Rente / 16.12.2021

DGB wehrt sich gegen Rückkehr des Nachholfaktors

„Immer wieder wird mit den gleichen falschen Argumenten und Behauptungen die nächste massive Rentenkürzung gefordert.“

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Berlin (sth). Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wehrt sich gegen die für das kommende Jahr geplante Wiedereinsetzung des Nachholfaktors in der Rentenanpassungsformel. „Die Renten würden bei reaktiviertem Nachholfaktor mit rund 12,4 Prozent bis 2025 um fast vier Prozent langsamer steigen als die Löhne“, heißt es in einem aktuellen Argumentationspapier der Gewerkschaften. Die Bezüge der Ruheständler stiegen „keineswegs schneller“ als die Löhne. Wer – wie manche Ökonomen und die Arbeitgeberverbände – fordere, den Nachholfaktor möglichst bald wieder einzusetzen, wolle „die Renten bis 2025 noch langsamer steigen lassen“, so der DGB.

Die Ampel-Regierung hatte in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, den seit 2018 und ursprünglich noch bis Juni 2026 ausgesetzten Nachholfaktor schon vor der Rentenanpassung im Juli 2022 wiedereinzuführen. Damit sollen die für 2022 und 2023 erwarteten starken Rentensteigerungen von jeweils rund 5 Prozent in den alten und knapp 6 Prozent in den neuen Ländern gedämpft werden. Allerdings hatte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bereits klargestellt, dass auch mit dem Nachholfaktor die Rentensteigerung im kommenden Jahr nur um etwa 0,8 Prozentpunkte geringer ausfallen werde als im aktuellen Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung prognostiziert. 

„Es erscheint angebracht, den Sachverhalt noch mal zu objektivieren“

„Angesichts der permanent vorgetragenen falschen Behauptung, die Renten würden stärker steigen als die Löhne, die Beschäftigten übervorteilt und der ewigen Mär von der Generationengerechtigkeit erscheint es angebracht, den Sachverhalt noch mal zu objektivieren“, begründet der DGB seine Haltung. Schon ohne Nachholfaktor kletterten die Renten „bis 2025 bereits etwas langsamer als die Löhne“. Zwar würden die Renten 2020, 2022 und 2023 „tatsächlich sogar deutlich schneller“ wachsen als die Verdienste der Beschäftigten, räumt der DGB in seinem Papier ein. Allerdings stiegen die Renten „2021, 2024 und 2025 deutlich langsamer als die Löhne“.

Rentenerhöhung: Wann kommt sie?

Jeden Juli wird die Rente nach der Rentenformel angepasst. Sie folgt der Lohnentwicklung. Die Rentenanpassungsmitteilung zeigt, was von der Rentenerhöhung übrig bleibt.

Die Entwicklung der gesetzlichen Renten folgt grundsätzlich der Lohnentwicklung. Die im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2009 gesetzlich erweiterte Rentengarantie verhindert allerdings bei einer gesunkenen Lohnsumme Rentenkürzungen. Im Gegenzug sollte der Nachholfaktor dafür sorgen, dass dieser Effekt ausgeglichen wird – also bei wieder steigenden Löhnen die verhinderte Rentenkürzung rechnerisch ausgeglichen wird, indem die Rente weniger stark steigt. Ziel war es, dass die Rentengarantie nicht zu einer dauerhaften Zusatzbelastung der Beitragszahler führt.

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Autor

Stefan Thissen