Altersvorsorge / 21.12.2020

Altersvorsorge mit ETF: Es geht auch nachhaltig

Wem bei der Altersvorsorge Nachhaltigkeit wichtig ist, der wird auch unter den ETF immer öfter fündig. Wie Sie nachhaltige ETF erkennen und welche die besten sind.

Nachhaltige ETFs: – Symbole für erneuerbare Energien.

Inhalt

MSCI World, DAX und Co: nachhaltige ETF-Alternativen

Viele Experten empfehlen günstige ETFs (börsengehandelte Indexfonds), um die eigene Altersvorsorge mit Hilfe des Aktienmarkts aufzubauen. Börsenindizes wie der beliebte MSCI World sind breitgestreut und investieren in bis zu 3.000 Unternehmen weltweit – auch in Ölfirmen, Waffenhersteller oder Unternehmen, die in Kinderarbeit oder Konfliktrohstoffe involviert sind.

Wer dies nicht möchte, sondern mit seinem Investment eher Themen wie erneuerbare Energien oder Recycling unterstützen will, muss auf die Geldanlage in ETF nicht verzichten. Denn zu vielen großen Aktienindizes gibt es mittlerweile nachhaltige Tochterindizes, etwa

  • zum MSCI World den MSCI World SRI (Socially Responsible Investment)
  • zum Dow Jones den Dow Jones Sustainability Index (DJSI)
  • zum FTSE den FTSE4Good
  • zum deutschen DAX den DAX ESG (Environmental, Social, Governance).

Diese nachhaltigen Börsenindizes picken aus den Mutterindizes nach bestimmten ökologischen und sozialen Kriterien die besten Unternehmen heraus.

Auf Basis solcher Indizes werden zunehmend ETFs entwickelt, rund 150 davon sind aktuell auf dem deutschen Markt handelbar. Gleichzeitig werben auch immer mehr aktiv gemanagte Nachhaltigkeitsfonds um Anleger.

Nachhaltige ETF boomen

Der Anteil nachhaltiger Fonds am Gesamtmarkt ist bislang noch niedrig, steigt aber rasant. Laut Forum Nachhaltige Geldanlagen wurde 2019 die Fünf-Prozent-Marke überschritten. Interessant: Laut Analyse von Finanztest haben sich nachhaltige Indizes in den vergangenen Jahren besser entwickelt als ihre Mutter-Indizes.

Welche nachhaltigen ETFs gibt es?

Nachhaltige ETFs sind an Kürzeln wie SRI, ESG und anderen erkennbar. Bereits seit 1997 gibt es hierzulande den Naturaktienindex (NAI). Die Börse Hannover hat 2007 den Global Challenges Index (GCX) entwickelt, auf dessen Basis es ebenfalls ETFs gibt.

Die ETF-Anbieter verfolgen unterschiedliche Strategien. Verbreitet ist der „Best-in-Class“-Ansatz. Dazu werden aus jeder Branche nur die nach ESG-Kriterien besten Unternehmen ausgewählt. So enthält etwa der MSCI World SRI gegenüber dem MSCI World nur noch knapp 400 statt 1.600 Unternehmen – darunter allerdings nach wie vor beispielsweise Kohle- und Ölfirmen.

Kritische Segmente werden daher oft zusätzlich ausgeschlossen, etwa Tabak, Alkohol, Kohle oder umstrittene Waffen. Dies ist an Namenszusätzen wie „Screened“ oder „ex Tobacco, Alkohol, Gambling, ...“ erkennbar.

Manchmal liegt der ESG-Fokus auch auf bestimmten Themen. Dass beispielsweise vor allem Unternehmen mit niedrigen CO2-Emissionen aufgenommen werden, ist an Zusätzen wie „Low Carbon“ oder „Climate Change“ erkennbar.

Auf der anderen Seite gibt es ETFs, die explizit eine Positiv-Auswahl betreiben, zum Beispiel gezielt Unternehmen aus der Erneuerbare-Energien-Branche vereinen.

Ein Nachteil nachhaltiger ETFs: Durch die geringere Anzahl an Unternehmen ist ihre Streuung niedriger als die der Mutterindizes. Einzelne Unternehmen erhalten so mehr Gewicht. Um hier gegenzusteuern, beschränken einige ETF deren maximalen Anteil. Dies ist an Zusätzen wie „5% capped“ zu erkennen.

Für ESG-Kriterien gibt es keine einheitliche Definition. ETF-Anbieter und spezialisierte Agenturen erstellen ihre eigenen Analysen und Gewichtungen. Entsprechend unterschiedlich können die Portfolios einzelner ESG- oder SRI-ETF denn auch sein.

Nachhaltige ETF in der Kritik

Wer Altersvorsorge-Vermögen mit ETFs aufbauen und dabei auch ethisch und ökologisch investieren möchte, findet in den nachhaltigen ETF-Varianten zahlreiche Möglichkeit – zu ähnlichen Kosten und mit ähnlicher Rendite. Dabei gilt: Je strenger die Kriterien eines nachhaltigen ETF sind, desto enger wird die Auswahl und damit die Anzahl der Unternehmen, die sich darin wiederfinden. Da für die Risikominimierung aber eine möglichst breite Streuung wichtig ist, wird man hier Kompromisse eingehen müssen.

Wer wirklich strenge Kriterien an sein Nachhaltigkeitsengagement legt, kommt mit ETFs aber nicht unbedingt zum Ziel. Das Magazin Ökotest hatte 2017 88 nachhaltige Indizes und ETF untersucht und allen eine „bestenfalls durchschnittliche“ grüne Performance bescheinigt.

Das Fachportal Ecoreporter testet regelmäßig einzelne nachhaltige ETF und spricht beim Gros von Grünwäscherei. Als beste Kandidaten werden hier der I-Shares Global Clean Energy, der Deka Oekom Euro Nachhaltigkeit und der Warburg Global Challenges genannt.

An dieser Stelle können aktiv gemanagte Nachhaltigkeitsfonds ins Spiel kommen, die zwar teils deutlich höhere Gebühren haben, dafür aber ihre Portfolios ständig hinterfragen und optimieren – auch im Diskussionsprozess mit den betroffenen Unternehmen. Bei Finanztest hat hier der GLS Bank Aktienfonds am besten abgeschnitten.

Die besten nachhaltigen ETF

Nachhaltige ETF werden in den Medien regelmäßig analysiert. Die Ergebnisse und Empfehlungen fallen dabei recht unterschiedlich aus. Im Juli 2020 hat Finanztest aktive und passive Fonds getestet und empfiehlt einen ETF von I-Shares auf den MSCI World SRI. Nachhaltigkeitssieger war der Warburg Global Challenges auf den recht strengen GCX.

Im November 2020 hat Finanztest auch nachhaltige Schwellenländerfonds untersucht und empfiehlt hier den MSCI Emerging Markets SRI Select Reduced Fossil Fuels.

Das Fachportal JustETF hat im November 2020 nachhaltige ETF für Europa unter die Lupe genommen und empfiehlt den BNP Paribas Easy MSCI Europe SRI S-Series 5% Capped UCITS ETF EUR Dis.

Finanztip hat ebenfalls im November 2020 nachhaltige ETFs getestet und empfiehlt zwei Produkte der UBS auf den MSCI World SRI sowie den I-Shares Dow Jones Global Sustainability Screened UCITS ETF.

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Autor

Jürgen Baltes