Finanzen / 05.05.2021

Aktienfonds – besser aktiv oder passiv?

Börsenanleger können zwischen aktiven und passiven Fonds wählen. Wo liegt der Unterschied und welche rentieren sich eher?

Aktienfonds – besser aktiv oder passiv? – Männliche Spielfiguren sthen auf Börsenpapieren mit Aktienkursen.

Frankfurt/Berlin (dpa). Aktienfonds gibt es für alle Branchen, Länder, Gebiete und Bedürfnisse. Wer sich entschieden hat, kann zwischen aktiven und passiven Fonds wählen. Bei Ersteren beschäftigen sich Fondsmanager aktiv mit dem Aktienbestand des Fonds, lassen Unternehmenszahlen und Marktentwicklung in die Kauf- oder Verkaufsentscheidungen einfließen und schichten Aktien um, wenn sie Chancen oder Risiken sehen.

Anders bei passiven Fonds, den Exchange Traded Funds, kurz ETFs. Diese börsengehandelten Indexfonds bilden einen Index nach, wie den deutschen Dax, den US-Börsenindex Dow Jones oder den Weltaktienindex MSCI World. Steigt der Index, steigt der ETF. Aktiv eingegriffen wird nicht. Doch wäre das besser? Gehen so vielleicht Chancen verloren?

Große Indexfonds sind schwer zu schlagen

Die Fondsratingagentur Morningstar hat sich angesehen, wie Indexfonds seit 2011 abgeschnitten haben. Maßstab der Untersuchung war das Morningstar-Sterne-Rating, das das Rendite-Risiko-Profil der Fonds innerhalb einer Kategorie misst.

Die zehn Prozent der Fonds auf dem Markt, die am besten abschneiden, bekommen jeweils fünf Sterne, die schlechtesten zehn Prozent bekommen einen. Fonds mit zwei Sternen sind unterdurchschnittlich, Fonds mit vier Sternen überdurchschnittlich und drei Sterne werden an Fonds mit einem durchschnittlichen Rendite-Risiko-Profil vergeben.

Was hat die Untersuchung gezeigt? „ETFs auf große Indizes, wie den MSCI Europe, EuroStoxx, den US-Markt oder den weltweiten MSCI World haben eine sehr gute Bilanz“, sagt Ali Masarwah, Chefredakteur bei Morningstar. „Sie haben über die komplette untersuchte Zeitspanne vier bis fünf Sterne bekommen.“

Das bestätigen auch andere Untersuchungen und Experten. „Nur fünf bis zehn Prozent aller aktiven Fonds, die sich an einem Index orientieren, können diesen auch schlagen“, sagt Doris Kappes von der Verbraucherzentrale Hamburg, „da nur Wenige gegen den Trend – der Index spiegelt ja den Markttrend – besser wirtschaften können.“

Aktive Fonds regelmäßig prüfen

Ein Renditekiller bei den aktiven Fonds sind die Kosten: Zu den oft höheren Anschaffungskosten, bis zu fünf Prozent bei aktiv gemanagten Fonds, kommen manchmal noch eine Gewinnbeteiligung und circa fünfmal so hohe laufende Kosten von ein bis zwei Prozent pro Jahr hinzu.

„Diese höheren Kosten wieder reinzuholen, ist selten möglich“, erklärt Yann Stoffel von der Zeitschrift „Finanztest“. Selbst wenn der Fondsmanager eine außergewöhnlich gut laufende Aktie entdeckt und in sein Portfolio genommen hat, falle das bei einem breit aufgestellten Fonds mit vielen Aktien im Portfolio kaum ins Gewicht.

Auch wenn es einem Fondsmanager gelingt, den Index zu schlagen, kann das viel mit Glück zu tun haben und muss sich in den folgenden Jahren nicht wiederholen. „Man sollte bei einem aktiven Fonds regelmäßig prüfen, wie er sich entwickelt“, sagt Kappes. „Ein ETF macht weniger Arbeit, weil er transparent ist. Da muss man nicht jedes Jahr gucken, hat mein Fondsmanager noch gut gemanagt oder nicht.“

Indexfonds können Schwächen haben

Es gibt aber auch Indizes mit Schwächen, die der ETF entsprechend übernimmt. „Beim britische FTSE 100 sind Versorger, Energie- und Tabakunternehmen übergewichtet“, sagt Masarwah, „da können Fondsmanager eingreifen und bei aktiven Fonds so umschichten, dass sie sich die Unwucht des Vergleichsindex zunutze machen.“

Schwächen haben auch die Indizes in Schwellenländern oder exotischen Märkten. „Jüngere Märkte sind nicht so entwickelt“, sagt Stoffel. „Dort gibt es manchmal weniger Publikationspflichten und weniger Kontrollen. Das könnten aktive Fondsmanager durch eigene Informationsbeschaffung ausnutzen.“ Das sieht auch Masarwah so: „Bei ineffizienten Märkten haben Fondsmanager Vorteile.“

In den vergangenen Jahren sieht man das im Ranking bei Morningstar allerdings nur noch bis 2013. Und eine Untersuchung von Finanztest bestätigt: Aktuell schneiden über 60 Prozent der aktiven Fonds für Schwellenlandaktien schlechter ab als ETFs. Aber auch wenn ein Fonds besser abschneidet als der Markt, ist das kein Hinweis für die Zukunft. Kappes sagt sehr deutlich: „Es sind nicht immer die Gleichen gut. Gewinner der Vergangenheit müssen nicht die Gewinner der Zukunft sein.“

ETFs auch in Corona-Zeiten gut

Das gilt auch für Rentenfonds. Bei ihnen wird mit dem Geld der Anleger in Anleihen investiert. Das können Unternehmens- sowie Staatsanleihen sein. Bei Rentenfonds ist die Auswahl an ETFs auf dem Markt deutlich geringer. Beim Morningstar-Rating haben ETFs, die in Anleihen aus Schwellenländern investieren, fast immer überdurchschnittlich abgeschnitten.

Gemischt dagegen die Bilanz bei europäischen und weltweiten Rentenpapieren: Nach den ersten überragenden Jahren haben die Renten-ETFs seit 2016 schlechter performt als der durchschnittlich aktive Fonds. „Fondsmanager können andere Papiere untermischten, die wegen eines höheren Risikos auch höhere Renditen bringen“, sagt Masarwah.

Man sollte meinen, in schwierigen Zeiten wie jetzt sei ein aktiver Fonds von Vorteil, weil der Fondsmanager schneller reagiert als der Markt, also der Durchschnitt. Finanztest hat aber die Entwicklung der ETFs und Fonds zwischen 2019 und Sommer 2020 untersucht und das so nicht bestätigt.

„Mehr aktive Fonds als sonst konnten beim coronabedingten Einbruch der Aktienmärkte ihren Vergleichsindex schlagen, aber vorher und nachher klappte das nicht so gut“, sagt Stoffel. Nur grob ein Drittel der Fonds schnitt insgesamt besser ab als ihr Vergleichsindex.

Stoffels Fazit: „Mit einem normalen ETF sind Anleger langfristig wahrscheinlich unter den 20 Prozent besten Fonds, und es ist unmöglich, aktive Fonds zu finden, die garantiert besser sein werden.“

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 Deutsche Presseagentur – Themendienst