja meist noch gesund. Sie haben aber praktisch eine Bombe im Körper.
Dieses Reizleistungssystem muss man sich vorstellen wie ein Geflecht aus Kabeln. Die Kabel muss man natürlich intakt halten. Sonst gerät das System außer Kontrolle. Durch die Entzündungsprozesse gehen die Kabel kaputt.
Die Folge sind Rhythmusstörungen wie das Vorhofflimmern. Unter anderem deshalb erhöht Übergewicht das Risiko für Vorhofflimmern um das Fünffache.
Nach rund zehn Jahren aber wird aus einer Fehlfunktion der Gefäße eine Verhärtung, die nur noch bedingt verbesserbar ist. Irgendwann kommt es zu strukturellen Veränderungen. Da sprechen wir dann aber von 20 bis 30 Jahren.
Beides zusammen – Abnehmen und mehr Bewegung – führt dazu, dass die Entzündungsreaktionen abnehmen. Der Blutdruck sinkt meist ebenfalls etwas, so dass insgesamt weniger Druck auf dem Gefäßsystem und dem Herzen lastet. Alles zusammen sorgt bestenfalls dafür, dass das Herz gar nicht erst aus dem Takt gerät.
Ganz konkret: Wenn man ungefähr 10 Prozent bessere Fitness bekommt, dann hat man innerhalb von fünf Jahren 35 Prozent weniger Vorhofflimmern. Und wenn man 10 Prozent Gewicht abnimmt, dann hat man nur noch halb so viele Episoden von Vorhofflimmern.
Meist geht natürlich beides Hand in Hand. So lässt sich die Erkrankung allein durch den Lebensstil maßgeblich beeinflussen.
Zur Person
Univ.-Prof. Dr. med. Martin Halle ist ärztlicher Direktor für Präventiv- und Sportmedizin am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München sowie Experte der Deutschen Herzstiftung.
